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WDR

Autor: Jörn Kießler
Redaktion: Kathrin Kühn

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Ein Jahr auf Abstand

Die Pandemie beginnt

Als Angela Merkel am 22. März 2020 vor die Presse tritt, um die Menschen über das erste Kontaktverbot der Corona-Krise zu informieren, ist das Virus schon seit fast zwei Monaten in Deutschland angekommen. Ende Januar war in Bayern die erste offizielle Infektion mit SARS-CoV-2 bestätigt worden. Am 25. Februar wird im Kreis Heinsberg der erste Covid-Fall in NRW bekannt. Am Tag der Pressekonferenz von Kanzlerin Merkel liegt die Zahl der Infizierten in Nordrhein-Westfalen bei 7.361, die der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche bei 30.

Alle staatlichen Ebenen in Deutschland arbeiten an dem einen großen, ja lebenswichtigen Ziel: Zeit zu gewinnen im Kampf gegen das Virus." – Bundeskanzlerin Angela Merkel

Der erste Lockdown

Ab dem 23. März 2020 dürfen sich in Nordrhein-Westfalen maximal zwei Personen in der Öffentlichkeit treffen, außer sie gehören zu einer Familie. Bereits vorher gab es andere Einschränkungen: Kitas und Schulen, Bars, Kinos, Museen und zahlreiche andere Freizeiteinrichtungen schließen, Veranstaltungen werden verboten. Auch die Besuchsregeln in Krankenhäusern sowie Alten- und Pflegeheimen wurden verschärft.

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Videotagebuch: Wie wir eine Woche Ausnahmezustand erlebt haben – Westpol am 22.03.2020

Die Maßnahmen greifen

Die Kontaktbeschränkungen zeigen schnell Wirkung – nicht nur, was die Zahl der Corona-Neuinfektionen angeht:

Nordrhein-Westfalen steht still!

Das macht sich vor allem auf den Straßen des Bundeslandes mit den sonst meisten Staus bemerkbar.

Kassenschlager Klopapier

Eingekauft wird dennoch – zumindest das, was man in den Geschäften des täglichen Bedarfs bekommt. Die Wahl der Produkte ist in einigen Fällen durchaus überraschend. So wird neben Desinfektionsmittel, Seife und Mehl auch Toilettenpapier zum Verkaufsschlager – und damit auch zur Mangelware.

Leere Straßen in NRW

Aber auch in den Innenstädten wird es ruhiger. Die eindringlichen Worte aus der Politik und die Angst vor einer Infektion mit der neuartigen Lungenkrankheit bewirken, dass die Menschen zuhause bleiben. Wer dennoch vor die Tür geht, dem kann es passieren, dass er an einem Samstag allein durch die Hohe Straße in Köln spaziert – sonst eine der belebtesten Einkaufsstraßen des Landes.

Neuinfektionen gehen zurück

Das Wichtigste ist aber: Die Zahl der Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 geht zurück. Bis zum 26. April 2020 sinkt die Sieben-Tage-Inzidenz in Nordrhein-Westfalen auf einen Wert von 14,4. Was dazu führt, dass über erste Lockerungen der Kontaktbeschränkungen diskutiert wird.

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"Brauchen Debatte über Lockerungen" – WDR5 Morgenecho am 24.04.2020

Maskenpflicht wird eingeführt

Bevor Bund und Länder jedoch über Lockerungen beraten, wird am 27. April 2020 eine Maskenpflicht beim Einkaufen und im öffentlichen Nahverkehr eingeführt. Dass der Mund-Nasen-Schutz irgendwann zu unserem Alltag gehören wird, ist zu diesem Zeitpunkt noch undenkbar.

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Wieviel Maske verträgt die Gesellschaft? – Westpol am 26.04.2020

Noch weniger Neuinfektionen

Und auch diese Maßnahme verfehlt ihre Wirkung nicht. Es gibt immer weniger Neuinfektionen in NRW. Bis zum 10. Mai 2020 wird der Inzidenzwert bis auf 8,7 gedrückt. Aber auch das Frühlingswetter hilft im Kampf gegen die Pandemie. Die Menschen halten sich wieder mehr im Freien auf, wo sich die Aerosole aus der Atemluft und damit auch mögliche Coronaviren nicht lange halten und eine Übertragung unwahrscheinlich ist.

