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Los geht's

VR in der Wissenschaft

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Der Hype um Virtual Reality-Anwendungen (VR) ist groß. Die Porno-Industrie wittert ungeahnte Umsätze, die Gamer genießen es, noch tiefer in ihre Spiele-Welt abtauchen zu können. Ist das alles nur Spiel? Nicht nur. VR ist auch für die Wissenschaft interessant und kann Patienten zugute kommen. Außerdem beschäftigen sich Wissenschaftler auch mit möglichen Gefahren der Technologie.

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Stephan de la Rosa, Psychologe am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen

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Inzwischen ist es gar nicht mehr so schwer, auf eine virtuelle Reise zu gehen: Am einfachsten ist es mit einem VR-fähigen Smartphone, das in einer VR-Brille befestigt wird - ein so genannter HMD, Head Mounted Display. Mit Controllern, die man in der Hand hält, kann man sich durch unterschiedliche Anwendungen navigieren. Die VR-Umgebung ist - anders als ein herkömmlicher Bildschirm - dreidimensional. User können sich also in dieser Welt bewegen, nach rechts. links, oben oder unten schauen.  

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Solche virtuellen Welten funktionieren auf unterschiedliche Weise: Sie dienen den Forschern als Tool, um an Erkenntnisse zu gelangen. Sie helfen, Inhalte zu vermitteln - beispielsweise an Schüler und Studenten. Aber sie helfen auch bei der Therapie von Krankheiten.

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Stephan de la Rosa erklärt Anwendungsgebiete der VR-Therapie

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Psychologe de la Rosa erklärt, warum ihn die Technologie so fasziniert

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Ein Beispiel: Auf einer virtuellen Reise durch den menschlichen Verdauungstrakt lernen Schüler mit VR-Brille, was an welchen Stellen mit der Nahrung passiert. Und das geschieht interaktiv: Zwischendurch müssen sie Fragen beantworten. Das könnte eine Möglichkeit sein, um vor allem Technik-affine Jugendliche auch für wissenschaftliche Inhalte zu begeistern.

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Echte Gefühle und Empathie

Avatar hochkant
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Virtuelle Realitäten ermöglichen uns Menschen eine "authentische Erfahrung", so beschreibt es der Computerexperte Mel Slater, Professor an der Uni in Barcelona und einer der VR-Pioniere in Europa. In diesen Welten "können wir Dinge tun, die wir in der realen Welt nicht können".

Möglicher Einsatz: Suchterkrankungen

Das gilt auch für die Behandlung von Patienten. Vielversprechend sind die bisherigen Ergebnissen bei VR-gestützter Behandlung von Suchtkranken, wie der Psychologe Andreas Mühlberger von der Uni Regensburg erklärt: "Risikosituationen, denen beispielsweise ein trockener Alkoholiker ausgesetzt ist, kann man üben: Etwa in eine (virtuelle) Kneipe zu gehen und eben keinen Alkohol zu trinken." Man könne die Patienten der Situation aussetzen, in der normalerweise das "Craving" nach der Droge besonders stark ist - "übt dann aber neue Verhaltensweisen ein in der virtuellen Realität".

Chirurgen lernen in der Ausbildung virtuelle Operationen. Schüler begeben sich auf eine virtuelle Reise durch den Körper, um sich die Funktion unseres Verdauungssystems besser einzuprägen. Piloten trainieren Flüge, Menschen reisen an unbekannte Orte.

VR beeinflusst unsere Wahrnehmung

Wir können aber in der VR ganz anders sein, in einen anderen Körper schlüpfen - einen so genannten Avatar, der uns ähnlich sehen kann, aber nicht muss. Studien haben ergeben, dass Menschen in der echten Welt ihre Vorurteile verringern, wenn sie in VR-Umgebung einen Körper mit anderer Hautfarbe hatten. War ihr Avatar deutlich älter und hatte mit den alterstypischen Gebrechen zu kämpfen, waren sie in der Realität eher bereit, in ihre Altersversorgung zu investieren. Daher wird VR auch als "Empathie-Maschine" bezeichnet.


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Das funktioniert, weil virtuelle Umgebungen uns eintauchen lassen in die künstlich erschaffene, andere Welt. Brille auf Kopfhörer auf - fertig. Experten nennen dieses Eintauchen Immersion. Das funktioniert - auch wenn wir wissen, dass wir eine Brille aufhaben und Teil einer eigentlich nicht "echten" Szene sind. 

