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Judenhass in Europa - Multimedia-Reportage

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Ein Bürger aus Bonn demonstriert auf dem Marktplatz mit einer Kippa auf dem Kopf

Die Angst geht wieder um in Europa: Jüdische Menschen werden auf offener Straße angegriffen, bei Aufmärschen werden Hassparolen skandiert.

Viele Juden - etwa aus Frankreich - verlassen deshalb ihre Heimat, wandern aus nach Israel.

Wie ist die Situation in Deutschland, Polen oder Frankreich?

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Mit iraelischen und deutschen Fahnen demonstrieren Menschen auf dem Marktplatz in Bonn gegen Antisemitismus

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Die Zahl der in Deutschland lebenden Juden hat sich seit den 1990er Jahren deutlich erhöht. 1990 zählte die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland noch rund 30.000 Gemeindemitglieder, im Jahr 2017 waren's knapp 100.000. 

Aber nicht alle Juden sind Mitglieder einer Gemeinde. Insgesamt wird die Zahl der in Deutschland lebenden Juden auf bis zu 240.000 geschätzt.

Der Großteil des jüdischen Lebens findet allerdings unter Polizeischutz und nicht öffentlich statt - aus Angst vor antisemitischen Anschlägen.

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Brille liegt auf zwei Bänden einer Enzyklopädie
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David Ranan

Autor "Muslimischer Antisemitismus"

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David Ranan
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Nach Angaben der Bundesregierung gab es seit 2010 bundesweit 11.786 antisemitische Straftaten in Deutschland, davon 327 Gewaltdelikte. Die meisten werden dem rechten Milieu zugeordnet.

In Berlin - Heimat der meisten Juden in Deutschland - kam es laut Statistik mit 1.649 Fällen auch zu den meisten antisemitischen Ausfällen. 

Die Dunkelziffer dürfte aber viel höher liegen. Denn viele Delikte werden vermutlich gar nicht erst der Polizei angezeigt.

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Benjamin Steinitz

Recherchestelle Antisemitismus

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Benjamin Steinitz

Seit 2015 können antisemitische Übergriffe in Berlin bei der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) gemeldet werden.

Im Jahr 2017 wurden dort 947 Drohungen und andere Straftaten gemeldet - auch aus dem Bereich des muslimischen Antisemitismus.

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Eine internationale Studie der US-Organisation "Anti-Defamation League" (ADL) kommt zu dem Ergebnis, dass etwa in Deutschland, Frankreich oder Belgien Antisemitismus unter der muslimischen Bevölkerung im Vergleich zur Gesamtbevölkerung deutlich höher ausgeprägt ist.

Allerdings stammt ein Großteil der muslimischen Bevölkerung in den untersuchten Ländern - mit Ausnahme Großbritanniens - nicht etwa aus Osteuropa oder Südostasien, sondern aus den Ländern des Nahen Ostens und den Maghrebstaaten. Also aus Staaten, die Israel kritisch gegenüberstehen. 

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Ein Papierschnipsel mit dem Schriftzug H@ss auf einer Computertastatur

Antisemitismus ist auch ein Phänomen im Internet. Judenfeindschaft sei heute ein "integraler Teil der Webkommunikation 2.0", heißt es in einer aktuellen Studie der Technischen Universität in Berlin.

Vier Jahre lang hat ein Forscherteam den Hass auf Juden im Netz untersucht, unter anderem in Kommentarbereichen großer Online-Medien (u.a. Welt, SZ, Zeit, FAZ, taz, Tagespiegel, Focus).

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Analysiert wurden dabei Kommentare zu Themen wie Nahostkonflikt und Israel, zur deutschen NS-Vergangenheit, zu aktuellen politischen und religiösen Themen (Flüchtlingskrise, Beschneidungsdebatte) sowie zu Ergebnissen der Antisemitismusforschung.

Im Jahr 2007 fanden sich demnach in diesen Kommentarbereichen knapp acht Prozent antisemitische Botschaften.

Im Jahr 2017 stellten die Forscher bereits einen Anteil von mehr als 30 Prozent fest.

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Trauermarsch in Paris in Erinnerung an Mireille Knoll

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Derzeit leben in Frankreich schätzungsweise 460.000 Juden.

Frankreich ist damit das Land mit der größten jüdischen Gemeinde Europas und der drittgrößten jüdischen Bevölkerungsgruppe weltweit, nach Israel und den Vereinigten Staaten.

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In Frankreich sind in den letzten Jahren fast ein Dutzend Juden umgebracht worden, weil sie Juden waren.

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Michel Serfaty

Rabbiner

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Michel Serfaty

"Wir müssen von einem muslimischen Antisemitismus sprechen.

