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WDR

Team: David Rühl, Julia Linn, Thierry Backes, Johannes Kolb 
Grafiken: Kathrin Achteresch

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9 Ausflüge mit dem 9-Euro-Ticket

Ein Bahnreisender verrät seine Tipps für Nordrhein-Westfalen



Im Juni, Juli und August können alle Menschen in Deutschland für monatlich neun Euro mit Bus und Bahn quer durchs Land fahren. Das 9-Euro-Ticket gilt im öffentlichen Personennahverkehr - also auch für Regionalzüge. Mit denen ist WDR-Reporter David Rühl viel unterwegs, genießt sein Leben in vollen Zügen. Er ist mit jedem Zug und jedem Bahnhof in NRW per Du. Hier verrät er seine neun liebsten Ausflüge - natürlich alle möglich mit dem 9-Euro-Ticket:

Hier klicken für alle Tipps zum Hören.

Lüdinghausen - einfache und kleine Tour zu den Wasserschlössern

Die kleine Stadt Lüdinghausen im Kreis Coesfeld ist ein Kleinod für Leute, die sonst viel um die Ohren haben - nur 30 Kilometer nördlich von Dortmund und 20 Kilometer südlich von Münster. Lüdinghausen liegt an der 100-Schlösser-Route. Zwei Schlösser sind direkt im Ort zu sehen: Burg Lüdinghausen sowie Burg Vischering (oben im Bild).

Wer noch etwas mehr Bewegung will, bricht auf zur acht Kilometer entfernten Schlossanlage Nordkirchen, das auch "westfälisches Versailles" genannt wird! Bitte rechnen Sie trotzdem nicht damit, Ludwig XIV. anzutreffen.

Schloss Nordkirchen - ja, das ist in bei uns in NRW.

Das Schloss ist von zwei Wassergräben umringt. Eine mehr als 1,2 Kilometer lange Allee führt direkt zum Schloss. Der mittlere Weg quer durch das Gelände ist weitere mehrere Kilometer lang und führt irgendwann in den Ort Nordkirchen.

Je länger Sie dort sind, desto öfter müssen Sie sich klarmachen, tatsächlich mitten in NRW zu sein. Vielleicht hilft Ihnen dabei folgender Fun Fact: Das Schloss wird heute als Hochschule der Finanzen für künftige Landesbeamte genutzt. Sie können also an Wochenenden sicher sein, dass Sie dort Ihre Ruhe haben und niemand "Bedienstetes" zugegen ist. Zu Fuß dauert die Tour vom Bahnhof nach Nordkirchen und zurück weniger als vier Stunden. Mit dem Fahrrad sind Sie insgesamt eine Stunde unterwegs.

Lüdinghausen wird stündlich auf der Strecke Dortmund-Enschede von der RB51 angefahren.

Detmold - rauf, auf den Teutoburger Wald

Können Sie sich noch an die Schlachten der alten Römer im Teutoburger Wald gegen germanische Stämme in der Zeit um Christi Geburt erinnern? Sehen Sie! Daran soll das Hermannsdenkmal in Detmold erinnern, das als mehr als 50 Meter großes Konstrukt über den Gebirgskämmen thront. Genau eine Stunde dauert der Fußweg vom Bahnhof zur Statue. Wer schneller läuft, holt vielleicht den Linienbus ein, der auch mal knapp 50 Minuten nach oben braucht.

Wer oben direkt eine Pause braucht, auf den wartet kurz vor dem Denkmal eine kleine Gastronomie. Das Innere der Statue lässt sich gegen Eintritt erkunden. Ansonsten lassen sich vor dem Denkmal fantastische Erinnerungsbilder über Lippe schießen. Für alle, die sich in Landeskunde nicht so gut auskennen: NRW besteht aus drei Landesteilen: dem Rheinland, Westfalen und eben Lippe. Und vom Hermannsdenkmal haben Sie direkt den besten Blick darauf.

Den WDR-Funkmast am Horizont hat der Hermann immer im Blick.

Für das nächste Stammtisch-Gespräch sollten Sie noch Folgendes wissen: Das Hermannsdenkmal ist nach dem Cheruskerfürsten Arminius benannt. Sie meinen, das ergibt keinen Sinn? Ich sage: stimmt! Noch ein Fun Fact: Der nach Arminius benannte Hermann schaut direkt auf einen UKW-Funkmast des Westdeutschen Rundfunk. Bleibt die Frage: Was war zuerst da - Mast oder Hermann?

