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Landleben 3.0

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Das Dorf Fölsen in Ostwestfalen-Lippe war lange eines der typischen "schrumpfenden Dörfer" in NRW:

Das Sterben mittelständischer Betriebe und die Abwanderung junger Leute in die größeren Städte bewirkten die nahezu völlige Abwesenheit von Jugendlichen und Kindern in Fölsen!
Doch jetzt beginnt im Dorf eine neue spannende Geschichte!

Könnte Fölsen ein Vorbild für andere sterbende Dörfer in NRW werden?

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Wo liegt eigentlich Fölsen?

Das 200-Seelen-Dorf befindet sich in Ostwestfalen-Lippe, bei Höxter, fast an der niedersächsischen Grenze.

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Während der 80er und 90er Jahre wurde kaum ein Kind in Fölsen geboren.

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Ortsbürgermeister Christoph Ritter erinnert sich an den Bevölkerungsrückgang der 80er und 90er Jahre. Zählte Fölsen 1980 noch 276 Einwohner, waren es 1990 nur noch 159.

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Sandra Legge und Birgit Schneider gehörten zu den engagiertesten Mitgliedern der abgewanderten Fölsener Jugend-Generation.
Hier sind sie vor der Gemeindehalle des Dorfes zu sehen, in der sich auch ihr Partykeller befand.   

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Hier wurde früher gefeiert

Sandra und Birgit zeigen ihren ehemaligen Partyraum.

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Vor der großen Abwanderung hielten 20-30 Jugendliche Fölsen auf Trab: Die hochaktive Party- und Vereinsszene war mit ihren Veranstaltungen und Ideen weit über die Grenzen des Dorfes hinaus bekannt und beliebt.

Die meisten Jugendlichen auf dem Land absolvieren das Abitur und wünschen sich einen anspruchsvollen Job. Durch das fehlende Ausbildungs - und Studien-Angebot in den ländlichen Regionen NRWs entsteht für junge Leute die Tendenz, in die Großstädte abzuwandern. Die meisten von ihnen kehren nie zurück.

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Laut der neuen umfassenden Raumordnungs-Prognose des Bundes wird sich die Tendenz zur Landflucht in allen Bereichen Deutschlands bis 2035 intensivieren.
Die wachsenden Regionen sind in der Karte rot dargestellt, alle anderen Farben bedeuten: Hier geht die Bevölkerung zurück.
Berücksichtigt werden in der Prognose auch Faktoren wie Arbeitsmarkt, Wirtschaft, Bevölkerungs- und Sozialstruktur.

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Markus Buthe, Ferkelzüchter aus Fölsen
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Parallel zur Abwanderung der Jugendlichen aus dem Dorf kam es in Fölsen und den Nachbardörfern zu einem deutlich spürbaren Rückgang der kleinen und mittelständischen Betriebe. Die Konkurrenz aus den größeren Städten konnte kostengünstiger produzieren, den Besitzern der Fölsener Betriebe mangelte es bald an Abnehmern und an Nachwuchskräften sowie an Nachfolgern.
Viele kleine Dörfer im ländlichen NRW können von solchen Entwicklungen berichten.  

Die Veränderungen betrafen zum einen die Handwerksbetriebe, doch auch die zehn Fölsener Bauernhöfe hatten mit ähnlichen Problemen zu kämpfen: Um konkurrenzfähig zu bleiben, mussten sie expandieren und sich spezialisieren. Diesen Veränderungen hielten nur wenige Betriebe stand. 

In der Folge verschwanden außerdem Kneipen und Lebensmittelläden aus dem Dorf.

Einer, der die Entwicklungen hautnahe mitbekommen hat, ist der Ferkelzüchter Markus Buthe, der seit seiner Geburt in Fölsen lebt und als einer der wenigen Nachwuchs-Landwirte den Hof seiner Eltern übernommen hat.

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Markus Buthe, Ferkelzüchter aus Fölsen
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Markus Buthe, Ferkelzüchter aus Fölsen

Was hat sich in Fölsen verändert?

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Noch in den 60ern und 70ern hatte fast jede Familie in Fölsen eine kleine oder größere Landwirtschaft.
 
Die Bauernhöfe galten auch als beliebte Ferienziele für stadtmüde Großstädter. In den 70er Jahren wuchs Fölsens Bevölkerung jeden Sommer um ca. 100 Feriengäste an.
Selbstverständlich waren die Sommergäste auch ein nicht unerheblicher wirtschaflicher Faktor.

Zahl der Bauernhöfe in Fölsen heute: Drei.

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Das Fölsener Gasthaus Beller war für Jahrhunderte der Dreh- und Angelpunkt des Dorfes.

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Im Jahr 2011 beschlossen einige der abgewanderten jungen FölsenerInnen und ihre Freunde, eine "Zukunftskonferenz" abzuhalten. Die Frage, die im Raum stand: Wäre es denkbar, als Gruppe nach Fölsen zu ziehen?

Die Pioniere dieser Idee waren Sandra und Stefan Legge. Wie kamen sie darauf?