Was bringen Masken? – Quarks

Locker durch den Sommer

Wegen der niedrigen Zahl an Neuinfektionen beschließt die NRW-Landesregierung die Corona-Regeln zu lockern. Zwar gilt auch ab dem 11. Mai 2020 weiterhin die Maskenpflicht und Treffen bleiben auf die Mitglieder aus zwei Haushalten begrenzt, der Lockdown wird aber beendet. Die Geschäfte dürfen wieder öffnen genau wie Massage- und Nagelstudios sowie Kosmetiker. Zudem kann man wieder in die Kneipe, vorausgesetzt, sie bietet Speisen an. Auch Ferienunterkünfte dürfen schrittweise wieder öffnen, genau wie Schwimmbäder, Thermen, Kinos, Theater und viele andere Freizeiteinrichtungen. Vor allem für Familien mit Kindern gibt es gute Nachrichten: Die Kleinen dürfen wieder in die Schule.

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Erster Schultag für viele Schüler in NRW – WDR aktuell am 11.05.2020

Keine Lockerungen im Kreis Coesfeld

Ausgenommen von den ersehnten Lockerungen bleibt der Kreis Coesfeld. Grund dafür ist ein Corona-Ausbruch in dem ansässigen Schlachthof der Firma Tönnies. Bewohner des Kreises sind sauer, denn selbst wenn sie kilometerweit vom Infektionsgeschehen entfernt wohnen, bleiben auch bei ihnen Schulen, Kitas, Gastronomie und Geschäfte geschlossen. Monate später wird bekannt, dass es in der Fleischfabrik "gravierende Mängel" beim Arbeitsschutz gegen das Coronavirus gab, wie die Bezirksregierung Detmold in einem internen Prüfbericht festhält.

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Außer Kontrolle: Coronaverstöße bei Tönnies – Westpol am 20.09.2020

Widerstand gegen Corona-Maßnahmen

Trotz der Lockerungen formiert sich in NRW – genau wie im restlichen Deutschland – teilweise Widerstand gegen die Corona-Maßnahmen. Auf den Demos gegen Maskenpflicht, geschlossene Läden, Kitas und Schulen ist ein breites Spektrum von Menschen vertreten. Es reicht von Verschwörungsanhängern, die das Coronavirus für eine Erfindung der Regierung halten, über Impfgegner, Esoteriker bis hin zu Rechtsextremen, die die Stimmung für ihre Zwecke nutzen wollen. So gut wie überall mischt die "Querdenker"-Bewegung des Stuttgarters Michael Ballweg mit.

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Corona-Demos: Zwischen Regenbogen- und Reichskriegsflagge – Monitor am 24.09.2020

Die Zahlen explodieren

Mit der Kombination aus AHA-Regeln (Abstand, Hygieneregeln, Alltagsmaske) und gutem Wetter kommt NRW gut durch die Sommermonate. Ab Anfang Oktober wächst die Zahl der Neuinfektionen jedoch wieder steil an. Ein Grund dafür könnte sein, dass sich die Menschen wegen der sinkenden Temperaturen im Herbst wieder mehr in Innenräumen aufhalten, wo sich das Coronavirus leichter übertragen lässt. Als Bund und Länder bei ihrer Konferenz am 28. Oktober 2020 die Reißleine ziehen, liegt der Inzidenzwert bereits bei 140,1.

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18.681 Neuinfektionen: Auf diese Zahlen kommt es jetzt an! – Aktuelle Stunde am 30.10.2020

Was ist ein "Lockdown light"?

Als der sogenannte "Lockdown light" am 2. November 2020 beginnt, ist die Sieben-Tage-Inzidenz in NRW innerhalb eines Monats von 23,9 am 2. Oktober auf 170,6 gestiegen. Dem wollen Bund und Länder mit einer abgespeckten Version der ersten Kontaktbeschränkungen im Frühjahr Herr werden. So dürfen sich jetzt bis zu zehn Personen in der Öffentlichkeit treffen, vorausgesetzt sie kommen aus nur zwei Haushalten. Kultureinrichtungen, Sportstätten, Clubs, Bars, Zoos und andere Freizeiteinrichtungen werden wieder geschlossen, der Einzelhandel bleibt geöffnet. Genau wie die Schulen, in denen nun aber eine Maskenpflicht im Unterricht herrscht. Anders als im Frühjahr beginnt auch in der Politik eine Diskussion, ob die Maßnahmen angemessen sind.

