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Los geht's

Welbys Welt: Quote oder Tote

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Die Lügenpresse hat endlich ein Gesicht: Meik Welby! 
Beruf: Regionalreporter.
Fachgebiet: mediale Manipulation.
Journalistische Moral? "Pillepalle!"

Was dabei rauskommt: wenig Quote und viel Ärger ...

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Meik Welby: Klingt weltmännisch, so heißt er aber trotzdem.

Regional-Reporter:
Fest-Frei sagt man in der Branche. Hängt freiwillig im Regionalen fest.


38:
Mit 34 war alles noch in Ordnung.


Ledig:
Aber liiert, und zwar unglücklich. Sie heißt Pe und kann nichts dafür. Es war seine Schuld.


Keine Kinder:
Wäre zwar schön gewesen, aber dann ist es passiert.


Es:
Es ist der Unfall. Vier Jahre ist es her. Er saß am Steuer, sie liegt seitdem im Koma.

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Der Unfall

Ein kurzer Drift in die Vergangenheit: Seit diesem Tag ist alles anders.

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Und sonst? 

Als wäre nichts gewesen, produziert Meik Welby Filme in Serie. Seine wöchentliche Rubrik heißt „Welby´s Welt“.
Das dazugehörige Regionalmagazin heißt „NRWir“. Der Sender heißt „Der Sender“.

Wäre doch nur alles so einfach wie dieser letzte Satz.

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Im Fahrstuhl

Im Fahrstuhl trifft Welby seine Chefin. Ein unschönes Geräusch sorgt für Gesprächsstoff.

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Es herrscht Alarmstufe rot: Seit einiger Zeit laufen dem Sender die Zuschauer weg. Die Chefetage will diesen Trend natürlich stoppen - und zwar mit aller Gewalt. Also: Schluss mit lustig!

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Die Konferenz

Die Einschaltquote ist wieder eine Katastrophe. Die Chefin kennt den Schuldigen: Meik Welby!

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Dr. Frauke Herr: Wie der Name schon sagt - Mannweib!

Redaktionsleiterin: 
Das klingt nicht besonders furchteinflößend. Aber was heißt das schon:
Googeln Sie mal „little boy“. 

42 Jahre:
So lange ist es her, dass ihre sadistische Karriere begann. Ihre Mutter gebar sie unter Schmerzen. 


Verheiratet:
Absolut, und zwar mit Herrmann. Er siezt sie und trägt Halsband - aber nur Zuhause. 


Kinder:
Nicht nötig - sie züchtigt ihren Mann. Und die Redaktion. 

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Und sonst?
Aufgewachsen ist Frauke Herr auf einem Bauernhof in der Eifel. Dort fand sie schon früh Gefallen daran,  überschüssige Katzenwelpen gegen die Stalltür zu wemmsen -  in der Eifel nennt man das „Familienplanung“. Die kleine Frauke wusste schon sehr früh, wie es am meisten Spaß macht: Man darf nicht zu fest werfen, sonst ist das Kätzchen sofort tot und kann nicht lange leiden.

Mit 19 sorgte Frauke für Furore, weil sie als erste Frau im Dorf beim sogenannten „Hahneköppen“ teilnahm - und gewann. Mit 21 wurde sie Zeitsoldatin. Mit 31 wurde sie unehrenhaft entlassen, angeblich wegen psychischer Grausamkeit gegenüber Schutzbefohlenen - was natürlich so nicht stimmt: es war auch physische Grausamkeit dabei. 

Ihre journalistische Karriere im Sender begann als SM-Redakteurin - leider ging es nur um Social Media. Heute lebt sie in Dortmund und wie jeder echte Kerl steht sie auf Fußball. Sie hat eine Dauerkarte für die Südtribüne - allerdings in der Münchner Allianz-Arena. Sie ist Fan des FC Bayern München. Auch deshalb ist sie unbeliebt. Egal: Sie möchte nicht gemocht werden. Sie will dominieren. Deshalb FCB!

