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Los geht's

Narben eines Atomunfalls

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Die Mitarbeiter wollten eigentlich nur testen, ob der Reaktor einem Stromausfall standhält. Der Versuch im Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl beginnt in der Nacht zum 26. April 1986. Und scheitert.

Scrollen Sie weiter, um zu erfahren, was dann geschah und wie es in und um Tschernobyl heute aussieht!

Mit Fotos und Audiokommentaren
von Ranga Yogeshwar.

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Verstrahlt und verlassen – so stellen sich viele das Kernkraftwerk Tschernobyl vor. Tatsächlich pendeln täglich 2500 Mitarbeiter hierhin.

»Die Zombies von Tschernobyl«, nennen sie manche. Viele von ihnen kommen, ohne wirklich etwas zu tun zu haben. Das Kraftwerk ist vor 16 Jahren abgeschaltet worden, aber noch betriebsbereit.

Das heißt: Die Brennstäbe lagern in einem Wasserbecken. Sie sollten längst in einem Zwischenlager liegen, das es bis heute nicht gibt.

Neben den Kraftwerksangestellten sind auf dem Gelände etwa 1000 Bauarbeiter beschäftigt, um die Schutzhülle für Block 4 zu errichten.







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Tschernobyl von oben

Die Blöcke des Kraftwerks, die noch intakt sind, liegen dicht am zerstörten Block 4. Über diesem errichten Bauarbeiter eine Umhüllung, das New Safe Confinement.

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Fünfmal so viel Stahl wie im Eiffelturm

Es ist ein Bau der Superlative. "Ist das eine echte Maßnahme – oder bloß ein Auftrag für die Baufirmen?", fragt sich Ranga Yogeshwar.

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Nach der Katastrophe verschlossen die Liquidatoren den Reaktorblock 4 unter einem Sarkophag aus Stahl und Beton. Seit 2010 errichten Bauarbeiter eine neue Schutzhülle, das New Safe Confinement

Da die Radioaktivität unmittelbar über dem Block erhöht ist, liegt der Montageplatz etwas entfernt. Die etwa tausend Arbeiter können hier bauen, ohne sich der Strahlung auszusetzen.

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New Safe Confinement

Die Kuppel ragt 110 Meter in die Höhe. Hundert Jahre soll sie ohne Wartungsarbeiten überdauern. Über ein Schienensystem soll das Bauwerk auf den Sarkophag geschoben werden. 2017 ist der Bau voraussichtlich abgeschlossen.

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Starten Sie das 360-Grad-Video und erleben Sie, wie das New Safe Confinement gebaut wird! Klicken Sie mit der Maus aufs Bild und bewegen Sie den Zeiger.

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36.000 Tonnen – so viel wiegt das New Safe Confinement. So viel wie 36.000  Kleinwagen.

Die Arbeiter schieben das riesige Gebilde langsam über über den havarierten Reaktor von Tschernobyl. Für die 250 Meter brauchen sie mehrere Tage.

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Die neue Hülle

Wenn das New Safe Confinement steht, geht die Arbeit erst los. 

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Der Deckel, das New Safe Confinement, soll den alten und maroden Sarkophag abriegeln – und damit auch den havarierten Reaktor, der darunter liegt. Hundert Jahre soll das Ganze halten.

Zum einen soll das NSC die Umgebung vor radioaktiver Strahlung schützen, zum anderen sollen die Arbeiter den Sarkophag und den Reaktor demontieren und radioaktive Trümmer entsorgen.

Sie nutzen dafür ferngesteuerte Kräne und Spezialgeräte. 

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Das New Safe Confinement über den havarierten Reaktor zu schieben – das  ist erst der Anfang. Den radioaktiven Schutt abzubauen, wird die Ukraine noch viel Geduld und vor allem Geld kosten. 

Geld, das dem Land derzeit fehlt. Es gibt bisher keine Pläne, wie es auf dem Kraftwerksgelände von Tschernobyl konkret weitergehen soll.

Noch ist unklar, ob die Ukraine die jährlichen Betriebskosten von etwa acht Millionen Euro bezahlen kann. Die Lüftung muss stetig laufen und verbraucht viel Energie. Würde sie abgeschaltet, könnte Radioaktivität nach außen gelangen.

Selbst wenn die Arbeiter den Reaktor demontieren und den Müll entsorgen können, bleibt unklar, was beispielsweise mit dem hochradioaktiven Material passiert.

Um den Atommüll sicher zu lagern, müsste ein Endlager gefunden werden – eine Lösung dafür ist noch nicht in Sicht. 















