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Strassenmusik in NRW

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"Ich würde gerne mal einen Monat lang ausprobieren, wie es ist, mich einfach mal auf die Straße zu stellen und zu singen."

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Miriam (31) ist Journalistin, Schauspielerin und Musikerin. Einen Monat lang zieht sie durch NRW  und versucht sich als Straßenmusikerin. Eigentlich spielt Miriam vor allem Klavier - weil das aber schwierig zu transportieren ist, hat die Kölnerin auf ihrer Tour eine Ukulele dabei. Ihr Straßen-Repertoire: ein eigener Song, "Meal of Convenience" von Wallis Bird, ein Country Song, ein hawaiianisches Liebeslied und noch einige andere. 



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Miriam mit "Meal of Convenience" von Wallis Bird

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Miriam: "Vor meinem ersten Lied war ich ehrlich gesagt ziemlich nervös. Koffer auf, Ukulele raus, singen. Mitten in der Öffentlichkeit, ohne dass mich jemand darum gebeten hätte. Fast wäre ich einfach wieder gegangen. Aber nach fünf Minuten war die Aufregung weg. Passanten strahlen dich an, bleiben stehen und werfen etwas in den Koffer, Kinder tanzen zur Musik. Schön!"

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"Oh my Darling"

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Sich auf die Straße zu stellen und zu singen kostet Überwindung. Wie reagieren die Leute? Wird man als Musiker wahrgenommen oder eher als musizierender Bettler betrachtet? Viele Passanten sind freundlich, lächeln, werfen ein paar Münzen in Miriams Ukulelenkoffer. Ob sie Straßenmusik mögen? "Ja, wenn sie gut ist!"

Miriam trifft auf ihrer Tour durch NRW auf die unterschiedlichsten Straßenmusiker. Solche, die wirklich was können und solche wie den stadtbekannten Musikanten aus Münster. Tagaus tagein steht er in der Fußgängerzone und singt nur drei Worte: "Oh my Darling".

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Über Geld wird unter Straßenmusikern nur ungern gesprochen, erfährt Miriam. Wieviele Münzen im Koffer landen, das hängt von der Stadt, dem Standort, der Uhrzeit und nicht zuletzt vom Zufall ab.

In Münster ist ein Junggesellenabschied besonders spendabel zu Miriam. Nach einer halben Stunde liegen mehr als 30 Euro im Koffer. Eine Ausnahme.

Die Einnahmen auf einen Tageslohn hochzurechnet macht auch wenig Sinn, denn "ohne Übung ist meine Stimme nach spätestens drei Stunden einfach weg."

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Straßenmusiker haben viele Regeln zu beachten, jede Stadt hat ihre eigenen. In Bonn muss Miriam erstmal ins Stadthaus, eine Genehmigung beantragen, die sie für zwei Tage zehn Euro kostet.

In der gesamten Innenstadt dürfen pro Tag nur drei Musiker oder Gruppen spielen. Die Stadt begründet das unter anderem mit den vielen Veranstaltungen auf öffentlichen Plätzen, bei denen auch Musik gespielt wird. Viele Passanten finden allerdings: Ein paar Musiker mehr dürften es schon sein.

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Nach dem Landes-Immissionsschutzgesetz ist Straßenmusik in NRW verboten, wenn sich jemand gestört fühlen könnte. Die Städte dürfen aber Ausnahmen zulassen und eigene Regeln aufstellen. Eine kostenpflichtige Genehmigung machen neben Bonn unter anderem Bochum und Aachen zur Auflage.

Um die Anwohner zu schützen gilt fast in allen Städten: Nach spätestens einer halben Stunde muss der Standort gewechselt werden. Münster und Köln verordnen zusätzlich eine Pause: Von der vollen bis zur halben Stunde darf gespielt werden, danach ist eine halbe Stunde Ruhe.

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Miriam mit "Country in My Genes" von Loretta Lynn

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Miriam: "Das ist interessant: Morgens und abends sind die Passanten spendabler, geben einen Euro, zwei Euro. Am Nachmittag landet dagegen viel mehr Kupfergeld im Ukulelenkoffer. Und: In der Seitenstraße, neben einer Kirche, läuft es in Bonn deutlich besser als in der vollen Fußgängerzone. Mein Highlight in Bonn: ein Café hat mir einen alkoholfreien Cocktail spendiert."

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Straßenmusiker Konstantin spielt Akkordeon. Er ist mit zwei Kollegen unterwegs, die Kontrabass und auch Akkordeon spielen - ein Klassiker in wohl fast jeder deutschen Fußgängerzone.

Konstantin ist 37 Jahre alt, stammt aus Rumänien und lebt in Düren. Dass er in Bonn für's Musizieren bezahlen muss, stört ihn nicht - zumindest will er sich nicht beklagen. Was er am Tag verdient, fragt Miriam: "20 Euro, 30 Euro...egal. Es macht Spaß!"

