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Los geht's

Unterwegs im Dienst der Wissenschaft

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Frühling - die Natur erwacht. Wer jetzt draußen unterwegs ist, kann das mit allen Sinnen spüren. Vögel zwitschern, Pflanzen explodieren. Es riecht nach Leben. Jetzt haben auch die phänologischen Beobachter, die für den Deutschen Wetterdienst (DWD) überall in Deutschland unterwegs sind, viel zu tun. Sie zeichnen die verschiedenen Stadien unterschiedlicher Pflanzen auf und stellen ihre Daten dem DWD zur Verfügung. Einer von ihnen ist Reinhard Trautmann aus Dülmen. Wir haben uns an seine Fersen geheftet.

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Reinhard Trautmann

Unterwegs in Dülmen, Mitte April 2015

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Phänologie - der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie "Lehre von den Erscheinungen". Laut DWD untersucht die Phänologie die Entwicklung der Pflanzen  im Jahresverlauf, indem sie die Eintrittszeiten auffälliger Erscheinungen notiert. Beobachtet werden diese von mehr 1.200 ehrenamtlichen Helfern. Reinhard Trautmann aus dem westfälischen Dülmen ist seit mehr als 40 Jahren im Dienst der Forschung unterwegs.

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Reinhard Trautmann

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Die Beobachter streifen durch die Natur und sehen sich bestimmte Pflanzen ganz genau an. Dabei müssen sie auf bestimmte Phasen achten. Dazu gehören der Beginn des Austriebs, der Beginn der Blattentfaltung, der Beginn der Blüte, die Vollblüte, die Blattverfärbung und der Blattfall. Man muss aber kein Experte sein, um die verschiedenen Phasen zu erkennen. Dank einer sehr detaillierten Anleitung, die der Deutsche Wetterdienst jedem Beobachter zur Verfügung stellt, kann es jeder lernen.

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Reinhard Trautmann

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Zu den beobachteten Pflanzen gehören neben dem Chinesischen Flieder, der Kastanie und der Kiefer auch verschiedene Gräser und der Löwenzahn. Mit seinen kräftigen gelben Blüten setzt er oft den ersten farbigen Akzent im Frühling. Je nach Region und Höhenlage können sich die Pflanzen ganz unterschiedlich entwickeln. Beim Rundgang mit der Beobachterin Renate Kahnis in Bergneustadt  erblüht gerade eine Weißdornhecke.

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Renate Kahnis, phänologische Beobachterin

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Die Beobachtungen notiert Renate Kahnis in einem speziellen Buch, das sie auf ihren Rundgängen immer in der Tasche hat. Darin ist jeder Tag des Jahres vermerkt. Mit ausreichend Platz für Notizen. Ihre Beobachtungen sammelt Kahnis und schickt diese regelmäßig per Mail an den Deutschen Wetterdienst nach Offenbach. 

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Die Beobachtung der Natur und ihrer Pflanzen reicht weit in die Geschichte zurück. Vor allem in Japan existieren sehr alte Aufzeichnungen. So findet man in den Archiven des kaiserlichen Hofes Daten zum Beginn der Kirschblüte aus dem Jahr 705 nach Christus. In Europa setzten ähnliche Aufzeichnungen erst viel später ein. Außerdem wurden sie meist nur von Einzelpersonen erstellt, sodass die Zeitreihen zusammenbrachen, wenn diese Menschen verstarben. In Deutschland erfuhr die Phänologie Mitte des 19. Jahrhunderts einen ersten Aufschwung. Seit 1934 ist die Phänologie in Deutschland dem Wetterdienst zugeordnet. 

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Professor Ludger Grünhage

Institut für Pflanzenökologie an der Gustav-Liebig-Universität Gießen

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Im Laufe der Jahre wurde ein eigener phänologischer Kalender entwickelt. Anders als der herkömmliche Kalender kennt er nicht vier, sondern zehn Jahreszeiten. Jeder dieser zehn Jahreszeiten ist eine bestimmte "Zeigerpflanze" zugeordnet. Eine Pflanze also, die mit ihren Blüten oder anderen charakteristischen Merkmalen signalisiert, dass die entsprechende  Jahreszeit angebrochen ist.

