Der Rhein ist einer der bedeutendsten Flüsse Europas. Mit unendlich vielen Geschichten und Mythen: Denn er verbindet und trennt, er gibt und nimmt. Er ist Sehnsuchtsort, Ausflugsziel, aber auch Herausforderung.
Reisen Sie mit uns 226 Kilometer auf dem Rhein: Quer durch NRW, von der Landesgrenze bei Emmerich bis nach Königswinter. Abtauchen in die Vergangenheit, staunen über die Gegenwart und entdecken aus der Vogelperspektive! Wir zeigen Ihnen die kleinen und großen Geschichten auf beiden Seiten des Flusses.
Rheinkilometer 865 – hier verläuft die Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden, und der Rhein verlässt Nordrhein-Westfalen.
Hinter ihm liegen 226 Kilometer, die er durch Nordrhein-Westfalen unterwegs war. Von Emmerich hinauf nach Duisburg sehen wir die "Golden Gate"-Brücke des Niederrheins, den größten Campingplatz Deutschlands und landen schließlich im Duisburger Binnenhafen.
803 Meter ist die Rheinbrücke zwischen Kleve und Emmerich lang - und damit ist sie nicht nur die nördlichste Rheinbrücke sondern auch die längste Hängebrücke Deutschlands. Der Grundstein wurde 1962 gelegt, seit 1965 ist sie in Betrieb.
Flammendes Inferno auf dem Rhein: 1960 war die Fähre "Tina Scarlett" mit zwei Schleppern auf dem Weg von Köln nach Dänemark. Bei Emmerich kollidierte die Fähre mit dem Tankschiff "Diamant" – mit 720 Tonnen Benzin an Bord.
Rudi Hell ist eine Berühmtheit. Er hat schon als Kind von seinem Großvater gelernt, wie man Lachs fängt und Aal-Reusen setzt. Er sagt, er habe Rheinwasser im Blut. Seitdem er Rentner ist, fischt Rudi Hell im Dienst der Wissenschaft für Universitäten und Institute. Manchmal kommt er sich eher wie ein Müllsammler vor. Der Anblick seines geliebten Rheins, der sich in den sechziger und siebziger Jahren in eine stinkende Kloake verwandelte, stimmt ihn melancholisch.
Am Bienener Altrhein kämpfen Naturschützer für den Erhalt der Trauerseeschwalbe. Jedes Jahr im Frühling kommen die Schwalben aus Afrika, um am Rhein ihre Eier auszubrüten. Möglich machen das Nistflöße als künstliche Bruthilfen.
In Kalkar begann Mitte der 1970er Jahre der Bau des Atomkraftwerks "Schneller Brüter". Trotz Protesten aus der Bevölkerung wurde das Kraftwerk fertiggestellt - ging aber nie ans Netz.
Heute gibt es hier strahlende Gesichter statt Atomenergie: Das "Wunderland Kalkar" ist jetzt ein Freizeitpark.
Ein ausgedehntes Feuchtgebiet erstreckt sich im Bereich der Bislicher Insel. Zahlreiche Gänsearten haben hier ihre Nistplätze, tausende arktische Wildgänse verbringen hier am Niederrhein den Winter.
Römer, Dom und Siegfriedstadt - Xanten ist ein Ort mit viel Geschichte. Aus dem Nibelungenlied stammt Xantens Beinamen Siegfriedstadt - denn am Niederrhein soll der Drachentöter Siegfried geboren worden sein.
Von 100 bis 275 n. Chr. war die “Colonia Ulpia Traiana” - das spätere Xanten - nach Köln und Trier die drittgrößte römische Stadt in Germanien – mit mehr als 10.000 Einwohnern. Davon zeugen heute noch viele archäologische Funde.
Ein Binnenschiff mit einer Ladung von 3.000 Tonnen ersetzt etwa 150 Lastwagen.