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Die letzte Chance

Welby ist eigentlich geliefert. Seine Karriere: ein Trümmerhaufen! Wäre da nicht dieser Brief ...

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Jetzt würde jeder rechtschaffende Medienvertreter  einmal müde lächeln und nicht zweimal drüber nachdenken. Ein solcher Gutmensch ist Klaus Huber. Er ist festangestellter Kameramann und hauptamtlicher Bedenkenträger.
Er ist auch Welbys Freund - aber nur außerhalb des Senders. Und jetzt ist er im Dienst.

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Erpressung!

Huber ist mal wieder außer sich, doch Welby ist sich sicher: Ein derart unmoralisches Angebot kann er nicht ablehnen!

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Thomas Müller: Schon der Name ist absoluter Durchschnitt. Allein in Deutschland gibt es 50.000 Thomas Müllers. Thomas Müller ist also nichts besonderes. Der Name passt wie Arsch auf Eimer. 
                          
Diplom-Ingenieur: Arbeitet in der Normierungs-Industrie. Durchschnittlich begabt. Mittlere Gehaltsklasse: 2922 Euro netto. 

30
Jahre hat er noch vor sich. Der Durchschnittsdeutsche wird 77 Jahre alt. 

Verliebt, verlobt, verheiratet: Normalerweise weder-noch-noch. Also noch nie und nie mehr.

1, 39 Kinder müsste er statistisch gesehen haben. Schwierig.

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Und sonst?
Sonst nichts. Und das ist das Problem.
Thomas Müller will einmal im Leben
etwas Besonderes sein.
Deshalb der Brief. 
Deshalb auch das Vorgespräch.

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Das Vorgespräch

Welbys Besuch bei Thomas Müller verläuft durchschnittlich katastrophal. 

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Klaus Huber war ja sowieso dagegen. Unter Protest hat er Welby zu diesem Vorgespräch gefahren.

Seit dem Unfall vor vier Jahren saß Welby nie wieder selbst am Steuer: Er hat panische Angst davor, noch mehr Schuld auf sich zu laden. Huber hat dafür Verständnis: Hätte er seine Frau ins Koma bugsiert - er wäre sicherlich auch seltsam geworden.

Wie dem auch sei: Er wartet jetzt seit einer Stunde.

Ist das langweilig ...

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P-P-Probleme

Erst geht es um Müller, dann um Welbys Frau. Beide Themen sind äußerst problematisch. 

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Donnerstagabend, 21 Uhr 30.
Schweigen. Stille. Atmen. Alles ist wie immer. Pe liegt da wie tot und rührt sich nicht.  Wachkoma, genau 1642 Tage nach dem verhängnisvollen Unfall.

Welby sitzt am Fußende ihres Bettes. Sinnlos solidarisch bewegt er sich so wenig wie möglich.
Pes Zustand macht ihm mehr und mehr zu schaffen. Er spürt, wie seine Psyche bröckelt. Mit Erschrecken stellt er fest, dass seine Hoffnung langsam schwindet. Und ohne Hoffnung kann er nicht leben. Er muss aber. Oder: Er sollte zumindest - falls ihr Zustand sich noch ändert. Falls es doch noch passiert.

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Es passiert aber nichts. Alles ist wie immer: Schweigen. Stille. Atmen. Wenn er hier an ihrem Bett sitzt, fühlt er sich auch selbst schon fast wie tot. Damit irgendwie Leben in die Bude kommt, steht Welby auf und streichelt zärtlich ihre Wange. Dann nimmt er vorsichtig ihre Hand und führt sie langsam in die Höhe - drei mal rauf, drei mal runter, erst die rechte, dann die linke: Koma-Gymnastik. Doktor Hoppe sagt, es könne nicht schaden, „die Patientin hin und wieder zu mobilisieren.“

 Mit dem elektrisch regulierbaren Kopfteil des Bettes mobilisiert er jetzt ihren Rumpf. Pfeil nach oben - Srrrrrrrrrrr - langsam richtet Pe sich auf. Pfeil nach unten - Srrrrrrrrr - und Pe lässt sich langsam wieder nieder. Anfangs fand Welby diese Übung schrecklich - er fühlte sich wie Frankenstein: Man drückt auf den  Knopf und ein Körper bewegt sich - wie eine Maschine, ohne jede Anmut, leblos, ferngesteuert und gespenstisch. Mittlerweile ist die Übung längst Routine, und das Surren des Elektromotors klingt angenehm vertraut.