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Schöne Natur – so sieht es hier auf den ersten Blick aus. Doch im Gebiet rund um das Kernkraftwerk Tschernobyl sind die Werte für Radioaktivität stellenweise erhöht.

Nach dem Unfall im Reaktorblock 4 erklärte die Regierung alles im Umkreis von 30 Kilometern zur Sperrzone.

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Im Umkreis von zehn Kilometern um das Kraftwerk liegt die innere Sperrzone. Hier lagert radioaktives Material.

Wo die Strahlenbelastung nach dem Unfall am höchsten war, hoben die Liquidatoren Gruben aus. Büsche, Bäume und Erde – alles kippten sie hinein.

Die tausend Gruben, die sie damals buddelten, zeugen bis heute davon. Es gibt Pläne, den radioaktiven Schutt auf eine Deponie zu verlagern.

Trotz der Strahlenbelastung, die stellenweise sehr hoch ist, halten sich im Sperrgebiet täglich etwa 15.000 Menschen auf, darunter die 2500 Mitarbeiter des Kernkraftwerks, Waldarbeiter und Forscher.

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Wer im Sperrgebiet mit einem Dosimeter wie diesem die Strahlenbelastung misst, stellt fest: Die Werte variieren stark.

An vielen Orten sind sie mit denen in Deutschland vergleichbar, wo ein Mensch im Schnitt einer äußeren Strahlenbelastung von 0,08 Mikrosievert pro Stunde ausgesetzt ist.

Das Messgerät zeigt aber immer wieder auch höhere Werte an: 64,5 Mikrosievert pro Stunde. Ein unscheinbares Graphitstück, das vielleicht vom Kraftwerk stammt.

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Die Karte zeigt ausgewählte Orte, an denen das Team vom WDR gemessen hat. Scrollen Sie weiter und finden Sie heraus, wie hoch die Werte für die Strahlenbelastung im und ums Kraftwerk sind.

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Wie das Sperrgebiet künftig genutzt werden soll – da sind sich die Menschen in der Ukraine uneins. Es gibt Pläne, den gesamten leichten und mittelaktiven Atommüll des Landes hier zu lagern.

Der Präsident will aber, dass die Sperrzone verkleinert wird, von 30 auf 10 Kilometer. Die übrige Zone soll dann ein Biosphärenreservat werden.

Auch einige Touristen kommen inzwischen hierher: Die einen, um ihre alte Heimat wiederzusehen, die anderen, um nachzuvollziehen, was passiert ist.

Die Zone besuchen auch Voyeure, die das Abenteuer suchen. Den Thrill, verbotenen Boden zu betreten.




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Nach dem Unfall im Kraftwerk mussten viele Menschen ihre Heimat verlassen, so auch Leonid Ryndjuk und seine Frau. In Kiew, wo sie fortan leben sollten, fand das Ehepaar aber kein Glück.

1993 zogen die beiden zurück auf ihren kleinen Hof nahe der Stadt Tschernobyl. Mit der Gefahr durch radioaktive Strahlung können sie leben, ohne ihre Heimat aber nicht.

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Alles war zugewuchert, als die Ryndjuks nach sieben Jahren zurückkehrten. Auch wenn er inzwischen 88 Jahre alt ist, baut Leonid immer noch Gemüse im Garten an. Fische angelt er im nahe gelegenen Pripjat.

Es sei hart im Sperrgebiet zu leben, sagen Leonid und Ekaterina Ryndjuk. Es fehle an Infrastruktur. Die Dörfer seien verlassen. Wer hier wohne, führe ein einsames Leben.



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Wie Leonid und Ekaterina Ryndjuk erging es vielen Menschen damals. Wer näher als 30 Kilometer zum havarierten Reaktor lebte, musste gehen. Insgesamt verließen mehr als 300.000 Menschen ihre Heimat.

Viele von ihnen lebten in der Stadt Pripjat, vier Kilometer entfernt vom Kraftwerk. Oder in der Stadt Tschernobyl, die zehn Kilometer weit weg liegt.

Viele der Evakuierten siedelten in die Stadt Slavutich um, die neu errichtet wurde. Slavutich liegt östlich der Sperrzone, 45 Kilometer entfernt von dem Ort, wo im Schaltraum das geschah, was nicht geschehen sollte.





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Um 7 Uhr sollte seine Schicht beginnen. Alexej Breus fuhr wie gewohnt mit dem Bus zum Kraftwerk. Der Ingenieur ahnte da noch nicht, dass in der Nacht etwas Schreckliches geschehen war.

