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Los geht's

Unser Trinkwasser

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Woher kommt eigentlich mein Trinkwasser, wenn ich den Wasserhahn aufdrehe? Und was spielt alles eine Rolle, damit ich es bedenkenlos trinken kann?

Diesen Fragen geht der WDR in einem crossmedialen Special nach. Folgen Sie einfach dem Fluss!

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In Deutschland stehen theoretisch etwa 188 Milliarden Kubikmeter Wasser für die Trinkwasserversorgung zur Verfügung. Das ist deutlich mehr Wasser, als gebraucht wird. Nur etwa fünf Milliarden Kubikmeter werden jedes Jahr tatsächlich als Rohwasser für die öffentliche Wasserversorgung gefördert.

Fünf Rohwasserarten werden dafür genutzt: Grundwasser, Quellwasser, angereichertes Grundwasser, Oberflächenwasser und Uferfiltrat.

In NRW stammen nur 44 Prozent des Rohwassers, das zur Trinkwasserversorgung genutzt wird, aus dem Grundwasser. Weniger als im Bundesdurchschnitt.


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"Sehr viel Wasser aus den Talsperren"

Professor Lothar Scheuer, wasserpolitischer Sprecher beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), über die Anteile des Rohwassers in NRW.

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Im Bundesdurchschnitt werden 61,1 Prozent des Rohwassers dem Grundwasser entnommen.

Zwischen 1990 und 2010 ist die jährliche Wasserförderung etwa um ein Viertel zurückgegangen. Heute werden fast zwei Milliarden Kubikmeter Wasser weniger gefördert als noch vor gut 20 Jahren. Zum Vergleich: Das entspricht etwa der Wassermenge, die in jedem Jahr in den Niederlanden gefördert wird.

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Die unterschiedlichen Rohwasserarten weisen unterschiedliche Eigenschaften auf. Wasser, das jahrelang durch Gestein gesickert ist, hat beispielsweise deutlich mehr mineralische Bestandteile als das Wasser in einer Talsperre, die sich aus Flüssen und dem Regenwasser speist.

Die folgende Karte zeigt, welches Rohwasser in welchen Regionen in NRW am häufigsten gefördert wird.

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Als Verbraucher merkt man den Unterschied häufig in der Härte des jeweiligen Wassers.

Die Wasserhärte bezeichnet die Konzentration von Erdalkalimetallen im Wasser - und wird in drei Stufen "weich", "mittel" und "hart" angegeben.

Weiches Wasser stammt dabei häufig aus Oberflächenwasser oder aus Regionen, in denen Basalt-, Gneis- und Granitgestein vorherrschen. Hartes Wasser entsteht hingegen vor allem in Regionen mit Sand- und Kalkstein, durch das Grundwasser sickert und dabei die Mineralien aufnimmt.

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Auch für die Wasserversorger spielt die Herkunft des Rohwassers eine wichtige Rolle.  Denn je nach Rohwasser steigen die Anforderungen an die Wasseraufbereitung.

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Grundwasserförderung in NRW nicht immer möglich

Professor Martin Exner, Leiter des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit an der Universität in Bonn, über die Herkunft des Wassers.

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Durchschnittlich 1,62 Euro kosteten im vergangenen Jahr 1.000 Liter Trinkwasser in Nordrhein-Westfalen. Bundesweit lag der Trinkwasserpreis für einen Kubikmeter bei 1,69 Euro.

Doch die Unterschiede in den einzelnen Regionen sind enorm. Das hat sowohl mit der Struktur der Wasserversorgung in NRW zu tun als auch mit den regionalen Besonderheiten der Wasserförderung.


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Die Trinkwasserversorgung in Nordrhein-Westfalen ist im Landeswassergesetz geregelt. Grundsätzlich ist die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser eine Aufgabe der Kommunen. Die wiederum haben kommunale Unternehmen gegründet oder die Wasservorsorung als Konzessionsgeschäft an Dritte abgegeben.