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Rauf - Srrrr - runter - Srrrr - rauf - Srrrr.  Welby lauscht: Der Elektromotor klingt höher, wenn das Kopfteil sich aufstellt. Wenn es sich senkt, wird das Surren tiefer. Rauf - Srrrr - runter - Srrrr. Welby wird albern: Drei mal kurz rauf, einmal lang runter -  das klingt wie Beethovens Fünfte! Srrr - srrr - srrr - Srrrrrrrrrr.  Welby lacht leise vor sich hin. Hoch - hoch - hoch - Tiiiiiief - die Schicksals-Sinfonie ...
Pe lässt es über sich ergehen. Was soll sie auch machen? 
Hoch - hoch - ho ... Welby hält inne. Er kratzt sich an der Wange und wirkt plötzlich hochkonzentriert. 

 „Das ist es“, murmelt er leise vor sich hin. Er lehnt sich über das Bett und umfasst mit beiden Händen vorsichtig ihren Kopf. „Pe, das ist es!“, sagt er jetzt lauter. „Ich danke dir, mein Schatz! Ich muss jetzt los, ich muss noch mal telefonieren ...“ Er gibt ihr einen innigen Kuss auf die Wange und ist schon auf dem Weg zur Tür, als er stutzt, sich umdreht und zurück kommt. Pe sitzt noch immer halb aufrecht im Bett. „Srrrrrrrrrrrrr.“ Um es symbolisch zu sagen: Welby würde Pe niemals sitzenlassen. Auch das ist so wie immer. 

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Telefon!

Welby hat eine Idee und ein Handy. Und Thomas Müller eine spektakuläre Geschichte! 

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Der Tag beginnt irgendwie unvollständig: Huber steht ganz alleine auf dem Funkhaus-Parkplatz. Er schaut auf die Uhr: Zwei Minuten nach - um zehn Uhr war eigentlich Abfahrt. Erfahrungsgemäß kommt Frida in einer Viertelstunde angerannt und sagt „Sorry, Leute!“ - doch für „Leute“ fehlt Huber der Kollege: Wo ist Welby?

Hubers Handy fiept. Auf dem Display erscheint eine SMS: „Komme direkt zum Drehort. Welby.“ Huber wartet noch genau 13 Minuten. Dann kommt Frida angerannt, „Sorry Leute!“, Abfahrt.

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Das feuerrote Filmmobil

Man nehme: einen Ferrari, einen Müller und etwas Phantasie. Was dabei rauskommt? Ein Film! 

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Klaus Huber begann seine Karriere beim Sender vor über 20 Jahren - und zwar als Schüler-Praktikant. An seinem ersten Tag schickte ihn der Chef in den Keller, "um den Farbbalken zu holen."
Das war natürlich ein Spaß - zumindest für den Großteil der Kollegen. Der kleine Klaus hat damals stundenlang gesucht. Und je länger er gesucht hat, desto länger wurde er hinterher dafür ausgelacht.

Seitdem bekommt Klaus Huber schlechte Laune, wenn er nur "Farbbalken" hört. Wenn er aber freiwillig "Farbbalken" sagt, ist die Kacke wahrscheinlich so richtig am Dampfen. 

Und davon machen wir uns jetzt mal ein Bild:

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Die Anklage

Huber rezitiert das Strafgesetzbuch. Welby nimmt es nicht persönlich.

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Müller gibt Gas!

Müller am Steuer: Kein Knüller sondern ungeheuer
unfähig ...