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Merkels Regierungserklärung zu den Corona-Beschränkungen – Aktuelle Stunde am 29.10.2020

Einschränkungen auf Zeit

Eine zweite Besonderheit des "Lockdown light" ist, dass er zeitlich begrenzt sein soll. Das erklärte Ziel von Bund und Ländern ist es, die Zahl der Neuinfektionen bis zu 30. November 2020 so zu senken, dass ab Dezember wieder gelockert werden kann. Die Menschen in NRW sollen Heiligabend im Kreise der erweiterten Familie feiern können. Und auch das Weihnachtsgeschäft soll laufen. Da die Geschäfte aber nur einen Kunden pro zehn Quadratmeter hereinlassen dürfen, erlaubt die NRW-Landesregierung dem Einzelhandel, auch an den Adventssonntagen zu öffnen – auch um damit den Kundenandrang zu entzerren.

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Weihnachten und Corona: Die Hoffnung der Händler – WDR5 Morgenecho am 30.11.2020

"Lockdown light" wird verlängert

Doch der Plan der von Bund und Ländern geht auch in NRW nicht auf. Zwar stabilisieren sich die Zahlen ab dem 2. November 2020 und sinken sogar leicht. Die Inzidenz bleibt jedoch weit über 100. Daraufhin beschließt die NRW-Landesregierung, den "Lockdown light" bis zum 20. Dezember zu verlängern. Doch noch bevor dieses Datum erreicht wird, zwingt sie die Zahl der Neuinfektionen erneut zu handeln. Trotz Kontaktbeschränkungen ist die Sieben-Tage-Inzidenz bis zum 11. Dezember wieder auf 169 gestiegen.

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NRW droht der Lockdown – WDR extra am 11.12.2020

Weihnachten mit Corona

Die Inzidenz hat einen Wert von 186 erreicht, als NRW am 16. Dezember 2020 wieder in einen "harten" Lockdown geht. Das bedeutet, dass der Einzelhandel nun doch schließen muss. Nur Geschäfte, die Produkte des täglichen Bedarfs anbieten, wie Lebensmittelgeschäfte, Drogeriemärkte und Apotheken, dürfen weiter öffnen. Die Zahl der Personen aus zwei Haushalten, die sich treffen dürfen, wird auf fünf begrenzt, die Präsenzpflicht an Schulen aufgehoben. Kitas bleiben zwar offen, die Landesregierung appelliert allerdings an die Eltern, ihre Kinder wann möglich zuhause zu betreuen. Nicht einmal zum Friseur darf man vor den Weihnachtsfeiertagen gehen.

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Bis zum letzten Schnitt: Countdown beim Friseur – Lokalzeit Bonn am 15.12.2020

Lüften unterm Weihnachtsbaum

Gerade Weihnachten stellt eine besondere Herausforderung im Kampf gegen die Pandemie dar. Einerseits ist die Reduzierung aller Kontakte das effektivste Mittel gegen die Ausbreitung des Virus. Andererseits hat die NRW-Landesregierung mehrfach betont, dass sie nicht in den privaten Raum der Menschen eingreifen will. Ganz im Gegenteil: Für die Feiertage lockert NRW dann die Kontaktbeschränkungen. Für Familien, die sich an Weihnachten trotz Corona sehen, ihr Infektionsrisiko aber minimieren wollen, entwickeln Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz Lüftungsempfehlungen.

Die Zahlen sinken, die Kliniken werden voller

Trotz der Lockerungen über Weihnachten beginnen die Zahlen just nach Heiligabend zu sinken. Was aber in erster Linie damit zusammenhängt, dass über die Feiertage weniger Tests durchgeführt werden und auch die Gesundheitsämter die Neuinfektionen nicht mehr regelmäßig melden. Dass die Lage dennoch angespannt ist, lässt sich an der Belegung der Krankenhäuser ablesen.

