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Merkel in Pappmaché

Die jecken Jahre einer Kanzlerin

2003

Schon 2003 hatte Angela Merkel einen festen Platz im Düsseldorfer Karneval - um den sie allerdings nicht zu beneiden war. Eingebrockt hatte sie ihn sich, weil sie als Oppositionsführerin während eines USA-Besuchs gesagt hatte, sie halte den drohenden Irak-Krieg für "unvermeidbar". Die damalige Schröder-Regierung war wenig begeistert, die Jecken hingegen hatten ihren Spaß.

2004

So unschön der Platz auch war: Schon ein Jahr später hatte Merkel in Düsseldorf das Zepter - oder besser: ihre Jagdbeute - wieder in der Hand. Merz, Koch, Stoiber ... Im Laufe der Jahre hat sie viele einst mächtige Männer von der politischen Bühne verdrängt.

2005

Bei einem mächtigen Mann stieß das Machtsystem Merkel allerdings an Grenzen, wie die Mainzer Jecken wussten: Mit dem US-Präsidenten George W. Bush musste sich die künftige Kanzlerin irgendwie arrangieren. Aber gut, das kannte sie ja schon.

2006

In Deutschland hingegen konnte sie - jetzt ausgestattet mit der üppigen Macht einer Bundeskanzlerin - den Ton angeben. Das bekam auch der damalige SPD-Chef Matthias Platzeck zu spüren, wie die Düsseldorfer Jecken in gewohnt derber Weise zeigten.

2007

Aber irgendwie schien schon bald die Luft raus zu sein. Die von Merkel geführte Große Koalition zwischen CDU/CSU und SPD gehörte für Düsseldorfs Wagenbauer Jacques Tilly schon zwei Jahre nach dem Start auf den (Elefanten-) Friedhof.

Auch im Kölner Karneval kam die Große Koalition nicht gut weg. Angela Merkel schien sich hier eiskalt an die Macht zu klammern.

2008

Keine Frage: Zwischen CDU/CSU und SPD knirschte es gewaltig, unter anderem wegen der Wahlkämpfe in mehreren Bundesländern. In Mönchengladbach sah man Merkel und SPD-Chef Kurt Beck bereits auf Kollisionskurs.

Auch für Wagenbauer Jacques Tilly war in Düsseldorf klar: Aus dieser Koalition ist die Luft raus. Die Aussicht auf noch zwei weitere Jahre Große Koalition schien hier selbst Merkel nicht zu begeistern.

2009

Der Karneval 2009 stand ganz im Zeichen der Finanz- und Wirtschaftskrise. In Anlehnung an die Kapitolinische Wölfin Roms labten sich in Düsseldorf die Notleidenden an "Konjunkturpaket", "Abwrackprämie" und "Bankenhilfe".

2010

Auch ein Jahr später war die Finanzkrise allgegenwärtig, natürlich auch im Karneval. Die Kölner Jecken ließen Merkel mit einem Rekord-Schuldenkoffer zum "Einschuldungstag" antreten.

2011

Darf man Karnevalswitze mit dem 11. September machen? Jacques Tilly fragte nicht lang und ließ den damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ins Kanzleramt krachen. Angela Merkel wird's nicht gefallen haben. Aber: Am Ende war sie noch da - und Guttenberg mit seiner Plagiats-Doktorarbeit von der politischen Bühne verschwunden.

2012

Apropos Männer: Auch in der Koalition zwischen CDU/CSU und FDP war schnell klar, wer Ton und Richtung angab. Zum Mitfahren bzw. Regieren wurden Philipp Rösler und seine FDP zwar noch gebraucht, für Düsseldorfs Wagenbauer Tilly schien das Ende aber nah. Ein Jahr später war dann auch tatsächlich schon Schluss mit Schwarz-Gelb.

Abschied nehmen musste auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. Hier in Düsseldorf lag er zwar noch zufrieden auf dem Bauch der Kanzlerin, in Anspielung auf die enge Zusammenarbeit der Politiker in der Schuldenkrise. Doch wenig später war's schon wieder vorbei mit "Merkozy".