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Zu Frida muss man wissen: Lange gab es in ihrem Leben nur einen einzigen Mann, und das war Roy Black. "Ganz in Weiß" war jahrelang der Soundtrack ihrer kühnsten Träume. Sie war sich sicher: Dieses Lied hat er nur für sie gesungen.   

Vor vierzehn Tagen aber änderte sich alles: Sie heuerte beim Sender an, und Meik Welby trat in ihr Leben. Es war sofort um sie geschehen. Die Liebe ist nun mal ein seltsames Spiel, das wusste auch schon Connie Francis - die Frida übrigens auch sehr verehrt. Doch die schönste Stimme der Welt ist für Frida die da:

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Promi-Alarm!

Nach dem Aufsager macht ein waschechter Formel-1-Rennfahrer einen Boxenstopp in Welbys Welt.

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Stunden später, als sich die Sonne über dem Ruhrgebiet glutrot und romantisch auf den Weg macht Richtung unter Tage, da erreichen unsere Helden den Funkhaus-Parkplatz in Duisburg. Nun trennen sich die Wege - zumindest bis auf Weiteres. Zum Verlauf des Abends nur so viel: Frida verbringt die Nacht mit ihrem Welby, Huber mit seiner Sabine.

Warum auch nicht? Das ist reine Privatsache - das geht uns gar nichts an.

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Romantisch!

Welby und Frida, wie sie vorher keiner sah!

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Halb zehn. Welby und Frida schließen ihre Haustüren auf. Da ist keiner, der sie erwartet.

Frida legt Hubers Schlüsselbund auf die Kommode. Er hatte ihn im Teamwagen vergessen. Sie war gerade noch bei ihm gewesen und wollte ihm die Schlüssel geben - falls er zuhause nicht reinkommt. Er war aber drin und irgendwie kam sie wohl ungelegen. 


Welby wirft seinen Schlüssel auf den Küchentisch. Es scheppert. Danach: Stille und Schweigen. So klingt sein Problem. Es verfolgt ihn gnadenlos und lässt ihm keine Ruhe. Stille. Schweigen. Wie lange kann er das noch ertragen? 


Frida nimmt ein zusammengerolltes Poster aus ihrem Rucksack. Sie hat es vorhin abgeholt, in dem Fotogeschäft bei Huber um die Ecke, 60 mal 40, seidenmatt, farbveredelt. Sie wird es sich übers Bett hängen, neben das Bild von Roy Black.
 "Sorry, Roy", flüstert sie und lächelt. 

Sie wird ihm heute untreu werden.

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Wie immer war Welby noch im Krankenhaus. Er hatte mit Doktor Hoppe gesprochen. Natürlich ging es um Pe: „Ihr Zustand ist unverändert. Und so wird es auch bleiben - bis ... tja, bis zum Schluss.“ Hoppe war ehrlich. 
„Aber ...“
„Herr Welby, bitte! Machen wir uns nichts vor!“

Doch. Welby macht sich etwas vor. Er muss sich etwas vormachen, schließlich will er durchhalten. Falls Pe irgendwann den Weg zurück ins Leben findet, dann wird sie ihn brauchen. Dann wird er für sie da sein - das hat er sich und ihr versprochen! Deshalb braucht er Hoffnung. Und deshalb macht er sich hin und wieder einfach etwas vor. 
 
Heute zum Beispiel macht er sich vor, sie käme gleich nach Hause. Er spielt es durch - als wäre es Theater. Welby stellt sich vor, sie habe vorhin angerufen: „Schatz, es dauert noch `n bisschen länger im Büro, aber ich beeil´ mich!“

Welby wartet nicht gerne. Also vertreibt er sich die Zeit mit einem Liebesbeweis: Er kocht für sie. Es gibt Chicken Gumbo, ihr Lieblingsessen. 