Je nachdem, welche rechtliche Konstellation dabei vorliegt, müssen Verbraucher eine Gebühr oder einen Preis für Wasser bezahlen. Für alle gilt aber: Die Trinkwasserversorgung darf nicht profitgetrieben sein, sondern die Preise oder Gebühren müssen so kalkuliert sein, dass sie die Kosten der Versorgung decken.

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Innerhalb von NRW sind die Unterschiede enorm. In der Gemeinde Hövelhof zahlten Verbraucher 2013 im Schnitt 62 Cent pro Kubikmeter, in Solingen schlugen mit 2,68 Euro gut vier Mal so viel zu Buche.

Die Angaben des statistischen Landesamtes beziehen sich auf die verbrauchsabhängigen Kosten. Nicht vom Verbrauch abhängige Kosten (z. B. Zählergebühren) sind in diesen Zahlen nicht enthalten.

Teurer ist für den Verbraucher das Abwasser - 2013 im Schnitt 2,59 Euro. In dieser Berechnung hat das statistische Landesamt flächenbezogene Entgelte wie zum Beispiel Niederschlagswassergebühren nicht einbezogen.

Alle Ergebnisse beruhen auf einer Befragung der Unternehmen, die Anlagen der öffentlichen Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung betreiben, beziehungsweise der zuständigen Gemeinden.

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"86 Euro im Schnitt"

Professor Lothar Scheuer zum durchschnittlichen Wasserpreis in Deutschland.

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In den vergangenen Jahren ist der Preis für Trinkwasser weiter angestiegen. Allerdings nicht mehr so schnell wie noch in den 1990er-Jahren. Damals gab es jährliche Steigerungsraten von bis zu elf Prozent. Heute liegt dieser Wert nach Angaben des BDEW im Bundesdurchschnitt bei 0,5 Prozent.

Legt man jährliche Trinkwasserkosten von 86 Euro zu Grunde, dann kostet das Trinkwasser jeden Einwohner in Deutschland pro Tag etwa 24 Cent.

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Der Preis für Trinkwasser berechnet sich nach dem Verbrauchspreis und dem Grundpreis. Gut 80 Prozent der Wasserrechnung werden dabei vom Verbrauch bestimmt - also dem Preis pro Kubikmeter Wasser. Die restlichen 20 Prozent entfallen auf den Grundpreis.

Bei den Wasserversorgern ist dieses Verhältnis genau anders herum. Nur etwa 20 Prozent der Kosten, die beim Versorger entstünden, seien verbrauchsabhängig, sagt der BDEW. Den Großteil der Kosten machen demnach die Unterhaltung des Leitungsnetzes, die Aufbereitung des Wassers und die Förderung des Rohwassers aus - und dabei sei einerlei, wie viel Wasser tatsächlich verbraucht werden.

Geht es nach den Wasserversorgern, soll daher das Verhältnis von Grund- und Verbrauchspreis neu geregelt werden.

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Grundpreis steigt, Verbrauchspreis bleibt stabil

Lothar Scheuer zur aktuellen Preispolitik.

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Seit Jahren sinkt der Verbrauch an Wasser in Deutschland. Etwa 120 Liter werden pro Tag und Person verbraucht - das ist deutlich weniger, als das vor gut 30 Jahren prognostiziert wurde.

Doch das Wassersparen hat nicht nur positive Effekte.

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27 Liter sind es, die in Deutschland heute weniger verbraucht werden, als im Jahr 1990. Die Gründe für den sinkenden Verbrauch sind vor allem die Entwicklung wassersparender Armaturen und Geräte sowie ein verändertes Nutzungsverhalten.

Auch regional gibt es beim Verbrauch große Unterschiede. In Nordrhein-Westfalen sorgen zum Beispiel Pendler und der Tourismus dafür, dass der Durchschnittsverbrauch etwas über dem Bundesschnitt liegt.

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Der sinkende Verbrauch macht nicht zuletzt den Wasserwerken zu schaffen. Denn die Infrastruktur, die für die Gewinnung und den Transport des Wassers nötig ist, bleibt die gleiche - egal ob in NRW pro Nase 124 oder 150 Liter Trinkwasser verbraucht werden.

Die Kosten dafür schlagen sich dann vielfach im Wasserpreis nieder.