Detmold wird stündlich vom RE 82 (Bielefeld-Altenbeken) und der RB72 (Herford-Paderborn) angefahren.

Heimbach (Eifel) - Wandertour durch den Nationalpark

Vor 20 Jahren hat NRW seinen ersten Nationalpark bekommen, den Nationalpark Eifel. Er streckt sich auf die Kreise Euskirchen und Düren sowie in die Städteregion Aachen aus. Mittlerweile ist der Nationalpark gut erschlossen und bietet viele Möglichkeiten, einen großen Wandertag einzulegen.

Von Bahnhof Heimbach sind es etwa drei Kilometer bis zum Rursee - dem größten Stausee von NRW. Dort befinden sich die Stege vieler Segelbootvereine. An manchen Stellen können auch Boote gemietet werden, falls Sie Wanderern lieber zusehen wollen.

Oder doch mit dem Boot rauf auf den Rursee?

Wer einmal direkt um den See herum möchte, hat mindestens 20 Kilometer Fußweg vor sich. An der Staumauer in Schwammenauel sowie in den Orten Einruhr und Woffelsbach können Sie in einem der zahlreichen Cafés und Restaurants eine Pause machen. Auf dem Weg bieten aber auch Bänke eine Möglichkeit, mit bestem Seeblick eine Rast einzulegen.

Wer die ganz große Tour einlegen will, kann mit einer Übernachtung am See auch noch weiter ziehen: denn neben dem Rursee gibt es noch den Obersee und die Urfttalsperre. Alle drei gehen ineinander über. An der Spitze der Seenplatte ragt die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang, die so etwas wie ein großes offenes Museum für Natur und Geschichte geworden ist.

Wer zwischendrin keine Lust mehr hat, den rettet ein als Dampflok getarnter Shuttle-Bus, der getaktet um den See kreist. In Heimbach gibt es Restaurants mit Eifeler Küche: zu empfehlen ist ein 'Himmel & Äd' oder eine rheinische Kartoffelsuppe für Vegetarier. Für Veganer fällt auf den Menükarten eher wenig Passendes ins Auge.

Mit dem Sonnenuntergang sollte die Tour enden, da dann der letzte Zug Heimbach wieder Richtung Düren verlässt. Nach Heimbach kommen Sie mit der Rurtalbahn ab Düren. Nach Düren kommen Sie mit RE1 und RE9 sowie mit der Kölner S-Bahn.

Altenbeken - einmaliger Ausblick auf historisches Viadukt

Böse Gerüchte besagen, der Bahnhof Altenbeken habe mehr Gleise als Altenbeken Einwohner. Eine investigative Recherche des WDR konnte dies jedoch nicht ansatzweise bestätigen. Dennoch: Für die 9.000 Einwohner von Altenbeken ist der örtliche Bahnhof ganz schön groß geraten. Das hat mit seiner Geschichte zu tun: vor 170 Jahren wurde über den Ort ein Viadukt gebaut, das bis heute erhalten ist.

Reporter David Rühl hat sich direkt mit für die Postkarte fotografiert.

Den besten Blick gibt es von einem Aussichtspunkt am Rande der Bahnstrecke: obwohl der Bahnhof noch 500 Meter entfernt ist, wurde ein Bahnhofs-Schild aufgestellt. So können Sie von dort direkt eine digitale Postkarte an Ihre Liebsten schicken. Mit Sonnenuntergang werden fast alle 24 Bögen beleuchtet.

Im Ort gibt es Gastronomie und Übernachtungsmöglichkeiten. Altenbeken ist ein guter Startpunkt für eine Wandertour, die unterschiedlich lang ausfallen kann. Auf der Website von Altenbeken sind die Wanderrouten beschrieben. Eine Wanderung nach Paderborn hat im Sommer sowohl von der Länge als auch zeitlich gut gepasst.

Altenbeken ist mit der Bahn aus vielen Richtungen gut zu erreichen: aus Hessen und dem Ruhrgebiet mit dem RE11, der RE 82 aus Bielefeld, der RB 72 aus Herford und Paderborn, der RB84/85 aus Göttingen, der RB 89 aus Münster und Warburg sowie der S-Bahn-Linie 5 von Hannover-Flughafen. Im Sommer gibt es zeitweise Bauarbeiten am Bahnhof Altenbeken, einige Züge fallen deshalb aus. Informieren Sie sich also, ob ihr Zug wirklich fährt.