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Frida hat noch immer die Posterrolle in der Hand. Sie singt leise vor sich hin, als sie den Klebestreifen löst. 
„Ob die Sone scheint, 
ob der Himmel weint,
lass mich nah dir sein.“

Sie zieht die Rolle langsam auseinander. Ihr Posterboy im Überblick: Keine Frisur, Schnauzbart, Zahnprothese. 

„Kann ich Dich nicht seh'n,
weiß ich nicht mehr für wen
sich noch die Zeiger dreh'n.“

Frida versinkt in Welbys Augen. Sein Blick ist seidenmatt und farbveredelt.  

„Jeder Tag ist leer, der Himmel tränenschwer.
 Lass mich nie allein, lass mich bei dir sein.“

Hätte Frida jetzt drei Wünsche frei, dann in dieser Reihenfolge:

1. Der Müller-Film wird super.
2. Welby löst die Wette ein.
3. Und zwar mit Zunge. 

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Um kurz vor halb elf hat Welby die Hühnchenbrust angebraten und lässt sie jetzt auf kleiner Flamme garen. Er deckt den Tisch für zwei, zündet eine Kerze an und krönt das Arrangement mit einer Vase voller Rosen. Er hat sie vorhin an der Tankstelle gekauft - wenn schon, denn schon. Er stellt sich vor, wie sie sich freut, wenn sie das sieht.  Aus dem Keller holt er eine gute Flasche Wein. Dann röstet er das Gemüse und brät den Reis kurz an. Er löscht die Beilagen mit der Hühnerbrühe ab und genehmigt sich ein Gläschen. Er gibt Tomatenmark und ein Lorbeerblatt in die Pfanne und lässt alles zusammen noch 20 Minuten ziehen. Wenn Pe um kurz nach elf nach Hause käme, wäre das Timing optimal.

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Frida hängt das Poster also über ihr Bett. Nichts gegen Roy Black, doch der Mann ihres Herzens ist neuerdings Meik Welby. Das Motiv ist ein Screenshot aus dem letzten Film: Welby mit strahlend weißen Zähnen, das Mikro in der Hand, in seiner weltmännischen „Jetzt-machen-wir-ma-schnell- noch-den-Aufsager“ -Pose. Frauen lieben souveräne Männer. Frida weiß von Huber, dass Welby zwar eine Frau hat, aber - da wollte Huber nicht ins Detail gehen - angeblich lebt er getrennt. Ist das ihre Chance? Darf sie hoffen?

Frida würde es nie wagen, Welby zu fragen. Aber eine geheime Schwärmerei wird ja wohl erlaubt sein!
“Beiß nicht gleich in jeden Apfel!“, hat Wenke Myhre mal gesungen. Aber erstens hatte Frida schon lange nichts mehr zum Beißen, und zweitens findet sie den blonden Apfel mit Schnauzbart ganz besonders süß. Sie schließt die Augen: „Danke, Frida ... Schmitz!“, hat er letzte Woche gesagt, als sie ganz nah bei ihm stand und mit dem Ansteckmikro seinen Körper berührte. Er hatte da so ein Funkeln in den Augen ...

Seitdem ist es ihr rosenbergig klar: „Er gehört zu mir!“

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Kurz nach halb zwölf. Welby ist satt und alleine. Die „Was-wäre-wenn-Show“ ist vorbei. Auf dem Teller gegenüber wird Pes Portion langsam kalt. Welby muss es akzeptieren: Pe schläft auch heute wieder auswärts.

Er legt seine Serviette auf den Teller. Es ist, wie es immer ist. Und nur scheinbar war es ganz kurz anders. Doch das war es ihm wert. Es gab da ein paar kostbare Momente in den vergangenen zwei Stunden, da hat er es geglaubt: Sie käme bald nach Hause und alles wäre so wie früher. 
 