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Katrin Giel, Professorin für die Psychobiologie des Essverhaltens an der Uniklinik Tübingen

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Studien-Teilnehmerin Hannah, 21, beschreibt ihre Erfahrungen

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Das Ergebnis der Studie: Die Patientinnen schätzen ihren Körper durchaus richtig ein, sie haben also keine Probleme mit der Körperwahrnehmung. Aber: Die Studie hat auch gezeigt, dass die Anorexie-Patientinnen sehr dünne Avatare als ihre Wunsch-Körper ausgewählt haben. "Das ist natürlich problematisch - denn wenn man die Krankheit überwinden will, muss man Gewicht zunehmen", erklärt Projektleiterin Katrin Giel.

VR könnte auch sinnvoll bei der Therapie von Essstörungen sein, betont Giel: "Vor allem wenn Patientinnen ihrem Körper gegenüber negativ eingestellt sind, kann man in der virtuellen Realität mit der Bandbreite von Körpergrößen, Proportionen und Body-Mass-Index spielen." Das sei in der Therapie hilfreich, um den Körper nicht direkt zu bewerten.




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Virtual Reality hat viele Anwendungsmöglichkeiten, die weit über das Spielen hinausgehen. Was aber geschieht, wenn immer mehr Menschen sich immer öfter und immer länger eine Brille aufsetzen und in virtuellen Welten unterwegs sind? Verändert das auch unsere Persönlichkeit? Und welche Auswirkungen hat das auf unsere Gesellschaft? Die Technologie birgt Chancen und Risiken.

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Virtuelle Realität ist eine Bewusstseinstechnologie, in der wir ganzheitliche Erlebnisse erfahren wollen. Das birgt Risiken, warnt der Mainzer Philosoph Thomas Metzinger: "Wenn wir die Einheit der Identifikation, also das, was wir früher 'das Selbst' genannt haben, technologisch manipulieren können, kann das sehr tiefe Veränderungen in unserem Gehirn zur Folge haben", warnt er. Welche Risiken darin liegen, wisse derzeit niemand so genau.  

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Philosoph Metzinger warnt vor Veränderungen unseres Realitätsgefühls

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Daher plädiert Philosoph Thomas Metzinger für einen vorsichtigen Umgang mit VR. Denn zu viel Online-Zeit könne Kommunikationsstrukturen zerstören. "Aufmerksamkeit ist eine begrenzte Ressource", warnt er. Gerade Kinder und Jugendliche müssten lernen, zu entdecken, wann Medienkonsum nicht mehr gut tut - auch wenn viele Inhalte grundsätzlich positiv und gut sind. Verbannen will Metzinger die Technik nicht, er sieht sich auch nicht als Technik-Feind.

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Philosoph Thomas Metzinger

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"Ob und wie diese Technologie das Gehirn beeinflusst, lässt sich bisher kaum sagen", betont auch der Informatiker und VR-Experte Frank Steinicke von der Uni Hamburg. Noch ist es möglich, zwischen realer und virtueller Welt zu unterscheiden, wenn man einen HMD auf dem Kopf hat. Es werde aber wohl nur noch wenige Jahre dauern, bis die Technik so gut ist, dass man nicht mehr zwischen Computeranimation und Video unterscheiden kann, meint Steinicke. Auch Kommunikation wird sich verändern: Bei immersiver Kommunikation in VR werden wir künftig immer stärker den Eindruck haben, im gleichen Raum mit anderen Avataren zu sein. Aber ersetzt das den persönlichen Kontakt? 

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Thomas Metzinger sieht auch eine Chance für die reale Welt.

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Können wir künftig noch zwischen echter und virtueller Welt unterscheiden? Wenn die Technik immer besser, die virtuellen Welten immer realistischer werden, dann, betont VR-Experte Mel Slater von der Universität in Barcelona, "wird der Eindruck der Präsenz in der virtuellen Welt verschwinden" - damit fühlt sich die VR-Umgebung dann so "normal" an wie die echte Welt.

Vermutlich wachse eine Generation heran, so Slater, für die VR-Umgebungen völlig normal werden und dann neben Schauplätzen wie "in der Schule" und "Zuhause" existieren. Virtuelle Welten werden dann vermutlich eigene Verhaltensnormen, Bräuche und Sitten haben. Und es entstehen Mischformen, so genannte Augmented Realities: Teile dessen, was wir sehen und wahrnehmen, ist künstlich, der Rest ist echt. Wie genau das alles aussehen wird, lässt sich derzeit nicht sagen.

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Kapitel 1 Virtual Reality - Die wollen nicht nur spielen!

Zwei  brillen hintergrund blau

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Vr equipment

Virtuelle hand
Kapitel 2 Was macht Virtual Reality für die Wissenschaft interessant?

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Cave gruen
Kapitel 3 Was wissen Wissenschaftler über die Folgen virtuellen Abtauchens?

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Einzelner cave green screen

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Vr brillen viele
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