Das Virus mutiert

Auch im neuen Jahr bleiben die Corona-Zahlen hoch. NRW verlängert daraufhin die Corona-Beschränkungen, die eigentlich am 10. Januar 2021 enden sollten, bis Ende des Monats. Darüber hinaus darf man sich nur noch mit einer Person außerhalb des eigenen Haushalts treffen. Am 25. Januar kommt zudem die Pflicht, beim Einkaufen, im ÖPNV und vielen anderen öffentlichen Bereichen eine medizinische oder eine FFP2-Maske zu tragen. Diese Verschärfungen gelten erst einmal ohne Enddatum. Ein Grund dafür sind die ansteckenderen Mutationen des Coronavirus, die Deutschland erreicht haben und die Lage verschärfen.

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Mutation in NRW: Fragen und Antworten – Aktuelle Stunde am 04.02.2021

Karneval ohne Bützje

Besonders hart sind die Verlängerungen des Lockdowns und die verschärften Kontaktverbote für die Karnevalisten. Kein Bützen, kein Singen, kein Tanzen und vor allem keine Menschenmengen entlang der Rosenmontagszüge. Doch für die fünfte Jahreszeit werden die Jecken in Nordrhein-Westfalen erfinderisch. Die berühmten Motto-Wagen des Düsseldorfer Wagenbauers Jacques Tilly beispielsweise rollen auch in dieser Session durch die Stadt – coronakonform auf einer geheimen Route. Und trotz Virus und leerer Straßen ist man auch in Köln weiter der Meinung: "De leeve Jott is ne kölsche Jung!"

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Weiberfastnacht ohne Karneval: Unterwegs auf den Straßen von Köln – Aktuelle Stunde am 11.02.2021

Die Zahlen sinken – und steigen wieder

Trotz Mutante entwickeln Lockdown und die Ende Dezember gestartete Impfkampagne offenbar ihre Wirkung. Ab Mitte Januar sinkt die Zahl der Neuinfektionen zunächst langsam aber stetig. Und obwohl sie ab Mitte Februar wieder langsam steigt und die Sieben-Tage-Inzidenz den Wert von 50, ab dem eigentlich erst gelockert werden soll, nicht unterschreitet, beschließen Bund und Länder, ein Konzept für Öffnungsschritte ab dem 7. März 2021. Die Inzidenz in NRW liegt an diesem Tag bei 67,3.

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Lockerungen trotz steigender Inzidenzen – Aktuelle Stunde am 08.03.2021

Lockdown-Ende mit Auflagen

Längst kein Ende der Kontaktbeschränkungen, aber ein wenig mehr Möglichkeiten bringt der 8. März 2021 schon. Ab diesem Tag sind diverse Dinge wie Einkaufen, Besuche von Museen und Zoos sowie Sport in Vereinen unter Auflagen wieder erlaubt. Ob man sich vor dem Einkauf im Laden anmelden, einen Termin im Museum buchen oder sich auf Individualsport beschränken muss, hängt von der Inzidenzzahl in der jeweiligen Region ab.

Testen und Impfen

Hintergrund des Stufenplans für Lockerungen ist die Hoffnung, die Pandemie bald besser unter Kontrolle zu bekommen. Mit zwei Maßnahmen, die es zu Beginn der Corona-Krise noch nicht gab: Impfen und Testen. Nach dem holprigen Impfstart in NRW konnten im März 2021 die Termine von 70.000 auf 100.000 pro Woche erhöht werden. Zudem können sich alle Bürger*innen in NRW seit dem 10. März 2021 einmal die Woche kostenlos auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 testen lassen. Dafür wurden laut Gesundheitsministerium mehr als 2.600 Teststellen im ganzen Land eingerichtet.

Weitere Lockerungen vorerst vertagt

Den Plan, am 22. März 2021 über weitere Lockerungen zu sprechen, haben die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten und -präsidentinnen dennoch vorerst vertagt. Bedingung dafür war, dass die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche "stabil oder sinkend" unter 100 liege. Das ist einen Tag vor der Bund-Länder-Konferenz aber nicht der Fall. Bundesweit liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 103,9, in NRW bei 103,5 – Tendenz steigend.

Als die ersten Kontaktbeschränkungen am 22. März vor einem Jahr verkündet wurden, war der Wert 30.

Die aktuellen Corona-Zahlen, Informationen zum Impfen und Testen sowie die derzeit gültigen Corona-Regeln in NRW finden Sie jederzeit auf WDR.de.