Er räumt ab. Die Requisiten seines Selbstbetruges verschwinden in der Spülmaschine, in der Biotonne und im Ausguss. Er spürt, dass sich um ihn herum etwas Diffuses verändert. Er kennt das schon: Die Einsamkeit macht sich jetzt breit. Er hat ihr nichts entgegenzusetzen. Seine Stimmung kippt ins Dunkelgraue. Jetzt, wo er aufgeräumt hat mit all den Illusionen, fühlt er sich wie Restmüll.  So kann es nicht weitergehen. Wie aber dann? Sollte er aufhören, zu hoffen? Sollte er anfangen, ganz für sich allein zu leben? Doktor Hoppe würde ihm dazu sicher raten. Es wäre wahrscheinlich gesünder.

Auf dem Tisch steht noch das Rotweinglas von Pe. Er trinkt es aus. Nun ist nichts mehr von ihr übrig. 

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Frida liegt im Bett.
Sie hört Musik und schmachtet
Richtung Poster. Nach einem
langen gemeinsamen Arbeitstag
verbringt sie nun die erste
Nacht mit ihm - zumindest in
gewisser Weise. Es könnte so 
schön sein! Sie gibt Welby 
einen Handkuss.





Roland Kaiser gibt ihr den Rest:

„Dich zu lieben, dich berühren,
mein Verlangen, dich zu spüren,
deine Wärme, deine Nähe,
weckt die Sehnsucht in mir
auf ein Leben mit dir.“

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Viertel vor zwölf. Welby liegt angeschickert  auf dem Sofa und hört Radio.
 „It´s been seven hours and fifteen days, 
since you took your love away ...“

„Nothing compares to U“ - ein Song über einen besonderen Menschen. Welby denkt an Pe. Dann denkt Welby an einen nicht besonderen Menschen - an Thomas Müller. Die Gedanken wandern weiter, und plötzlich kommt ihm Frida in den Sinn. Meint sie das wirklich ernst mit dem Kuss? Er hat schon lange nicht mehr geküsst. Um genau zu sein, vier Jahre, sechs Monate, drei Wochen und einen Tag.

Sinead O`Connor kommt zum Refrain:

„But nothing can´t take away this blues.
`Cause nothing compares to you ...“

Es ist ein gefährlicher Song, wenn man beschwipst und einsam ist. Man läuft dann Gefahr, über die Liebe nachzudenken. Welby weiß das.

„Frida, Frida ...“, murmelt er und grübelt. Warum  Frida? Mit Liebe hat das nichts zu tun, so viel steht fest. Schließlich verbindet ihn mit Frida vor allem der Beruf. Aber: Sie könnte ihm vielleicht helfen ... 


„I went to the doctor and guess what he told me
?
He said: Girl you better try to have fun,
no matter what you`ll do ...“ 

Welby ersetzt das Girl durch einen Boy und denkt an etwas, das ihm mit Frida Spaß machen würde. Es ist wieder so ein „Was-wäre-wenn“-Ding, aber diesmal ganz real. Was wäre, wenn er Frida einfach fragen würde ...?
Welby kratzt sich an der Wange und dann geht es ganz schnell. Es ist eher ein Impuls als eine bewusste Entscheidung. Er steht auf und geht zum Telefon. Er ist sich hundertprozentig sicher, das Richtige zu tun. Er wählt ihre Handy-Nummer. „Tuuuuut.“ 

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„Rrrring!“ Fridas Handy klingelt, als sie sich die Zähne putzt. Sie schaut auf das Display und traut ihren Augen kaum: das ist seine Nummer! Um diese Zeit? Warum? Sollte er tatsächlich ...?

In Sekundenbruchteilen läuft ein Telenovela-artiger Film in ihrem Kopfkino ab. Fühlt er am Ende doch wie sie? Ist das der Moment, den man sonst nur aus dem Fernsehen kennt? Will Welby sich nun offenbaren? Und ausgerechnet jetzt hat sie Zahnpasta am Mund! Sie spuckt den Schaum ins Becken und merkt, wie die Gedanken rasen. Genau so hat sie es sich immer vorgestellt: Ein Anruf, ein Geständnis und ein Angebot: „Komm unter meine Decke!“ Gunter Gabriel war übrigens noch nie ihr Typ.