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Notfalls wird gespült

Dr. Matthias Schmitt, Rheinenergie Köln, über den schmalen Grat zwischen dem Willen, Wasser nicht zu vergeuden und zu wenig zu verbrauchen.

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Gespült werden müssen zum einen die Wasserleitungen, damit ein Mindestdurchfluss garantiert ist.

Aber geringer Verbrauch führt auch zu Problemen in den Abwasserleitungen. Kommt dort zu wenig Wasser an, verringert sich die Strömungsgeschwindigkeit, die festen Bestandteile des Abwassers können nicht vernünftig abtransportiert werden. Auch hier muss dann mit sauberem Wasser nachgeholfen werden – auch zum Schutz der Gesundheit.

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Hygienerisiken durch Wassersparen

Auch Hygieneprofessor Martin Exner sieht die Euphorie zum Wassersparen kritisch.

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Auf dem Weg zum Verbraucher lauern viele Gefahren für das Trinkwasser: Rückstände aus der Land- und Forstwirtschaft, Keime, Reste von Medikamenten oder sogar Terroranschläge. Ist das Trinkwasser wirklich sicher?

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Abwasser und Hochwasser als Risiko

Professor Exner, Hygieneinstitut Universität Bonn, zum Risiko einer Verunreinigung.

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So wie hier im Wasserwerk Auchel des Aggerverbands wird die Aufbereitung und Verteilung des Trinkwassers ständig überprüft.

Aufbereitet wird Oberflächenwasser aus der Wiehltalsperre. Feststoffe werden ausgefiltert und Mikroorganismen abgetötet, zudem wird das Wasser entsäuert und mit Hilfe von Calciumionen leicht aufgehärtet.

Etwa 300.000 Menschen in Gemeinden zwischen der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz und Meinerzhagen werden anschließend mit diesem Wasser versorgt.

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Risiken für das Wasser lauern aber auch in ländlichen Gebieten, die auf den ersten Blick idyllisch und natürlich erscheinen. Denn Trinkwasser wird häufig dort gewonnen, wo auch die Land- und Forstwirtschaft aktiv sind.

Das funktioniert nicht immer konfliktfrei. Sowohl Wasserwerker als auch Umweltschützer kritisieren beispielsweise die Nutzung von Gülle zur Energiegewinnung, bei der die Gärreste letztlich wieder als Dünger auf den Feldern landen. Aktuelle Zahlen zeigen, dass die Nitratwerte im Grundwasser in einigen Gegenden stark ansteigen und Grenzwerte überschritten werden.

Das ist Wasser auf die Mühlen von Greenpeace. Die Umweltschutzorganisation geht schon länger gegen die "Überdüngung in der Landwirtschaft" vor und fordert eine Neuregelung der Düngeverordnung. Denn das Problem sei, dass Nitrat, das heute über die Gülle ausgebracht würde, sich erst in einigen Jahren im Grundwasser wiederfinde.

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Doch es ist nicht allein die Gülle der deutschen Landwirte, die den Nitratgehalt ansteigen lässt. Seit einiger Zeit mehren sich die Gülleimporte aus den Niederlanden. 

In Deutschland gibt es von Anfang November bis Ende Februar eine Sperrfrist, in der Gülle nicht auf Felder und Wiesen verteilt werden darf. Diese Sperrfrist beginnt in den Niederlanden früher - und schafft damit einen Anreiz für die Betriebe jenseits der Grenze, ihre Gülle in Deutschland auszubringen.

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Wohin mit den abgelaufenen Tabletten? Am besten bei der Apotheke zurückgeben oder in den Hausmüll werfen, sagt die Verbraucherzentrale.

Wo Tabletten und sonstige Arzneimittel auf keinen Fall hingehören, ist die Toilette. Denn dann besteht die Gefahr, dass die Inhaltsstoffe über das Abwasser; also die Klärwerke, zurück in den Wasserkreislauf gelangen konnen.

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Über die Kläranlage ins Trinkwasser

Professor Martin Exner zu den Gefahren, die von Medikamenten im Wasser ausgeht.

