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Die Rechte der Tiere

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Ob das Ei zum Frühstück, das Steak zum Mittagessen oder der Käse zum Abendbrot: Bei vielen Menschen stehen tierische Produkte täglich auf dem Speiseplan.

Ein entspanntes Mittagsschläfchen halten wie Schwein Rudi – das konnten wahrscheinlich nur wenige Tiere, die auf unseren Tellern landen.

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Von der Besamung über das Wachstum bis zum Tod – dem Zufall, oder besser gesagt der Natur, überlassen viele Landwirte heute nichts mehr. Um der Nachfrage nach tierischen Produkten gerecht zu werden, hat sich die Landwirtschaft zu einem effizienten Industriezweig entwickelt.

Immer weniger Betriebe halten heute immer mehr Tiere: Ställe mit mehr als 1000 Tieren sind keine Seltenheit. Technische Entwicklungen wie Melkmaschinen oder Fütterungsanlagen machen es möglich.

Aber: Hat der Mensch das Recht, Tiere in Massen zu züchten, zu töten und zu verzehren? 

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Auf ihrem Hof in Niedersachsen nehmen Jan Gerdes und Karin Mück Tiere auf, die sonst auf dem Schlachthof gelandet wären.

Jan Gerdes hat den Hof Butenland von seinen Eltern übernommen und leitet ihn seit 1981. Zuerst stellte er auf Biolandwirtschaft um, 2001 gab er seinen Viehbetrieb vollständig auf. Zu brutal war ihm das Geschäft mit der Kuhmilch.

Kein Fleisch, keine Milch, keine Eier: Der Mensch darf Tiere weder töten noch in anderer Form für seine Zwecke nutzen, meinen Jan Gerdes und Karin Mück. 

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Jan Gerdes erklärt Reporter Martin Buchholz, warum Bullenkalb Paul ein Recht auf Leben hat.

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Kühe sind Säugetiere. Sie produzieren Milch, um ihre Nachkommen zu ernähren. In der modernen Milchviehwirtschaft bekommt ein Kalb die erste Muttermilch zu trinken. Danach trennen die Landwirte es in der Regel von der Mutter. Mit Melkmaschinen pumpen sie die Milch aus dem Euter der Kuh – etwa zweimal am Tag.

Die weiblichen Kälber bleiben zur Aufzucht auf dem Hof. Wenn sie etwa 18 Monate alt sind, lassen die Landwirte sie das erste Mal besamen. Das geschieht auf natürlichem Wege oder durch künstliche Besamung. Neun Monate später kalben die Kühe – und der Kreislauf beginnt von vorn.

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Petra Burgmer zeigt Reporter Martin Buchholz, wie sie die Kälber mit Kuhmilch tränkt.

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Wenn die Kälber einen guten Start haben, werden sie zu kräftigen Persönlichkeiten, sagt Petra Burgmer. Das ist bei Kühen wie bei Menschen. Das Motto der Demeter-Landwirte: Milch ja, aber gewaltfrei. 

Eine spezielle Behandlung erfahren auf dem Breuner Hof allerdings nur weibliche Kälber. Bullenkälber holt ein Viehhändler ab. 

Auch wenn sie sich für gewaltfreie Milch einsetzen: Petra und Hardy Burgmer wollen von ihrer Milchviehwirtschaft leben können. Im Moment geht das nur, wenn sie die männlichen Kälber an Viehhändler abgeben, sagen die beiden. Die meisten von ihnen werden geschlachtet.

 

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Gerd Kämmer ist Biologe und Naturschützer. Sein Anliegen: Die Natur und die Artenvielfalt erhalten.

Die Galloway-Rinder liefern durch ihren Kot und Urin die Nährstoffe für viele Pflanzen, sagt Gerd Kämmer. Die Pflanzen sind wiederum eine wichtige Nahrungsquelle für verschiedene Tiere.  

Aber: Wo die Natur freien Lauf hat, nimmt die Natur ihren Lauf. Ohne natürliche Feinde vermehren sich die Galloway-Rinder schnell.

Um eine Überpopulation zu verhindern, tötet er regelmäßig Tiere aus der Herde, sagt Gerd Kämmer. Da er auch von irgendetwas leben muss, vermarktet er das Fleisch, sagt er. 

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Gerd Kämmer erklärt Reporter Martin Buchholz, wie er seine Galloway-Rinder schlachtet.

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1972 trat in Deutschland das Tierschutzgesetz in Kraft. Danach darf niemand "einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen".

Tiere aus wirtschaftlichem Interesse massenhaft töten – das ist kein vernünftiger Grund, kritisieren Tierschützer.

Der Deutsche Tierschutzverein etwa akzeptiert, dass der Mensch Tiere für seine Zwecke nutzt. Aber nur dann, wenn die Landwirte auf die Bedürfnisse der Tiere achten und ihnen ein artgerechtes Leben ermöglichen.

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Hardy Burgmer erklärt, wie Landwirte Tiere nutzen und schützen können.