Wer von weiter weg kommt und bereit ist, etwas mehr Geld auszugeben, dem sei hier noch ein Tipp für den Fernverkehr erlaubt. In Altenbeken halten tatsächlich auch ICE. Den Streckenverlauf muss allerdings kein Mensch verstehen: So startet einer dieser ICE in Darmstadt, fährt dann über das Ruhrgebiet bis Altenbeken, um von dort an sein Ziel in München zu fahren.

Wie auch immer: in Altenbeken gibt's ganz großen Bahnhof!

Winterberg - wie Holland mit Bergen

Tun Sie sich das am Wochenende nicht an. Vielleicht machen Sie eine Tagestour an einem Werktag, dann passt es schon eher, ein Problem mit vielen Menschen sollten Sie trotzdem nicht haben. Es geht um Winterberg im Sauerland - ein sehr schöner Ort, aber mit dieser Meinung ist man nicht alleine. Wenn Sie den Bahnhof verlassen, verteilen sich die Menschenmassen aber auf viele Wege.

Zu erkunden gibt es: Berge, Täler, Quellen - und auch die Gastronomie. Dort werden Sie schnell merken, dass sich die Wirte auf Ihre besten Kunden einstellen: da reiht sich schon mal ein Pannenkoekenhuis ans andere. Sollten Sie fließend niederländisch sprechen, dürften Sie in Winterberg keinerlei Verständigungsprobleme haben.

Winterberg ist trotz seines Namens auch im Sommer ein gutes Ausflugsziel: Wanderer können aus einem großen Angebot von verschiedenen Routen wählen. Entweder hoch auf den Kahlen Asten (oben im Bild) oder auch im Sommer durch die Wälder. Gerüchten zufolge hatten sich zwischenzeitlich Urlauber über zu wenige Bänke an den Wanderrouten beschwert.

Zu wenige Bänke? Das lässt sich Winterberg nicht zwei Mal sagen.

Dieses Problem scheint nun behoben. Anders ließe es sich nicht erklären, wie der Autor dieses Beitrags eine dieser neuen Bänke sogar am größten Kreisverkehr des Ortes auffinden konnte. Auch dort können Sie einfach mal die Seele baumeln lassen - wenn Sie wollen ...



Der Bahnhof hat nur ein Gleis und ist ein Sackbahnhof. Das ist der Grund, warum hier schon die Kapazitäten an ihre Grenzen gestoßen sind. Mehr geht einfach derzeit nicht. Winterberg ist nur mit der RE 57 aus Dortmund zu erreichen.

Duisburg - Industrie für alle Sinne

Es riecht wundervoll nach Benzol, ekelhaft nach Schwefel und manchmal steigt majestätisch eine riesige Dampfwolke in den Himmel auf. Willkommen in Duisburg, dem größten Stahlstandort Europas!

Während andere am Strand liegen, fahren Sie einfach dahin, wo noch angepackt wird. Ach was, malocht wird da noch! Und Sie können zuschauen: auf der ehemaligen Müllkippe 'Alsumer Berg' (Ausblick oben im Bild) können Sie sowohl das Rheinpanorama als auch die Hochöfen, Kokereien und Oxygenstahlwerke von ThyssenKrupp beobachten.

Ein riesiges Spektakel, wenn Sie das erleben wollen, was NRW lange Zeit ausgemacht hat: Kohle und Stahl. Allein vom Alsumer Berg sind vier Hochöfen zu sehen, darunter der größte Europas. Hinter der Kokerei ist nun ein neuer Hochofen geplant, der mit Wasserstoff betrieben werden soll. Die Tage des Stahlstandortes, wie er heute ist, sind also auch gezählt. Nutzen Sie also Ihre Chance!

Auch beim x-ten Besuch gibt's im Landschaftspark Nord noch Neues zu entdecken - versprochen.

Nach dem Besuch empfiehlt es sich ein paar Kilometer weiterzuziehen, zum schönsten Industriespielplatz des Landes: dem Landschaftspark Nord. Dort steht ein komplett erhaltenes Stahlwerk, das begehbar ist. Sie können auf die Hochöfen steigen, in den Kohlebunker klettern oder einfach auf Entdeckungstour gehen.