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Ein Problem ist sowohl in den Abwasser- als auch viel später in den Trinkwasseranlagen, dass die Bestandteile aus den Medikamenten unerkannt bleiben.

Zudem sind die Gefahren, die von den Medikamentenrückständen ausgehen, noch nicht abschließend erforscht. Es wurden zwar bereits Auswirkungen auf Fische und Algen nachgewiesen, die Langzeitfolgen für den Menschen sind aber noch nicht absehbar.

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Gefahren für das Trinkwasser drohen theoretisch auch durch Anschläge oder bewusste Verunreinigungen des Wassers. Dagegen schützen sich die Wasserversorger zum einen mit Sicherheitstechnik. Die Wasserwerke sind meist eingezäunt und videoüberwacht.


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Schutz vor Kontaminationen

Wichtig ist es, Verunreinigungen "verbrauchernah" auszuschließen, sagt Professor Lothar Scheuer.

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Wenn es aber doch zu einer Kontaminierung des Trinkwassers kommen sollte, gibt es als Relikt aus dem Kalten Krieg Notbrunnen, von denen 5.000 Stück über ganz Deutschland verteilt sind. Damit wäre zumindest eine Grundversorgung mit Trinkwasser außerhalb des öffentlichen Netzes möglich.

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Wie steht es eigentlich um den Geschmack von Trinkwasser? Denn der spielt ja durchaus eine Rolle, wenn das Wasser nicht in der Waschmaschine oder der Badewanne landet.

Aber gibt es überhaupt unterschiedliche Qualitätsmerkmale? Wir haben uns auf die Suche nach dem "perfekten Trinkwasser" gemacht.

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Alltägliches Lebensmittel

Für Professor Exner gehört das Glas Leitungswasser zum Alltag.

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Das Wasser aus dem eigenen Garten? Das klingt schon ziemlich perfekt. Für etwa 700.000 Menschen in ganz Deutschland ist das die Realität - sie fördern Wasser aus einem eigenen Brunnen.

Als Vorteile nennen sie - neben dem Geschmack - vor allem, dass sie nicht auf den Zähler achten müssen und soviel verbrauchen können, wie sie wollen.

Doch die private Wasserfreiheit hat auch ihre Tücken. Denn das Wasser muss den strengen Vorschriften der Trinkwasserverordnung entsprechen und die Brunnenbetreiber müssen sich einigen bürokratischen Hürden stellen. Diese Erfahrung hat auch Günter Bierbaum aus Rietberg gemacht.

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Als Bierbaum vor 40 Jahren sein Haus baute, gab es keine öffentliche Wasserversorgung.
Die Lösung war ein eigener Brunnen. Im Keller saugt eine Pumpe automatisch das frische Trinkwasser aus acht Metern Tiefe an. Bevor es genutzt werden kann, wird Mangan aus dem Wasser gefiltert. Alle sechs Wochen muss dieser Filter durchgespült werden, um das abgelagerte Mangan auszuwaschen.

Regelmäßige - kostenpflichtige - Kontrollen der Stadt stellen sicher, dass das Wasser den strengen Maßgaben der Trinkwasserverordnung entspricht.


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Proben aus Wasserhahn in der Küche

Günter Bierbaum über die Anforderungen der Trinkwasserverordnung an einen privaten Brunnenbauer.

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Die Frage nach dem "besten Wasser" ist schwierig zu beantworten - denn letztlich ist es eine Geschmacksfrage. Bevorzugt man eher neutrales - also weiches - Wasser, oder mag man den eher mineralischen Geschmack des härteren Wassers?

Hat man diese Frage beantwortet, kann man sich in Nordrhein-Westfalen auf die Suche machen - denn die Herkunft des Rohwassers hat einen entscheidenden Einfluss auf den Geschmack.

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Aber kann das Leitungswasser tatsächlich mit Mineralwasser mithalten. Die Kollegen der Servicezeit haben den Test mit Passanten in Köln gemacht.

Das Ergebnis ist überraschend.

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Das perfekte Trinkwasser

Was schmeckt besser: Leitungswasser oder Mineralwasser? Die Servicezeit hat den Test gemacht.

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