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Konstantin und seine Band spielen einen Walzer

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Köln ist kein einfaches Pflaster, denn hier ist es richtig laut. Menschenmassen schieben sich durch die Fußgängerzone und gefühlt alle 20 Meter wird gesungen und musiziert. Eine echte Herausforderung für Straßenmusiker - und für die Ohren der Anwohner. Dabei sind viele der Musiker, die in Köln spielen, richtig gut. 

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Wooden Street Syndicate

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"Es ist viel los hier - deswegen kommen wir her."

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HonigMut, das ist das Singer/Songwriter-Duo Melina Fuhrmann und Nando Andreas (rechts) aus Lüdenscheid. Heute begleitet sie Patrick (links) an der Cajon. Sie mögen an der Straßenmusik das direkte Feedback der Zuhörer.  "In Lüdenscheid kann man Straßenmusik eigentlich total vergessen", erzählt Melina. Deshalb kommen sie dafür lieber nach Köln. 

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HonigMut mit "Ich will dich schlafen seh'n"

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"Früher waren die Leute viel entspannter."

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Rasmus Schumacher ist seit 15 Jahren Straßenmusiker. Er lebt in Köln und war mit seiner roten Gitarre schon in der ganzen Welt unterwegs. Auch in Köln hat er viele Jahre regelmäßig und gerne gespielt. Vor fünf bis sechs Jahren habe sich die Atmosphäre in der Stadt aber deutlich verändert, erzählt Rasmus. Deshalb spielt er heute lieber woanders.

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Rasmus mit seinem "Batemans Bay Song"

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Rasmus und Miriam mit Cat Stevens' "Wild World"

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Wer laut ist, kann sich in Köln besser durchsetzen. Und zu zweit macht das Musizieren auf der Straße auch gleich doppelt so viel Spaß. Der kleine Haken: natürlich werden dann auch die Einnahmen geteilt. Köln hat sich finanziell allerdings sowieso nicht gelohnt. "Also lieber Spaß haben und dann von dem Kleingeld einen Kaffee trinken gehen."

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Lohnt es sich für Straßenmusiker in kleineren Städten zu spielen? Miriams letzte Station auf ihrer Tour: Bad Salzuflen in der Nähe von Bielefeld. Rund 50.000 Einwohner, viele Kurgäste und (zumindest heute) wenige Straßenmusiker. In der Fußgängerzone mit ihren historischen Fachwerkhäusern zu spielen und zwischendurch ein Eis zu essen, "das fühlt sich fast an wie Urlaub."

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Miriam spielt einen französischen Chanson

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Miriam: "Ich habe das Gefühl, ich kann hier ein bisschen durchatmen. Ganz viele Leute kommen ganz selbstverständlich, grüßen freundich und sagen, dass es ihnen gefällt – das ist schön! Man muss nicht so kämpfen. Es sind keine Menschenmassen hier. Also ich fühle mich sehr frei.  Ich spiele einfach so vor mich hin und die Leute kommen von alleine."

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Auch wenn Bad Salzuflen weniger potentielle Zuhörer bietet als große Städte wie Köln oder Bonn: Hier zu spielen lohnt sich. Viele Leute bleiben stehen, setzen sich auf die Bänke gegenüber, hören zu und klatschen laut Beifall. Das macht Bad Salzuflen auch finanziell zu einem vollen Erfolg: fast 80 Euro hat Miriam nach gut drei Stunden eingespielt. Da ist nicht nur ein Kaffee, sondern auch ein dicker Eisbecher zur Belohnung drin.

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"Spielt mehr eigene Songs!"

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Bernadette La Hengst ist Musikerin und Theatermacherin - und hat vor 15 Jahren als Straßenmusikerin angefangen. Sie kommt aus Bad Salzuflen und lebt heute in Berlin.

Bekannt wurde La Hengst in den 90er Jahren mit ihrer Band "Die Braut haut ins Auge". Aus ihrer Erfahrung als Straßenmusikerin rät sie allen, die von der Musik leben wollen: "Spielt mehr eigene Songs!"


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Bernadette La Hengst mit einem Klassiker aus ihrer Zeit als Straßenmusikerin: "Manic Monday" von The Bangles

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Finanziell am wenigsten gelohnt hat sich der Tag in Köln. Hier lagen nach etwa drei Stunden nur 16 Euro im Ukulelenkoffer. Am besten lief es mit 78 Euro in Bad Salzuflen.

Miriams Erkenntnis: Morgens und abends läuft es besser als nachmittags und eine volle Einkaufsstraße ist nicht unbedingt lukrativer als eine Seitenstraße. Und, "die Stimme hält nach einem Monat schon etwas länger, aber viel mehr als drei Stunden sind immer noch nicht drin."


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"Ich habe einen riesen Respekt für Leute, die von Straßenmusik leben."

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Miriam mit ihrem eigenen Song "Dancing in my shoes"

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