Zum Alsumer Berg kommen Sie vom Hauptbahnhof Duisburg mit der Straßenbahn-Linie 903. Steigen Sie an der Haltestelle "Heckmann" aus. Von dort laufen Sie direkt durch das Stahlwerksgelände zum Alsumer Berg. Zum Landschaftspark Nord kommen Sie ebenfalls mit der Linie 903. Die Haltestelle heißt wie Ihr Ziel: Landschaftspark Nord.

Von Wuppertal nach Bochum - mit dem Rad mitten durch NRW

Schönes Wetter? Lust auf Bewegung und Erlebnis? Sie haben den ganzen Tag Zeit? Dann ab mit dem Fahrrad nach Wuppertal-Vohwinkel. Vor dort können Sie über gut ausgebaute Radwege, meist leicht bergab, bis ins etwa 45 Kilometer entfernte Bochum radeln - und von dort wieder mit der Bahn nach Hause.

In Vohwinkel beginnt die Nordbahntrasse: eine ehemalige Trasse für Personenzüge, die quer durch das Bergische. Die Strecke ist asphaltiert und geht durch Tunnel, die beleuchtet sind. Radfahrer und Fußgänger haben dabei eigene Spuren. In der Regel kommen Sie deshalb gut durch. Vorbei geht es an alten Fabriken, Stellwerken, Gastronomie und vielen Haltepunkten, um auch mal eine Pause zu machen.

Ja, das ist im Ruhrgebiet - Fachwerk-Romantik in Hattingen.

Anschließend fahren Sie allmählich ins Ruhrgebiet - und erleben, wie grün und schön dort alles (geworden) ist. Zuerst kommen Sie an Hattingen vorbei. Wenn Sie Zeit und Lust haben, schauen Sie dort bei einer weiteren Pause den historischen Ortskern mit seinen Fachwerkhäusern an.

Danach kommen Sie an die Ruhr und entlang der schönsten Auenlandschaften dieses Flusses. In Bochum-Dahlhausen beginnt der Springorum-Radweg, benannt nach einem Kohlekraftwerksarchitekten. Die Kraftwerke entlang dieser alten Güterbahnstrecke sind alle weg, der Radweg ganz neu gebaut. Sie werden kaum merken, dass er mitten in Bochum in der Nähe des Hauptbahnhofes endet und Sie plötzlich mitten im Pott stehen.

Tipp: Lassen Sie sich Zeit, machen Sie viele Pausen. Diese Route mit Rad und Bahn ist sehr abwechslungsreich - und das sollte Sie auch genießen.

Natürlich können Sie auch ab Bochum nach Wuppertal fahren. Aber dann geht es mehr bergauf als bergab. Wuppertal-Vohwinkel wird von verschiedenen S- und Regionalbahnen angefahren.

Schwebebahn fahren geht auch mit dem 9-Euro-Ticket.

Falls Sie kein Rad haben: Ab Vohwinkel können Sie auch mit der Wuppertaler Schwebebahn fahren. Dort ist der Startpunkt dieses Unikums. Etwa eine halbe Stunde dauert es, quer über die Wupper an das andere Stadtende zur Endstation nach Oberbarmen zu kommen. Dort können Sie dann auch direkt wieder nach Vohwinkel zurück fahren. Wenn Sie sich in die letzte Reihe der Schwebebahn setzen, haben Sie den besten Blick. Dort gibt es ein Panoramafenster.

Arnsberg - kurzer Ausflug raus aus der Großstadt

Dieser Ausflug passt gut, wenn Sie zwar mal raus wollen, aber keine große Tour planen. Arnsberg im Sauerland bietet historisches Ambiente östlich des Ruhrgebiets und eine wunderschöne Landschaft. Der Stadtkern wird durch eine Ruhrschleife umschlossen.

Um zum Stadtkern zu kommen, müssen Sie sich zumindest auf den ersten Metern ordentlich körperlich betätigen. Zwischenzeitlich sind bis zu 20 Prozent Steigung in Kauf zu nehmen. Dazu gibt es ab und zu Kopfsteinpflaster. Tipp: Lassen Sie die Flipflops zuhause.

Diesen Blick über die Stadt gibt es gratis bei der kleinen Wanderung zur Schlossruine dazu.