2013

Euro-Krise ohne Ende? Mehrere Rettungspakete mussten geschnürt werden, um Griechenland vor dem Bankrott zu bewahren - verbunden jeweils mit harten Sparauflagen. Die Griechen "bedankten" sich bei der Kanzlerin mit einem Hitler-Bärtchen. Zumindest sah's Jacques Tilly in Düsseldorf so.

2014

Ganz schön fett: Angela Merkel als wirtschaftlich starkes Deutschland war im Düsseldorfer Karneval 2014 nicht zu übersehen. Dick und rund hielt sie den ausgezehrten französischen Präsidenten Francois Hollande an der Hand, der für die wirtschaftliche Schwäche des Nachbarlandes stehen sollte.

Deutlich agiler ging's in Köln zu. Dort feierte man Merkel als "intergalaktische Kanzlerin", die nicht nur die Euro-Krise, sondern offenbar alle Probleme des Universums zu managen vermochte.

2015

Aber ob als Heldin oder (politische) Riesin wie hier in Düsseldorf: Merkel hatte immer wieder mit Problemen zu kämpfen. Im Schuldenstreit mit Griechenland etwa stand die Kanzlerin auch 2015 innen- und außenpolitisch stark unter Druck. Der neue griechische Premierminister Alexis Tsipras wollte gar zusammen mit anderen EU-Südstaaten eine Allianz gegen Berlin schmieden.

2016

Ein Jahr später trieb Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras die deutsche Regierungschefin gar als Zeus vom Thron aus vor sich her - allerdings nur in der Phantasie der Kölner Wagenbauer.

Währenddessen wurde Merkel in Düsseldorf von der Flüchtlingswelle erfasst - allerdings hier nicht wirklich im Rosenmontagszug. Der musste abgesagt werden, weil keine Welle, sondern ein Sturm über Düsseldorf aufzog. Präsentiert wurden die Karnevalswagen trotzdem.

Einige Wochen später wurde der Karnevalsumzug in der Landeshauptstadt zwar nachgeholt. Doch die Mottowagen waren im Gegensatz zum Wetter nicht wirklich freundlicher.

2017

Ungleicher Kampf: Während sich Merkel in Berlin um ihre vierte Amtszeit bewarb, sah man in Düsseldorf schon das Ergebnis voraus. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz konnte als Steinzeitmensch mit seinem Speer einfach nichts gegen das ausgewachsene "Mammutti" ausrichten.

2018

So konnte auch Martin Schulz nicht verhindern, dass Angela Merkel schließlich zum vierten Mal zur Kanzlerin gewählt wurde. Der einstige Hoffnungsträger der SPD wurde damit statt Regierungschef nur ein weiteres Opfer der "schwarzen Witwe" - so sah es Jacques Tilly.

2019

War's das nun aber mit der Macht? Nach ihrem Abschied vom CDU-Parteivorsitz sah der Düsseldorfer Wagenbauer Tilly Angela Merkel schon geschreddert, wie ein Bild des Künstlers Banksy. Aber immerhin: Kanzlerin wollte und sollte Merkel weiterhin bleiben.

Aber klar war auch da schon: 2021 sollte für Merkel endgültig Schluss sein, auch als Kanzlerin. An der Parteispitze war ihr bereits (wie hier in Frankfurt) Annegret Kramp-Karrenbauer nachgefolgt. Die ehemalige Ministerpräsidentin und Generalsekretärin hatte sich auf einer Parteitagsabstimmung gegen Friedrich Merz und Jens Spahn durchgesetzt.

2020

Und so mussten auch die Kölner anerkennen: Die Macht hatten jetzt drei Frauen inne. Angela Merkel, Annegret Kramp-Karrenbauer und Ursula von der Leyen, die neue Präsidentin der EU-Kommission, bildeten das wahre Dreigestirn im Rosenmontagszug. Aber im Karneval weiß man auch: Irgendwann ist alles wieder vorbei.

2021

Im Jahr 2021 gab's zwar wegen der Pandemie keinen Rosenmontagszug, dafür aber mit Armin Laschet einen neuen CDU-Chef und Kanzlerkandidaten. Und damit auch einen neuen Mottowagen von Jacques Tilly, diesmal ohne Merkel - halbwegs zumindest.