Das zweite Klingeln klingt in Fridas Ohren fast schon ungeduldig. Ja, doch, sofort - Geduld Geliebter! Auch sie kann es doch kaum erwarten! Noch vor dem dritten Klingeln nimmt sie ab. 

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Sehr gut! Sie ist tatsächlich noch wach! Als Welby ihre Stimme hört, ist er überrascht: Sie klingt anders als sonst - aufgeregt und unsicher.

„Frida Schmitz, hallo?“ 
„Hallo Frida, Welby hier.“ Er räuspert sich. "Sorry für die späte Störung.“ 

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Frida könnte schreien vor Glück, verlegt das im Geiste aber auf später. Bei ihr? Bei ihm? Wo auch immer!

„Nein, du störst überhaupt nicht. Was kann ich für dich tun?“ Es ist eine Steilvorlage. Sie will es ihm leicht machen. Vielleicht ist er ja genauso nervös wie sie - auch wenn er nicht so klingt. 

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Welby redet nicht lange drum herum.
„Frida, ich brauche Dich!“

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Schnitteinander

Welby lässt die Hosen runter! Also: Im übertragenen Sinne. Huber ist natürlich alles andere als begeistert. 

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„Uhh, ich spür deinen *******, Hubsi, jaaa, **** mich, **** mich, **** mich!“

Was für ein obszönes Geschwätz! Wie er das hasst, wenn sie sich "lieben"!
Sabine sitzt auf ihm und hat mal wieder jede Menge Text. Warum muss sie dabei die ganze Zeit reden? Und wer hat ihr gesagt, dass Männer beim Sex so etwas hören wollen? Das ist doch ... Er sucht nach dem richtigen Wort, während er tut, was getan werden muss. Lächerlich! Ja, es ist ganz einfach lächerlich. 


„O, jaaaah Hubsi, das ist so ****, wenn du meine ****** ******!“

„Sabine?“
„Uhh, jaaaa!“ Sie lässt sich nicht stören.
„Nenn mich nicht Hubsi! Und außerdem ...“ Weiter kommt er nicht - Sabine grätscht dazwischen. „Huuuuubsiiii, **** mich fester, du machst mich so *********! Ja-ja-ja-mh-mh!“

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Huber ergibt sich seinem Schicksal. Es ist der erste Freitag im Monat. Weil die kleine Marie heute wieder mal bei ihrer Oma schläft, haben Mama und Papa sturmfreie Bude. Immer am ersten Freitag im Monat muss Huber also ran. Das ist die Abmachung.

Für Sabine ist es ein tief empfundenes Bedürfnis, für ihn eher nicht. Sie weiß es. Er weiß es. Sie weiß, dass er es weiß. Trotzdem haben sie noch nie darüber gesprochen. Wenn Huber einmal damit anfangen würde, dann müsste er ihr alles sagen. 
Er müsste ihr erzählen, dass er an jedem ersten Freitag im Monat auf dem Weg nach Hause dieses blaue Ding einwirft. Wo kein Wille, hilft die Pille  - und auf Kommando steht er stramm.

Huber ist das alles zu viel: das Kerzenlicht, die Lavalampe und der Bolero von Ravel. Und das ganze Gebrabbel und Gestöhne, und was Sabine sonst noch für erotisch hält. 

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Sie wirft jetzt ihren Kopf zurück
und greift sich mit beiden Händen
in die Haare. „Huuuubsssiiii!“

Huber seufzt, was Sabine missversteht:
Sie glaubt, er würde es genießen,
und das macht sie noch gesprächiger:

„Jaaa, ich spür deinen ******* *******
 in meiner ********* ******!“

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Es klingelt an der Tür. Ausgerechnet jetzt! Ist das gut oder schlecht? Huber überlegt: Schlecht wäre es, wenn Oma und Marie jetzt vor der Türe stehen und zuhören.

"Mhhh - ahh - Hubsi, du ******** *******!" 

Es klingelt ein zweites Mal. Gut wäre es, wenn Sabine jetzt einfach aufhören würde.