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Gerd Kämmer ist für eine artgerechte Tierhaltung.

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Den Tierrechtlern geht das Tierschutzgesetz in Deutschland nicht weit genug. Der Grund: Für die Landwirtschaft gibt es zu viele Ausnahmen, sagen sie. Landwirte dürfen zum Beispiel weiterhin Ferkel ohne Betäubung kastrieren. 

Selbst die Forderungen der Tierschützer halten sie für unzureichend. Die Tierschützer akzeptieren, dass der Mensch Tiere nutzt. Die Tierrechtler lehnen das ab. Der Mensch hat nicht das Recht, Tiere zu züchten, zu mästen und dann zu töten, sagen sie – egal ob in Massenbetrieben oder auf Biohöfen. 

Organisationen wie People for the Ethical Treatment of Animals (PETA) oder Animal Peace fordern daher seit Jahren: Gleiche Rechte für Mensch und Tier.

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Tierrechtlerin Hilal Sezgin erklärt, warum Tierschutz nicht ausreicht.

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Gleiche Rechte für Mensch und Tier – dahinter steckt die Auffassung, dass Tiere eine Persönlichkeit haben und ähnlich fühlen wie Menschen.

Wer sich die Beziehung vieler Menschen zu ihren Haustieren anschaut, wird sagen: Das stimmt. Einige Hundehalter etwa bringen ihre Tiere in Beautysalons und Hotels oder lassen sie an Schönheitswettbewerben teilnehmen. Mittlerweile gibt es auch spezielle Friedhöfe für Haustiere.

Dass Tiere etwas fühlen, etwa Angst oder Schmerz, ist unumstritten. Aber: Ist das, was sie empfinden, vergleichbar mit den Gefühlen des Menschen? Wissenschaftler können das bislang nicht genau beantworten.

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Hilal Sezgin ist Autorin und Tierrechtlerin. Sie ist überzeugt, dass ihre Schafe und Ziegen eine Persönlichkeit haben.

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Dürfen wir Tiere töten? Haben Tiere Würde? Wie sollte der Mensch mit Tieren umgehen?

Diese Fragen untersucht Rainer Hagencord am Institut für theologische Zoologie in Münster. Er betrachtet sie aus zwei verschiedenen Blickwinkeln: dem theologischen und dem verhaltensbiologischen.

Die Theologie nimmt Tiere als Geschöpfe auf dieser Erde wahr – das ist Tieren und Menschen gemein, sagt Rainer Hagencord. Die Theologie fragt aber nicht, ob Tiere fühlen oder denken können. Das ist eine Frage der Verhaltensbiologie. 



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Für seine Forschung sichtet Rainer Hagencord Daten aus verhaltensbiologischen Studien. Es gibt Hinweise, dass Tiere fühlen können, sagt Rainer Hagencord. Tiere in Sozialsystemen, etwa Herden-, Rudel- oder Schwarmtiere, müssten eine Gefühlswelt haben, um sich untereinander zu verständigen.

Tiere sollen auch denken und lernen können. Das zeigt sich, wenn sie Probleme mithilfe ihres Verstandes lösen, sagt Rainer Hagencord. Seiner Meinung nach ist der Mensch verpflichtet, sich für Tierrechte stark zu machen.

Puten, Schweine und Rinder sind keine Rohstoffe für die Fleisch- und Eierindustrie, sondern Persönlichkeiten mit Würde, so der Theologe und Verhaltensbiologe. Wer Tiere lediglich als Objekte sieht, wird ihnen nicht gerecht.

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Kühe sind nicht dumm – das beweisen die Tiere vom Hof Butenland dem Kamerateam und Reporter Martin Buchholz.

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Bei allen Gemeinsamkeiten zwischen Mensch und Tier: Wir dürfen nicht zu viel in Tiere hinein interpretieren, sagt Rainer Hagencord vom Institut für theologische Zoologie in Münster.

Der Mensch wird dem Wesen des Tieres weder gerecht, wenn er Katzen, Hunde und Papageien vermenschlicht. Wir werden den Tieren aber genauso wenig gerecht, wenn wir sie zu Rohlingen der Eier-, Fleisch- und Milchindustrie degradieren, sagt Rainer Hagencord.

Seiner Meinung nach sind beide Sichtweisen falsch: Das Tier ist weder der bessere Mensch noch eine bewegliche Sache.

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Haben es die Verbraucher selbst in der Hand, wie tierische Lebensmittel produziert werden? Diese Frage hat Reporter Martin Buchholz Hilal Sezgin, Hardy Burgmer und Gerd Kämmer gestellt.

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Tiere nutzen oder nicht – letztlich eine Frage der persönlichen Entscheidung und des eigenen Gewissens. 

Wer keine Produkte aus Massentierhaltung kaufen will, muss aber nicht zwangsläufig zum Veganer werden. Das zeigen Beispiele wie der Demeter-Betrieb von Familie Burgmer oder die Rinderhaltung von Gerd Kämmer. Es gibt auch diesen Weg: Tiere nutzen – und schätzen.

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