Erst als sich der Bus dem Kraftwerk näherte, sah er durch die Scheibe den zerstörten Block 4. Wenn das ein Traum war, dann ein schlechter.

Im Schaltraum traf Breus zwei seiner Kollegen. In den Stunden zuvor hatten sie versucht, Schlimmeres zu verhindern. Ohne Erfolg. Es war das letzte Mal, das Breus die beiden sah. Sie starben infolge einer Überdosis radioaktiver Strahlung.




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Wie viele Menschen starben infolge der Reaktorkatastrophe?

39 Menschen sind am akuten Strahlensyndrom gestorben – das ist unumstritten. Ob und wie viele weitere Menschen infolge des Unfalls starben, lässt sich kaum sagen.

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Durch die Ruinen Pripjats staksen

Die Bewohner mussten vor 30 Jahren ihre Wohnungen von heute auf morgen verlassen. Wer durch die öffentlichen Gebäude geht, fühlt sich in eine andere Zeit versetzt.

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Die Stadt Pripjat wurde 1970 errichtet, für die Kraftwerksmitarbeiter und ihre Familien. Viele Menschen fanden hier ein neues Zuhause. 

Und verloren es alsbald wieder: Die Stadt liegt nur vier Kilometer vom Kraftwerk entfernt. Nach dem Unfall im Reaktor wurde Pripjat vollständig evakuiert.

Um Plünderern zuvorzukommen, räumte die Armee die Wohnungen. Die Diebe kamen trotzdem: Sie stahlen Armaturen, Steckdosen und anderes Inventar. Heute sind viele Gebäude einsturzgefährdet.

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Ein Klassenzimmer aus der Zeit der ehemaligen Sowjetunion

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Morgen fällt die Schule aus. Und danach auch. Die Schultische in dem Klassenzimmer stehen noch wie vor 30 Jahren. Sie zeugen vom plötzlichen Aufbruch.

Radioaktivität friere die Zeit ein, sagt Ranga Yogeshwar. Doch nur für den Menschen,
nicht für die Natur.

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Die Natur erobert die Stadt zurück

Menschen leben hier nicht. Büsche und Bäume drängen immer weiter vor, überwuchern Straßen und Häuser. Pripjat ist ein Beispiel dafür, wie rasch sich die Natur zurückholt, was ihr einst gehörte.

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Früher ein Schwimmbad, heute ein Mahnmal

Die Bürger aus Pripjat kamen vor dem Unfall hierher, um zu trainieren und den Alltag zu vergessen. So wird es nie wieder sein.

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In der Nacht zum 26. April bereitete die Mannschaft im Schaltraum einen Sicherheitstest vor. Sie wollten einen Stromausfall simulieren. Fehlt der Strom, setzt das Notkühlsystem ein. So die Idee.

Doch in dieser Nacht ging alles schief. Sowohl die Schnellabschaltung als auch Notkühlung versagen. Einer der Angestellten gibt falsche Befehle in die Reaktorautomatik von Block 4 ein.

Die Folge: eine unkontrollierte Kettenreaktion und schließlich – die Kernschmelze. Zwei Wasserstoffexplosionen zertrümmerten die Betonhülle des Reaktorblocks.



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Radioaktive Trümmer kontaminieren das Umfeld

Die Druckwelle schleuderte radioaktive Trümmerteile in die Umgebung rund um das Kraftwerk. Die Strahlenbelastung war hier extrem erhöht. Die Einsatzkräfte müssen aber zum Reaktor.

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Im ersten Jahr nach dem Reaktorunfall halfen etwa 600.000 bis 800.000 Menschen in Tschernobyl aufzuräumen, die Liquidatoren. Sie kamen aus allen Sowjetrepubliken.

Die Liquidatoren kletterten unmittelbar nach dem Unfall auf die Dächer neben dem havarierten Reaktorblock, um Trümmer wegzuschippen.

Jeder durfte nur 40 Sekunden auf dem Dach bleiben – sonst wäre die Strahlenbelastung zu hoch gewesen.

Ob und wie viele der Liquidatoren infolge der Strahlenbelastung erkrankten, lässt sich kaum ermitteln. Die Opferzahlen variieren stark.





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Zu wenig Wissen über Kernkraft

Wie die Menschen 1986 auf die Katastrophe von Tschernobyl reagierten, beschreibt Ranga Yogeshwar.

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Atomstrom – der ist sauber. Das dachten viele vor Tschernobyl. Doch die Kernkraft birgt auch Risiken, wie die Reaktorkatastrophe in der Ukraine den Menschen in Deutschland vor Augen führte. 

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