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Vor 25 Jahren: Brandanschlag in Solingen

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Die Untere Wernerstraße in Solingen. Fünf Kastanien, eine kleine Gedenktafel und einige Mauerreste zeugen vom Brandanschlag auf das Haus der Familie Genc.

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25 Jahre liegen zwischen diesen BIldern. Das erste Foto wurde am 29.05.1993 morgens wenige Stunden nach dem Brandanschlag aufgenommen, das zweite am 21.05.2018.

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Der Morgen nach dem Anschlag (Aktuellen Stunde vom 29.05.1993)

 "Die 19-köpfige türkische Großfamilie war im Schlaf von den Flammen überrascht worden."

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Die Lehrerin eines der getöteten Mädchen (30.05.1993)

"Ich weiß nur, dass sie sich um ihre Kinder gekümmert haben, wie jede andere Familie auch."

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Schon bei den Löscharbeiten wird deutlich: Das Feuer in Solingen wurde gelegt. Im Eingang finden die Ermittler Spuren von Benzin.

Der Brandanschlag von Solingen ist der traurige Höhepunkt einer Serie fremdenfeindlich und rassistisch motivierter Anschläge zu Beginn der 1990er Jahre in Deutschland. Unter anderem gab es ein halbes Jahr zuvor einen Brandanschlag in Mölln, beim dem drei türkischstämmige Menschen starben.

Extremismus-Experten sehen in den Taten einen Zusammenhang mit der Diskussion um die Asylpolitik der Bundesregierung. Die Zahl rechtsextremer Taten war sprunghaft angestiegen. Rechtsextreme gibt es zu dieser Zeit auch in Solingen. Öffentlich nimmt das kaum jemand wahr. 

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NRW-Ministerpräsident Johannes Rau am Tatort (29.05.1993)

"Eines der schrecklichsten Geschehen, das ich erlebt habe."

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Hinweise auf Neonazi-Treffen (Aktuelle Stunde, 30.05.1993)

"Man hätte es wissen können, heißt es inzwischen unter den Nachbarn."

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Bericht aus der Türkei (Aktuelle Stunde vom 30.05.1993)

"'Hitlers Höllenbrut hat wieder zugeschlagen' - für die türkischen Zeitungen gibt es heute nur dieses eine Thema."

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Eine Solingerin zeigt sich erschüttert (30.05.1993)

"Dass denen hier so etwas angetan wird, das kann man überhaupt nicht verstehen."

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Die Solinger zeigen vor der Brandruine Solidarität und Mitgefühl mit den Trauernden. 

Schon nach wenigen Tagen führen die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft zu Verhaftungen. Drei Jugendliche und ein junger Mann aus der rechtsextremen Szene Solingens sollen das Haus angezündet haben.

Viele Türken protestieren lautstark und friedlich gegen die Mordtat.

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Lautstarke Proteste in Solingen (ARD Morgenmagazin, 02.06.1993)

"Gemeinsam halten sie die Stadt wach - Lärm soll aufrütteln."

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Vertreter der Solinger Moschee-Gemeinde haben Angst (30.05.1993)

"Wir haben Angst schlafen zu gehen und das so etwas in unserem Haus passiert."

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Es kommt zu Krawallen in Solingen (ARD-Brennpunkt, 31.05.1993)

"Es ist das Werk von deutschen Autonomen und türkischen Nationalisten."

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Die Leichname der fünf Opfer des Brandanschlags werden in die Türkei überführt und in der Heimat ihrer Eltern bestattet, so auch die sterblichen Überreste von Hatice Genc (rechts) und Gürsun Ince (links). Zur Trauerfeier in Köln kommt auch der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker. 

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Richard von Weizsäcker, damaliger Bundespräsident (03.06.1993)

"Die Morde von Mölln und Solingen sind keine unzusammenhängende, vereinzelte Untaten."

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Totengebet in Solingen (Trauerfeier für die Opfer von Solingen, 03.06.1993)

"Fünf Tage nach dem Mord können die Angehörigen die Tat immer noch nicht fassen."

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Knapp ein Jahr nach der Tat beginnt der Prozess. Das Oberlandesgericht Düsseldorf muss klären, ob die vier Angeklagten den Anschlag verübt haben. 

In der Verhandlung wird deutlich, wie viele Fehler bei den Ermittlungen gemacht wurden, etwa bei der Spurensicherung durch einen Brandsachverständigen. Auch die Rolle eines V-Manns des NRW-Verfassungsschutzes in der rechten Szene in Solingen kann das Gericht nicht aufklären.

Mindestens ein Mitglied der Familie Genc ist an jedem Prozesstag im Gerichtssaal. Mehr als ein Jahr zieht sich die Verhandlung hin.

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Die Angehörigen als Nebenkläger im Prozess (ARD-Brennpunkt, 13.10.1995)

"Ein trauriges Ritual: Die Familie Genc auf dem Weg zum Prozess."

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Bericht über Ermittlungspannen in Solingen (ARD-Brennpunkt, 13.10.1995)

"Beamte der Mordkommission mussten zugeben, dass sie einen Angeklagten beschimpft und bedroht haben."

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Drei Jugendliche und ein junger Erwachsener aus Solingen sitzen ab dem 13. April 1994 auf der Angeklagebank. Sie alle stammen aus der Neonazi-Szene der Stadt. Zwei von ihnen bestreiten jede Mitwirkung am Anschlag. Die beiden anderen legen Geständnisse ab, widerrufen diese später aber auch. Immer wieder gibt es Zweifel an ihrer Täterschaft.

Am 13. Oktober 1995 werden alle vier zu langjährigen Haft- und Jugendstrafen verurteilt. MIttlerweile leben alle wieder in Freiheit - soweit bekannt, außerhalb von Solingen.

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Reporter Jörg Schönenborn über das Urteil (ARD-Brennpunkt, 13.10.1995)

"Dann gab es eine Situation, die mich jetzt noch bewegt."

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Vor allem für Menschen mit türkischen Wurzeln hat das harte Urteil einen hohen symbolischen Wert. Wegen der vielen Pannen hatten manche befürchtet, die Angeklagten könnten freigesprochen werden.  

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Die Mutter, Schwiegermutter und Großmutter der Opfer hatte sich nach dem Anschlag immer wieder für ein friedliches Zusammenleben der Menschen ausgesprochen. Das Urteil gegen die Täter wertet sie als gerechte Strafe.

Mevlüde Genc wird 1996 für ihr Wirken mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Zudem erhält sie viele andere Ehrungen, unter anderem den Verdienstorden des Landes NRW. 

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