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Hörstolpersteine - 80 Jahre Reichspogromnacht

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Der Künstler Gunter Demnig verlegt Gedenktafeln aus Messing. Darauf steht: "HIER WOHNTE...", dann folgt der Name eines Menschen. Eines Menschen, der in der Zeit des Nationalsozialismus verschleppt und zumeist ermordert worden ist.

"Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", so zitiert der Künstler den Talmud. Die Intention hinter seinen Stolpersteinen: Die Erinnerung bewahren.

Heute, 80 Jahre nach der Reichspogromnacht, als brutale Schlägerbanden durch die Städte zogen, Menschen jagten und töteten, greifen wir diese Erinnerungen auf. Wir machen sie mit jungen Menschen aus NRW hörbar. Und wir fragen uns: Was sagen die Erinnerungen uns für die heutige Zeit?

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Ernst Danzig

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Ernst Danzig war ein Mann, der sich immer wieder gegen den Nationalsozialismus stellte.
Sein Vater war Jude, und so verordnete ihm das NS-Regime das Tragen des Zusatz-Namens "Israel" sowie des Judensterns. Er lehnte beides ab und musste dafür kurze Zeit in Haft.

Ernst Danzig hatte eine Hausangestellte, Erna Kahn. Sie lebte bei ihm, bis sie nach Theresienstadt deportiert wurde. Von dort ist sie weiter nach Auschwitz verlegt worden.

Über diesen Verlust verzweifelte Ernst Danzig. Wenig später bekam auch er die Ankündigung seiner Deportation. Er sah keinen anderen Ausweg mehr und entschied, sein Leben zu beenden.

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Familie Joschkowitz

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Von Elise Joschkowitz' Leben wissen wir vor allem deswegen viel, weil sie zahlreiche Briefe geschrieben hat.

Sie liebte es, ihrer einzigen Tochter Annemarie von den schönen Seiten ihres Lebens zu schreiben: Zum Beispiel das Kaffeekränzchen bei den Nachbarn. Was auffällt: Die Grausamkeiten, die sie als Jüdin in der NS-Zeit erlebt haben muss, kommen in den Briefen kaum vor.
Zusammen mit ihrem jüngsten Sohn, Reinhold Joschkowitz, ist Elise 1943 aus Bergisch Gladbach in das Sammellager in Köln-Müngersdorf verschleppt worden. Auch von hier hat sie weiter Briefe geschrieben.

Gestorben ist sie schließlich im Konzentrationslager Theresienstadt. Elise Joschkowitz ist im Alter von 84 Jahren verhungert.

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Reinhold Joschkowitz war Pilot im ersten Weltkrieg und erfolgreicher Geschäftsmann. Das war der Grund, warum er ins Visier der Nazis geriet: Sie unterstellten ihm Kapitalverschiebung.

Als in der NS-Zeit mehr und mehr Juden in Lager verschleppt wurden, bekam Reinhold Joschkowitz als Armee-Pilot Schutzbriefe, die seine Deportation herauszögern sollten. Doch der Bürgermeister von Bergisch Gladbach ignorierte die Schutzbriefe. Joschkowitz wurde zusammen mit seiner Mutter in das KZ Theresienstadt gebracht. Die Mutter starb dort.

Am Ende des Krieges kehrte Reinhold Joschkowitz geschwächt nach Bergisch Gladbach zurück. Sieben Jahre nach Kriegsende starb Reinhold Joschkowitz an den schweren Folgen seiner im KZ Theresienstadt erlittenen Verletzungen.

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Dr. Erich Deutsch

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Dr. Erich Deutsch ist nie streng gläubiger Jude gewesen. Er studierte Medizin und heiratete eine evangelische Frau. Aus Liebe zu ihr konvertierte auch er 1903 zum Christentum.

1933 entzog das NS-Regime Dr. Erich Deutsch seine Ämter, und er musste sich ein neues Leben aufbauen: Zunächst eröffnete er eine Privatpraxis in Aachen, dann ein kleines Sanatorium auf dem Land. Schließlich verkaufte er mit seiner Familie Obst aus dem Garten seines Landhauses.

Doch die Verfolger holten ihn ein. 1944 wurde Dr. Erich Deutsch mit seiner Frau und Tochter in das Sammellager Köln-Müngersdorf und kurze Zeit später nach Theresienstadt verschleppt. Noch im selben Jahr starb Dr. Erich Deutsch an den grausamen Misshandlungen im KZ Theresienstadt.