Das bedeutet natürlich nicht, dass alle Muslimen Antisemiten sind.

Wir dürfen nicht verallgemeinern.″

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Die Zahl der Auswanderer von Frankreich nach Israel ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

Nach Angaben der Jewish Agency sind in den vergangenen fünf Jahren rund 27.000 Juden aus Frankreich nach Israel ausgewandert - in den fünf Jahren davor waren es demnach weniger als 10.000.

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Elisabeth Badinter

Philosophin

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Elisabeth Badinter

"Wenn sich der Antisemitismus weiter so entwickelt, dann ist es vorstellbar, dass in ein paar Jahrzehnten alle französischen Juden Frankreich verlassen werden."

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Demonstranten in Polen

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 Zum Gedenken an den 75. Jahrestag des Aufstands im Warschauer Ghetto projiziert die polnische Künsterlin Gabi von Seltmann ein Bild der Großen Synagoge von Warschau an ihren einstigen Standort, ein Glashochhaus in Warschau

Noch vor wenigen Jahren galt Polen als eine moderne Gesellschaft.

Doch dann kam die Wahl 2015 und mit ihr eine rechtskonservative Regierung.

Nun feiert in unserem Nachbarland ein neuer Nationalismus eine beängstigende Renaissance.

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Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten in Polen mehr als drei Millionen Juden, nach der Vernichtung durch die Nazis noch ca. 230.000.

Von ihnen wanderten in den Nachkriegsjahren ca. 180.000 vor allem nach Israel und in die USA aus. Tausende Juden wurden zudem 1968 von der kommunistischen Partei zu Staatsfeinden erklärt und mussten Polen verlassen.

Wie viele Juden heute in Polen leben, ist unklar. Die Jewish Data Bank gab die Zahl 2010 mit 3.200 an.

Tatsächlich leben heute vermutlich deutlich mehr Juden in Polen. Viele Juden sind in gemischten Familien zur Welt gekommen, wissen teilweise gar nichts über den Glauben ihrer Vorfahren. Viele Juden verheimlichen auch bewusst ihre jüdische Herkunft.

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Schätzungen gehen von bis zu 30.000 Juden aus, die heute in Polen leben. Selbst das wäre aber noch immer ein sehr geringer Anteil an der Gesamtbevölkerung.

In Frankreich etwa sind von 1.000 Einwohnern ca. 6,87 Juden. In Deutschland beträgt die Quote ungefähr 2,91. Und in Polen wären demnach unter 1.000 Einwohnern ca. 0,78 Juden.

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Antonina Samecka

jüdische Modedesignerin

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Antonia Semecka

"Polen wurde ständig von anderen Völkern überrannt. Und die Angst davor ist tief verwurzelt."

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Straße in Israel

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Aus Angst vor antisemitischen Übergriffen in ihren Heimatländern sind viele Juden nach Israel ausgewandert.

Im Jahr 2016 lebten nach Angaben des Israelischen Zentralbüros für Statistik (CBS) etwa 111.900 Juden in Israel, die in Polen, Frankreich, Deutschland oder Österreich geboren wurden.

Die Zahl der im Ausland geborenen und nun in Israel lebenden Juden betrug demnach im Jahr 2016 rund 1,5 Millionen. 

Insgesamt lebten 2016 in Israel 6,39 Millionen Juden.

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Seit der Staatsgründung 1948 werden Juden in Israel willkommen geheißen. Das ist im sogenannten Rückkehr-Gesetz festgelegt, das Menschen jüdischer Herkunft die Einwanderung nach Israel erlaubt.

In den 1950er und 1960er Jahren kamen viele Juden aus Nordafrika, Irak, Ägypten und Iran.

Mit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 zogen auch Hunderttausende Juden aus dieser Region nach Israel.

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Eric Hamon

Auswanderer

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Eric Hamon

"Ich denke, dass Europa ein echtes Problem mit dem Antisemitismus hat.

Wir sind ein sehr kleines Volk neben dem Rest der Welt. Die Menschen sind wütend auf uns.

Aber wir wissen nicht, warum."

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  • Autor: Rainer Striewski
    Redaktion: Stephan Lennartz, Norbert Hahn
    Filmmaterial von Andreas Morell und Johanna Hasse

    Bildrechte: AP, Vincent Boisot/Riva Press/laif, WDR, WDR / AP, WDR / MEV, WDR / dpa, WDR / imago stock&people, WDR / picture-alliance / dpa, Xinhua / eyevine / laif, ddp images/Pacific Press, dpa, imago/Eibner Europa, imago/Future Image, imago/IPON, imago/Xinhua, picture alliance, picture alliance / Daniel Bockwo, picture alliance / ZB

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