„Ohhhhh-jjjjaaaah!“ 

Es klingelt ein drittes Mal, und Sabine macht weiter. Sie schließt die Augen und öffnet den Mund.
„Psssst“, zischt Huber, doch zu spät. 
 „Ich kommeeeeee, ja-ja-ja, ich kommeeee ... Hubsiiiiiiii!“ Sie schreit, dass sich die Balken biegen, dann stöhnt sie noch ein letztes Mal bedeutungsschwanger auf und sinkt dann auf ihn nieder.

Wer auch immer vor der Türe stand, hat jetzt die Flucht ergriffen. Es hat sich ausgeklingelt.

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Auch Huber hat genug. Mehr noch: Er hat definitiv die Faxen dicke. Was zu viel ist, ist zu viel! Also: Raus damit! „Sorry, Sabine, aber ich hab´echt keinen Bock mehr auf diese Pornoscheiße!“
Sabine, eben noch im siebten Himmel, fällt aus allen Wolken. „Was ... was hast du gesagt? Pornoscheiße?“
„Richtig. Pornoscheiße.“ Huber nutzt den Mut des Augenblicks und legt sofort nach: „Ich mein: Was glaubst du, wer du bist? Gina Wild, oder was?“
„Aber ...“ 
„Nur zur Info: Es hat geklingelt. Da stand jemand vor der Tür und du machst hier auf Hardcore-Sternchen.“ Sie schaut ihn entgeistert an. „Ich hab nix gehört.“ Huber schnaubt und schimpft: „Du schreist hier die ganze Zeit so`n loses Zeug durch die Gegend! Echt jetzt: Das macht man doch nicht! Das ist total ... billig!“ Jetzt erst ist Huber erregt: „Wenn ich das schon hör: `Jaaaa, ich spür deinen ******* *******!´“ Allein schon das Zitat kostet ihn Überwindung. „Wenn du solche Sachen sagst, das ... das finde ich furchtbar!“ 



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Sabine hat sich gefangen. Pikiert lacht sie auf.
„Was soll das jetzt, Klaus Huber? Diese Pornoscheiße törnt dich ja wohl an. Du hattest doch`n Riesen-Rohr!“  
„Das ist kein Riesen-Rohr!“ Huber senkt den Blick.
„Das is´ n Pillemann.“ 
„N´ Pillemann?“ 
„Richtig. N´ Pille-Mann. N´ Potenz-Pille-Mann.
Ohne Potenz-Pille geht da gar nix! Sabine, ich ... ich hab einfach keine Lust auf den blöden ersten Freitag im Monat. Noch nie gehabt. So isses nun mal: Ich hab einfach keine Lust! Ich mach`s aber trotzdem - dir zuliebe.“

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Sabine ist sprachlos und lässt das alles auf sich wirken. Wie sie da so sitzt, so nackt und schockiert, tut sie Huber jetzt leid. Er wollte sie nicht kränken. Er wollte doch nur ehrlich sein.
„Sabine, versteh mich nicht falsch, aber das ist eben einfach nicht mein Ding!“ Er streichelt ihren Rücken. 
Bitte nimm das nicht persönlich!“

Starker Satz in diesem Kontext. 

„Und  ... Sabine?“
„Was denn noch?“
„Nenn´ mich nie wieder Hubsi.“

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Halbwahrheiten

Huber muss Welby was sagen. Es wird die Beichte seines Lebens - wenn nichts dazwischen kommt. 

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Thomas Müller ist jetzt also filmreif. 
Meik Welby ist erschöpft und glücklich.
Klaus Huber ist genervt und hat Hunger.
Frida Schmitz spürt schon ihre Lippen kribbeln.
Der Film ist nämlich super! 

Sehen Sie selbst:

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Film ab!

Und das kommt dabei raus:

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Showdown!

Quote oder Tote: der Augenblick der Wahrheit ist gekommen. Die Chefin bittet zum Rapport.

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