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Ernst Papies

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Ernst Papies ist als Kind einer Arbeiterfamilie in Gelsenkirchen Buer groß geworden. Schon mit 17 zog er nach Bremen, um eigenes Geld zu verdienen.
Dabei fiel er immer wieder der Polizei auf: Er wurde wegen Landstreicherei und Bettelns verurteilt. Sie steckten ihn einige Tage ins Gefängnis, dann war er wieder damit beschäftigt, Geld aufzutreiben.

Das erste Mal wegen homosexueller Kontakte wurde Ernst Papies im Jahr 1932 verurteilt. Kurze Zeit später kam er für drei Jahre in das Moorlager Emsland.
Das NS-Regime verlegte ihn weiter: In die Konzentrationslager Buchenwald, Mauthausen, Auschwitz, dann wieder Mauthausen.

Ernst Papies stand all das durch und kämpfte um Entschädigung. Bis in die 70er-Jahre zog er immer wieder vor Gericht. Vergeblich.
Ernst Papies letzter Wohnort war in Konstanz. Hier starb er im Alter von 87 Jahren.

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Gertrud Stockhausen

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Gertrud Stockhausen bekam schon als Kind Klavierunterricht. Sie war sehr musikalisch und vererbte dieses Talent an ihren Sohn weiter, der später als Pionier der elektronischen Musik berühmt wurde.

Nach der Geburt dieses Kindes ging es Gertrud Stockhausen zunächst sehr schlecht. Sie glaubte, ihr Baby sei bei der Geburt vertauscht worden. Die Ärzte vermuteten daher, dass sie eine Psychose hatte.
Immer wieder hatte sie Schübe der Krankheit. Gertrud Stockhausen unternahm einen Selbstmordversuch und wurde sofort in die Anstalt Galkhausen bei Langenfeld gebracht. Seit 1934 ohne Kontakt zur Familie.

Gertrud Stockhausen wurde am 27. Mai 1941 mit 90 weiteren Patientinnen und Patienten nach Hadamar deportiert. Noch am selben Tag wurde sie im Keller der NS-Tötungsanstalt mit Giftgas ermordet.

© Archiv der Stockhausen-Stiftung für Musik, Kürten

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Louis Schild

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Im Februar 1935 ermittelte die Polizei erstmals gegen Louis Schild. Der Vorwurf lautete: Er habe andere Männer liebkost.

Im Oktober wurde Louis Schild in das Emserlager Esterwegen eingewiesen. Dort musste er grausame Qualen erleiden. Als er ins eiskalte Wasser fiel, hinderte ihn ein SS-Mann daran, wieder herauszuklettern. Als er endlich herausdurfte, verboten sie ihm, seine Kleidung auszuziehen und sich am Feuer der SS-Leute zu wärmen. Am nächsten Morgen war Louis Schild tot. Erfroren.

1959 wurde SS-Mann Gustav Hermann Sorge für den Mord an Louis Schild und weiteren 67 Häftlingen schuldig gesprochen. Er hatte gestanden.

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Hinter dem Projekt

Die Idee der Hörstolpersteine haben Lehrerinnen des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums in Bergisch Gladbach an den WDR herangetragen. Sie hatten mit Schüler*innen der 11. Klasse die Geschichten von Stolpersteinen in Bergisch Gladbach recherchiert.

Die Schüler*innen die Texte unserer Hörstolpersteine recherchiert und diese auch selbst im Studio eingesprochen.

Die ursprüngliche Idee der Hörstolpersteine stammt von der radiofabrik in Salzburg. Für den WDR umgesetzt hat sie Journalistin und Medientrainerin Nele Posthausen.

Bildquellen und Hilfe in der Recherche: 
Stadtarchiv Bergisch Gladbach
Archiv der Stockhausen-Stiftung für Musik in Kürten
ITS Arolsen 
Dr. Frank Ahland
Jürgen Wenke



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ANNI FAUST
BENEDIKT NOLDEN
CATALINA VAY
EDA NUR GÖRGEN
FALCO SCHNEIDER
HANNA BÜCHNER
JONATHAN LUIGS
LEONIE THELEN
NELE RENNEBERG



AUTORIN: NELE POSTHAUSEN
VISUALISIERUNG: ULF STÄTTMAYER
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Kapitel 1 Übersichtsseite

HÖRSTOLPERSTEINE

Kapitel 2 Ernst Danzig

Ernst Danzig

Kapitel 3 Familie Joschkowitz

Elise Joschkowitz

Reinhold Joschkowitz

Kapitel 4 Dr. Erich Deutsch

Dr. Erich Deutsch

Kapitel 5 Ernst Papies

Ernst Papies

Kapitel 6 Gertrud Stockhausen

Gertrud Stockhausen

Kapitel 7 Louis Schild

Louis Schild

Kapitel 8 Hinter dem Projekt

DAS PROJEKT

DIE SCHÜLER*INNEN

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