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Kalender
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Professor Ludger Grünhage

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Ursprünglich diente die Phänologie der Verhinderung von Hungersnöten. Die statistischen Daten sollten der Landwirtschaft helfen, den richtigen Zeitpunkt für die Aussaat der Nutzpflanzen zu finden und Missernten zu verhindern. Auch heute nutzt die Agrarwirtschaft die phänologischen Daten. Außerdem helfen sie dem Wetterdienst bei der Pollenflugvorhersage. Noch wichtiger ist die Phänologie inzwischen aber für die Dokumentation des Klimawandels.

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Professor Ludger Grünhage

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Ein Beispiel dafür ist auch die Haselblüte. Sie bereitet Allergikern große Schwierigkeiten. Ihr Blühbeginn hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter nach vorne verlagert. Im Durchschnitt um etwa 14 Tage. Ein deutliches Zeichen für den Klimawandel, so Professor Grünhage. Häufig seien die ersten Blüten inzwischen bereits regelmäßig im Januar zu finden. Das frühere Einsetzen des Blattaustriebs auch bei zahlreichen anderen Pflanzen führt insgesamt zu einer Verlängerung der Vegetationsperiode. Im Hinblick auf die Kohlenstoffeinbindung durch die Waldbäume ist das durchaus positiv zu bewerten.

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Auch für den Weinanbau kann die Klimaerwärmung positive Folgen haben. So hat sich in den vergangenen Jahrzehnten die Periode von der Vollblüte der Weinreben bis zur Weinlese deutlich verlängert. Dadurch bleibt den Trauben mehr Zeit für Wachstum und Reife. Eine bessere Weinqualität könnte die Folge sein. Ein Problem können aber Spätfröste werden, die die frühzeitig erblühten Pflanzen schädigen. Auch Vogelarten müssen sich eventuell in ihrem Brutverhalten umstellen. Raupen sind für viele Vogelarten eine der Hauptnahrungsquellen während der Brutphase. Sie sind in ausreichender Zahl vorhanden, wenn es genügend Blätter zu fressen gibt. Je eher diese Austreiben, desto eher sind auch die Raupen aktiv. Vogelarten, die also zu spät brüten, haben ein kleineres Nahrungsangebot. 

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Seine Daten erhebt Grünhage im phänologischen Garten in Linden bei Gießen. Gärten wie diesen gibt es mehrere in Deutschland. 39 von ihnen sind an verschiedene Beobachtungsprogramme angeschlossen. In diesen Gärten stehen wichtige Zeigerpflanzen wie die Hasel, der schwarze Hollunder, Apfelbäume oder auch der Chinesische Flieder. 

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Professor Grünhage

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Doch auch im eigenen Garten oder im Nahe gelegenen Park kann man beobachten, welche Kraft die Pflanzen im Frühjahr entwickeln.  Zwischen diesen beiden Bilder der gleichen Apfelblüten sind nur fünf Tage vergangen. Auch Renate Kahnis hat Spaß an diesen schnellen Veränderungen in der Natur. Sie mag ihren ehrenamtlichen Job als phänologische Beobachterin.

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Renate Kahnis

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Spaziergänge durch die Natur, Buschwindröschen an einem Bach, aufgehende Blüten einer Weißdornhecke, erste reife Früchte der Kastanie. Im Laufe eines Jahres erleben die phänologischen Beobachter die Zyklen der Natur viel intensiver als andere. Der Aufwand der ehrenamtlichen Tätigkeit ist dabei überschaubar. 

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Renate Kahnis

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Beobachter
Vollbild

Ehrenamtliche Beobachter wie Renate Kahnis oder Reinhard Trautmann sind mit Herzblut bei der Sache. Sie leisten wichtige Arbeit. Gleichzeitig geht die Zahl der "Laienwissenschaftler" in diesem Bereich seit Jahren immer weiter zurück. Noch in den 1990er Jahren gab es mehr als 3000 phänologische Beobachter in Deutschland. Heute sind es gerade einmal noch 1200. Diese Entwicklung stellt die Wissenschaft vor Schwierigkeiten. 

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Professor Ludger Grünhage

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