Bei Wesel liegt die Halbinsel Grav, die Heimat des größten deutschen Campingplatzes. Mehr als 2.000 Stellplätze gibt es auf dem 2,1 Millionen Quadratkilometer großen Areal. Doch das Glück der Camper ist sehr von den Launen des Rheins abhängig.
Es wird voller am Ufer: Von Duisburg nach Köln liegen die NRW-Hauptstadt Düsseldorf mit dem Medienhafen, große Industrieanlagen in Leverkusen und im Norden von Köln - ehe dann bei Rheinkilometer 688 schließlich der Kölner Dom erreicht ist.
Deutschlands größter Binnenhafen liegt in Nordrhein-Westfalen. Jährlich werden hier mehr als 120 Millionen Tonnen Fracht verladen und ist eine wichtige Drehscheibe für den Warenverkehr in Europa.
Alljährlich beeinträchtigt Niedrigwasser in trockenen Monaten die Schifffahrt auf dem Rhein. Beispielsweise ist 2003 der Rheinpegel in Düsseldorf (744) auf knapp 65 Zentimeter gesunken – damals ein historischer Tiefstand. Die absolute Wassertiefe betrug jedoch noch mehr als 2 Meter, was einen Güterverkehr mit wenig Ladung ermöglichte.
Düsseldorf ist eine Hafenstadt. Der Medienhafen sticht als architektonisches Prunkstück heraus! Das Areal nördlich des Fernsehturms hat eine wechselvolle Geschichte.
Der Rhein verbindet Regionen und Länder miteinander und war schon immer ein wichtiger Handelsweg. Das führte letztlich zu Zank zwischen Köln und Düsseldorf. Köln, die mittelalterliche Handelsstadt, hatte Vorkaufsrecht: Alle Waren mussten erst den Kölnern angeboten werden, bevor sie weiter Richtung Norden schipperten. Das sicherte der Domstadt Reichtum und Wohlstand, aber auch eine ewige Rivalität mit Düsseldorf.
Und zwischen beiden Städten: die Chemiestadt Leverkusen - mit dem weit leuchtenden Bayer-Kreuz bei Rheinkilometer 700.
Der letzte Abschnitt der Reise entlang des Rheins in NRW beginnt. Von der "kölschen Riviera" fahren wir vorbei an der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn und erreichen das Tor zum romantischen Mittelrhein - natürlich signalisiert durch den Drachenfels. Bei Rheinkilometer 641, kurz hinter der Rheininsel Grafenwerth, liegt dann auch schon Rheinland-Pfalz.
Sieben Brücken führen auf dem Kölner Stadtgebiet über den Rhein. Zwei davon sind allein der Eisenbahn und Fußgängern vorbehalten. Die bekannteste von ihnen ist die Hohenzollernbrücke. Für viele Köln-Touristen ist sie der Ort, an dem sie einen Liebesbeweis sichtbar machen können.
Feiner Sandstrand prägt das Ufer in Höhe des Kölner Stadtteils Rodenkirchen - die "kölsche Riviera". Hier kann man nach Feierabend oder am Wochenende ein bisschen Strandflair genießen. Verführerisch - aber auch gefährlich.
Im Frühjahr 1929 war der Rhein komplett zugefroren. In Düsseldorf, Köln und anderen Städten konnte man auf dem Rhein wandern oder Schlittschuh fahren.
1949 wurde Bonn zur Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland. Ein Provisorium sollte es sein - für 50 Jahre. Aus dieser Zeit hat Bonn viel mitgenommen - unter anderem einen großen Park direkt am Regierungsviertel.
Die sieben Hügel des Siebengebirges sind vulkanischen Ursprungs. Und sie bilden eines der ersten Naturschutzgebiete Deutschlands. Und das schon seit rund 100 Jahren. Eines seiner Wahrzeichen: Die Ruine der Burg Drachenfels.
Sei mir gegrüßt, mein Vater Rhein,
Wie ist es dir ergangen?
Ich habe oft an dich gedacht
Mit Sehnsucht und Verlangen.
Heinrich Heine
aus: Deutschland - ein Wintermärchen 1844