Belohnt werden Sie mit einem Blick von der Schlossruine (oben im Bild) über das Sauerland. Dort können Sie die vielseitige Geschichte von Arnsberg entdecken und wie mit der Zeit so mancher Fehler sich eingeschlichen hat.

So sollte das Schloss wohl zwischenzeitlich wieder aufgebaut werden. Doch so richtig Ahnung hatten die Arbeiter wohl nicht. So wurden gotische Bögen (auch oben im Bild) gebaut, obwohl das Schloss im Original nichts mit Gotik zu tun gehabt haben soll.

Generell: 40 Zug-Minuten von Dortmund entfernt können Sie erleben, wie die Zeit vor der Industrialisierung in NRW ausgesehen haben muss. Arnsberg bietet viele Fachwerkhäuser, Entspannung an der Ruhr und Möglichkeiten, einzukehren und es sich einfach gut gehen zu lassen. Und wenn Sie sich den Bauch voll geschlagen haben und wieder zum Bahnhof wollen, geht es Gott sei Dank bergab.

Arnsberg wird ohne Umstieg stündlich vom Dortmunder Hauptbahnhof angefahren.

Wanne-Eickel - der Hauptbahnhof ohne Stadt

Dieser Ort ist etwas für Feinschmecker: Wanne-Eickel Hbf. Ein Ort, so widersprüchlich wie das Leben - aber ebenso abenteuerlich. Denn: Wanne-Eickel Hbf, das ergibt überhaupt keinen Sinn. Eine Stadt, die es nicht gibt, hat einen Hauptbahnhof. Wanne-Eickel wurde vor 50 Jahren eingemeindet in die Stadt Herne. Herne selbst hat aber nur einen Bahnhof.

Nirgendwo in NRW leben so viele Menschen auf so wenig Fläche. Und nirgendwo lässt sich besser zusammenfassen, dass NRW manchmal auf den ersten Blick trist, aber dann doch sehr vielseitig sein kann.

An was denken Sie, wenn Sie an Wanne-Eickel denken? Ihre Klischees dürften bei der Ankunft zunächst erfüllt werden. Aber wir machen jetzt mal gedanklich einen kleine Tour: Direkt am Bahnhof erleben Sie Architektur, die deutlich macht, warum die ehemalige Stadt Wanne-Eickel als heimliche Hauptstadt des westfälischen Backsteinexpressionismus galt. Es gibt viel roten Stein, stilvoll geschwungen. In Eickel, das Sie mit der Straßenbahn direkt vom Hauptbahnhof erreichen, sollten Sie am Markt aussteigen und die alte Brauerei besuchen.

Einmaliger Blick über das Ruhrgebiet - und bei Sonnenuntergang extra romantisch.

Zurück am Hbf von Wanne-Eickel können Sie sich ein Leihfahrrad nehmen und Richtung Norden radeln. An der Stadtgrenze zu Herten geht es dann bergauf. Aber die Strapazen lohnen sich. Denn Sie bekommen den besten und weitesten Blick auf Nordrhein-Westfalen: auf der Halde Hoheward. Sie ist die größte Halde des Ruhrgebiets. Erkennungszeichnen ist seit ein paar Jahren das Planetenobservatorium, das leider wegen Baumängeln eingezäunt ist. Dennoch wirkt es sehr imposant.

Von der Halde können Sie alles sehen: die Hochöfen von Duisburg, die Stadien auf Schalke und Dortmund, die Zeche Zollverein in Essen, das Kraftwerk Herne sowie das einzige Windrad der Region. Für Ihre Liebsten zuhause können Sie ein Bild machen, wie Sie auf dem Fahrrad, in die schier endlosen Weiten des Ruhrgebiets zeigen

Auf dem Weg zum Bahnhof empfiehlt sich noch einen Besuch am Büdchen. Ohne Pils und Bratwurst konnte ich einfach nicht den Zug zurück nehmen. Apropos Büdchen. Obwohl der Autor dieses Beitrags nicht religiös ist, kann er seit dem ersten Besuch in Wanne-Eickel sagen: "Ich bin Budist."

Wanne-Eickel Hbf fahren viele Regionalbahnen und Regional-Expresslinien an. Mit einem Ticket für den Fernverkehr können Sie sogar von hier ohne Umstieg an die Nordsee fahren - das kostet dann aber mehr als neun Euro.

Alle Tipps zum Hören

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