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Die Lebensläufe dieser beiden Akademiker lesen sich wie aus dem Bilderbuch. Wie kommen zwei hochqualifizierte Fachkräfte auf die Idee, ins strukturschwache Fölsen zu ziehen?

Sandra

ist in Fölsen aufgewachsen, hat in Marburg unter anderem Soziologie und Friedens- und Konfliktforschung studiert. Nach Auslandsaufenthalten in Spanien und Mexiko, arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Bielefeld, bevor sie mit Stefan zusammen zog.

Stefan

kommt ursprünglich aus einem Nachbarort von Fölsen, studierte in Bonn und Potsdam unter anderem Politikwissenschaft und Öffentliches Recht, bevor er als Redakteur und Pressereferent in Münster arbeitete und sich berufsbegleitend zum Betriebswirt weiter qualifizierte.


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Sandra und Stefan Legge hatten die Stadt satt.

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Aufs Land ziehen? Damit assoziieren die meisten: Güllegeruch, schlechte Busverbindungen und grenzenlose Langeweile. Was könnten die Vorteile sein?

Erschwingliche Häuser oder Grundstücke

Sicherheit und Mobilität für Kinder

Leben in der Natur

Dorfgemeinschaft

Nähe zu Tieren

Mehr Platz

Ruhe

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Faktor: Freunde!

Damit man sich auf dem Land wohl fühlen kann, braucht man als junger Mensch vor allem eins: Freunde!

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Verena

kommt aus der Stadt Höxter, hat Lehramt studiert und ist jetzt Grundschullehrerin.

Ralf

kommt gebürtig aus Fölsen, hat Maschinenbau studiert und ist Produktentwickler bei einem Autoteilezulieferer.




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Eine schwierige Entscheidung

Für Verena war es lange undenkbar, die Vorzüge der Stadt aufzugeben.

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Es gibt viele Argumente dafür, in der Stadt wohnen zu bleiben. Die Nachteile des Landlebens liegen klar auf der Hand:

Weite Wege zu Schulen, Kindergärten, Supermärkten, Ärzten etc.

Schlechte Anbindung durch den ÖPNV

Geringe Auswahl an Arbeitsplätzen

Wenig kulturelles Angebot

Wenig Gastronomie

Kaum Anonymität

Auto unerlässlich









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Die leer stehende Dorfkneipe als Sinnbild für die schrumpfende Bevölkerungszahl.
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Der zunehmende Leerstand im Dorf während der 90er und 2000er Jahre bereitete der örtlichen Politik Sorgen. Um keinen Preis wollte man eines dieser Geisterdörfer werden, die in der Umgebung vermehrt entstanden.
Und so wurde auch von offizieller Seite fieberhaft überlegt, was man tun könnte, um wieder mehr junge Leute anzusiedeln.

Als die Fölsener Bürgermeister von der kleinen "Zukunftskonferenz" der abgewanderten Jugend hörten, wollten sie alles tun, um die Entscheidungen der jungen Leute positiv zu beeinflussen. Doch wie schafft man ein attraktives Umfeld auf dem Dorf? Was sind die wichtigsten Faktoren?

Für Ortsbürgermeister Christoph Ritter war klar, dass er das nur auf einem Weg heraus finden konnte: Durch sehr viel Kommunikation!

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Die leer stehende Dorfkneipe als Sinnbild für die schrumpfende Bevölkerungszahl.
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Jobs auf dem Land?

Ralf Hüpping und Stefan Legge erklären, wie man auf dem Land auch als Akademiker den passenden Job finden kann.

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Dr. Dipl.-Soz. Sandra Legge ist mittlerweile Abteilungsleiterin für Bildung und Integration in der Kreisverwaltung Höxter.

Politikwissenschaftler und Betriebswirt Stefan Legge arbeitet als Fachberater im Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband e.V..

Verena Hüpping ist Grundschullehrerin im 60 km entfernten Deensen.

Diplom-Maschinenbauer Ralf Hüpping hat einen der raren Jobs als Produktentwickler bei einem Autoteilezulieferer in der Region bekommen.

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Kinder, Kinder!

Was führte in letzter Konsequenz zur Entscheidung für Fölsen?

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Seit 2012 sind 11 junge Paare oder Familien nach Fölsen gezogen, davon 7 mit Kindern.

Mindestens 3 der Paare haben vorher noch nie in Fölsen gewohnt.

Insgesamt wohnen in dem Dorf jetzt 13 Kinder, davon 9 unter 6 Jahren.

Allen "Neuen" war bei ihrer Entscheidung vor allem wichtig, dass noch andere Paare mit Kindern in den Ort ziehen.

Einer der wichtigsten Faktoren bei der Entscheidung war die Chance auf einen Arbeitsplatz. Die meisten Neu-Fölsener hatten bei der Suche Glück.

Wünsche der Fölsener an die Politik: Flächendeckendes Internet und besserer Handy-Empfang, bessere ÖPNV-Verbindungen oder alternative Mobilitätsmöglichkeiten.

In Fölsen hat sich viel verändert. Alte und junge Fölsener arbeiten nun gemeinsam daran, eine neue funktionierende Dorfgemeinschaft zu gestalten.


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