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WDR

Autor: Jörn Kießler
Redaktion: Giselle Ucar

Bildrechte: dpa/Rodrigo Abd, WDR, AP/David Goldman

Krieg in der Ukraine: Ein halbes Jahr voller Leid und Hilfe

Als der russische Präsident Wladimir Putin am 24. Februar zehntausenden Soldaten den Befehl gibt, in die Ukraine einzumarschieren, löst das einen weltweiten Schock aus. Eine derartige Invasion hat es in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gegeben. Mittlerweile dauert dieser Angriffskrieg ein halbes Jahr.

Sechs Monate, in denen immer wieder davon gesprochen wurde, dass Putin nicht nur sein Nachbarland angegriffen hat, sondern dieser Krieg auch eine Bedrohung für ganz Europa darstellt. Immer wieder fällt der Satz, dass die Soldaten und Soldatinnen in der Ukraine nicht nur ihre Heimat, sondern auch die Freiheit Europas verteidigen.

Unterstützt werden sie dabei auch von unzähligen Landsleuten. Diese haben die Ukraine mittlerweile entweder verlassen oder harren dort weiter aus, um zu helfen. Jeder dieser Menschen hat seine eigene Geschichte, seine eigenen Gründe, so zu handeln, wie er oder sie es tut.

Viktoria, organisiert Hilfe von Köln aus

Zum Beispiel Viktoria. Die 23-Jährige ist schon lange vor dem Krieg nach Deutschland gekommen und wohnt in Köln. Ihre Familie lebt aber noch immer in der Ukraine.

Als Russland in Viktorias Heimatland einmarschiert will sie nur eins: helfen! Am Tag nach dem Beginn der Invasion kommt sie mit Freunden zum blau-gelben Kreuz, einem von vielen ehrenamtlichen Hilfsvereinen für Geflüchtete. Eigentlich will die Medizin-Studentin nur Medikamente und Hygieneartikel spenden. Doch dann kommt es anders. Sie bleibt und organisiert mittlerweile seit sechs Monaten vor allem medizinische Hilfen für die Menschen in der Ukraine.

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Alexander, wohnt bei Freunden in Kiew

Gut 2.100 Kilometer östlich von Köln steht Sasha an einer Essensausgabe in der ukrainischen Stadt Kramatorsk. Etwa 1.000 Pakete mit Milch, Brot, Wurst und Konserven geben er und die anderen Helfer täglich an Bedürftige aus. Denn viele Menschen in der Stadt in der Ostukraine sind darauf angewiesen. Ihre Ersparnisse sind aufgebraucht, bezahlte Arbeit gibt es derzeit nicht.

Trotzdem kommen viele in ihre Heimat zurück, aus der sie zum Kriegsbeginn geflüchtet sind. Um ihre Stadt wieder aufzubauen, obwohl diese weiterhin immer wieder durch russische Raketenangriffe verwüstet wird.

Ein Anwohner von Kramatorsk steht vor einem zerstörten Haus.

Auch Alexander Odintsow in Kiew hat seine Arbeit verloren. Bis zum Krieg arbeitete er in der Immobilienbranche.

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Odintsows Familie ist mittlerweile in Deutschland. Er selbst kann nicht aus der Ukraine ausreisen. Obwohl seine Familie früher keine Geldprobleme hatte, sogar mehrmals im Jahr in Urlaub fahren konnte, wird auch bei ihm das Geld knapp. Die Dinge des alltäglichen Bedarfs kann er sich nur noch leisten, weil er zurzeit kostenlos bei Freunden wohnen kann. Viel Hoffnung, dass sich dieser Zustand bald ändert, hat Alexander Odintsow nicht.

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Olena, bittet die Welt um Unterstützung

Olena Selenska ist die First Lady der Ukraine. Man kann aber auch sagen, sie ist die Frau hinter Wolodymyr Selenskyj. Und das nicht erst, seitdem er der ukrainische Präsident ist. Als man Selenskyj noch als Entertainer kannte, arbeitete sie als Autorin in einer der Satire-Shows, in denen er auftrat. Gemeinsam hat das Ehepaar zwei Kinder, neun und 18 Jahre alt.

Schon als Selenskyj Ende 2018 seine Kandidatur als Präsident bekannt gab, soll seine Frau Olena nicht begeistert gewesen sein. Seit dem Beginn des Krieges vor sechs Monaten hat sich ihr Leben komplett geändert.

Während sich ihr Mann seitdem fast jeden Tag mit Videobotschaften an die ukrainische Bevölkerung wendet, verschwanden Olena und die Kinder erst einmal von der Bildfläche - aus Sicherheitsgründen. Monatelang konnten die Kinder ihren Vater nicht sehen. Am Anfang war selbst telefonieren zu gefährlich.

Doch mehr und mehr kam Olena Selenska zurück in die Öffentlichkeit und wurde zu einer Botschafterin, die für ihr Land kämpft. Im Juli tat sie das als erste Frau eines Staatsoberhaupts, die vor dem US-Kongress sprechen durfte.

Diese Chance nutzte sie, um den Abgeordneten und der Welt in Erinnerung zu rufen, welche grausamen Schicksale die Menschen in der Ukraine erleiden müssen, seit Russland vor einem halben Jahr in das Nachbarland einfiel. Dafür erzählte sie die Geschichte der vierjährigen Lisa aus Winnyzja.

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  • Adana, 21, lebt alleine mit ihren drei Brüdern in Charkiw, als der Krieg in der Ukraine ausbricht. Vier Tage harren sie aus, dann flieht Adana mit David, 11, und Denis, 13 - erst nach Lwiw, dann weiter nach Polen und schließlich nach Deutschland. Nur ihr Bruder Victor, 18, bleibt im Nordosten des Landes zurück. Er darf das Land nicht verlassen. Hier erzählt Adana, was sie im Krieg erlebt hat - und von der Flucht ohne Bruder.