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Fußball-WM und Terror-Gefahr

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Werbung für die WM in Russland

Die Fußball-WM 2018 ist Wladimir Putins Prestigeprojekt - der Höhepunkt der von ihm ausgerufenen Dekade des russischen Sports. 

Doch die Vorfreude wird getrübt durch Terrorwarnungen. Im Fokus der Ermittler: Arbeitsmigranten aus Zentralasien.

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Insgesamt zwölf WM-Stadien in elf Städten werden für die WM genutzt.

Sie werden vor allem von billigen Arbeitskräften aus Tadschikistan und Usbekistan errichtet.

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Damit alles rechtzeitig fertig wird, hat Russland sogar die Arbeitsschutzgesetze massiv gelockert. Die Leidtragenden sind die Arbeitsmigranten. Monatelang schuften sie, hausen in schäbigen Unterkünften auf engstem Raum. Sie werden oft um ihre Löhne gebracht und später abgeschoben. Sie leben wie Freiwild, werden häufig von selbsternannten Bürgerwehren verfolgt, sind auf der Flucht vor den Behörden und der Polizei. 

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Dabei lässt sich Russland die WM einiges kosten. Mit knapp 10 Milliarden Euro ist es das teuerste Turnier der WM-Geschichte. Ein Großteil der Summe stammt aus dem russischen Staatshaushalt.

Zum Vergleich: Den offiziellen WM-Etat von 2014 bezifferte die brasilianische Regierung damals auf 8,75 Milliarden Euro. Die WM 2010 in Südafrika hat den Staat nach Angaben der Regierung etwa 3,4 Milliarden Euro gekostet. Deutschland hat für die WM 2006 etwa 3,1 Milliarden Euro ausgegeben.

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Viele Arbeitsmigranten kommen aus den ehemaligen Sowjetrepubliken Kasachstan, Usbekistan, Kirgisistan, Turkmenistan oder Tadschikistan. Für sie erscheint Russland wie das gelobte Land. Sie hoffen auf eine bessere ökonomische Situation, auf ein besseres Leben.

Doch diese Vorstellung erweist sich nur zu oft als Illusion.

In der Realität werden die Gastarbeiter von Russen misstrauisch beäugt. Man begegnet ihnen mit großer Abneigung und Missgunst. 

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Präsent sind vielen Russen immer noch der Tschetschenienkrieg sowie die islamistischen Selbstmordanschläge in der russischen Metro und dem Domodedovo-Flughafen. 

Nach dem Zerfall der Sowjetunion kamen die Gastarbeiter zunächst aus der Ukraine, dann aus Aserbaidschan, Moldawien und Armenien nach Russland.

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Terrorismus-Experte Peter Neumann

Die Zahl russisch sprechender Dschihadisten wächst, erklärt Peter Neumann, ein international renommierter Terrorismus-Experte.

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Peter Neumann
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Die ohnehin verschmähten Migranten aus Zentralasien werden von den russischen Medien generell zu vermeintlichen Terroristen erklärt. Das russische Staatsfernsehen zeigt immer wieder Bildern von Razzien. Damit soll dem Zuschauer suggeriert werden, dass der Staat gegen diese Terroristen vorgeht.

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Razzien
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Plakat: WM und Terror

Immer wieder berichten die staatlichen russischen Medien über Tadschiken, die festgenommen wurden - als vermeintliche Terroristen.

Tatsächlich sieht auch das Bundeskriminalamt eine erhöhte Terrorgefahr während der WM in Russland.

In den sozialen Netzwerken und Chatrooms tauchen Bilder auf, mit denen Islamisten die WM ins Visier nehmen.

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Moschee

Die Arbeitsmigranten in Russland sind dabei leichte Opfer für islamistische Prediger, die sie für den Dschihad etwa in Syrien anwerben wollen. Man verspricht ihnen ein besseres Leben.

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Gulmorod Khalimow

2015 lief Gulmorod Khalimow, ehemaliger Chef des tadschikischen Geheimdienstes, zu den Dschihadisten über. Jetzt wirbt er im Netz um junge Rekruten:

"Ich wende mich an die Brüder in Russland. Was macht ihr da? Ihr arbeitet für Ungläubige, sorgt dafür, dass sie ein schönes Leben haben. Was macht ihr da? Für sie seid ihr Schwarzköpfe. Nichts mehr.
Entscheidet Euch lieber für den Dschihad, kommt zum Islamischen Staat."

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Faridun Hodizoda

Ziel vieler Dschihadisten etwa aus Tadschikistan ist nicht nur Syrien: "Es gibt für den Dschihad-Tourismus mittlerweile sogar Reiseagenturen, die Leute nach Afghanistan bringen", berichtet der Islamwissenschaftler Faridun Hodizoda.

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Inzwischen geht man von bis zu 6.000 IS-Rekruten aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion aus. Mehr als die Häfte stammt aus Zentralasien. 

Nach einer Studie des niederländischen Zentrums für Terrorbekämpfung kommen die meisten Selbstmordattentäter in Syrien aus Tadschikistan.

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Karte Russland und Tadschikistan

Warum treibt es so viele junge Menschen aus Tadschikistan zum sogenannten "Islamischen Staat"?

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Arbeiterstrich

Die Mehrheit der Tadschiken leben am Existenzminimum. Der Durchschnittslohn beträgt knapp 40 Euro im Monat. 

Viele Tadschiken sind gezwungen, sich auf dem Arbeiterstrich durchzuschlagen. Sie stehen oft Tage bis sie einen Gelegenheitsjob finden. Immer mal wieder fährt ein Auto vor und holt sich ein paar Arbeiter für eine Baustelle.

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Nach dem Zerfall der Sowjetunion ist es den ärmeren ehemaligen Sowjetrepubliken nicht gelungen, eigenständige Wirtschaftssysteme aufzubauen. Allen voran Tadschikistan. Man nennt das Land auch das Armenhaus Zentralasiens.

Für viele Männer ist es deshalb selbstverständlich, dass sie nach Russland gehen, um ihre Familien ernähren zu können.

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Ashurmo Saideliewa

Der Bruder von Aschurmo Saideliewa arbeitet bereits seit sieben Jahren in Russland. "Er erzählte, dass zu ihm auch Leute gekommen seien und ihn bedrängt hätten nach Syrien zu gehen. Sie hätten ihm vorgeschwärmt, dass er viel Geld verdienen würde."

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Werbung für die WM in Russland

In Russland möchte man unterdessen Stärke im Kampf gegen den Terrorismus demonstrieren. Dass das Land längst Zentrum für islamistische Rekrutierer geworden ist, wird von der Kremlführung gern verschwiegen.

Dabei ist auch in Russland die Angst vor den Rückkehrern groß.

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Terrorismus-Experte Peter Neumann

"Russland macht sich große Sorgen um diese Rückkehrer", erklärt Peter Neumann. Deshalb habe Russland auch versucht, diese Leute etwa in Syrien zu töten.

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Peter Neumann
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Polozeikontrolle

Und die Gastarbeiter? Die, die das Land maßgeblich für die WM rausgeputzt haben, sollen jetzt aus dem Land. Sie sollen bei Putins Prestigeprojekt nicht das Stadtbild stören. 

Tausende Sicherheitsbeamte sind dafür im Einsatz - und verstärken unter den Migranten die Angst vor der Willkür russischer Behörden und vor Deportationen. 

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Zur WM werden insgesamt 695.000 russische Fans und 568.000 ausländische Gäste erwartet.

Neben der FIFA und auch Russland sollen sie zu den Gewinnern dieses Großereignisses zählen. 

Die Arbeitsmigranten werden nicht dazu gehören.

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