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Los geht's

Ein Museum zieht sich um

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Von Thomas Köster und Philipp J. Bösel

Zum 40. Geburtstag seiner Sammlung hat das Kölner Museum Ludwig seine Kunst  vom Expressionismus bis zur Gegenwart gründlich umsortiert und andere Schwerpunkte gesetzt. Aber: Wie sammelt man sich als Museum neu? Und, vor allem: Wer macht sowas?

WDR.de blickt hinter die Kulissen. Und zeigt die Highlights. Vorhang auf.

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Im Museum Ludwig ist Yilmaz Dziewior der Kopf der Köpfe. In seinem ersten Jahr als Direktor hat der in Bonn geborene Kunsthistoriker gemeinsam mit den Kuratoren ein neues Sammlungskonzept entwickelt. Und dabei gründlich aufgeräumt. So sollen die drei Stockwerke des Hauses für Besucher "besser lesbar" werden, wie er sagt.

Hier steht Dziewior zwischen Warhol-Schachteln und  Wesselmanns "Bathtub No. 3" im Herzstück des Museums, dem Pop-Art-Raum, der sich jetzt fast genauso bunt und überbordend präsentiert wie ein Supermarkt. Und doch übersichtlich bleibt.

Und was ist sonst noch anders?

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Wie wird Kunst besser lesbar? Museumsdirektor Yilmaz Dziewior erläutert das Präsentationskonzept. Und lädt zum Rundgang durch sein Haus.

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Der Hausrundgang beginnt jetzt im zweiten Obergeschoss historisch mit den Expressionisten und der Neuen Sachlichkeit aus der Stiftung Haubrich, die vor genau 70 Jahren den Grundstein für die heutigen Museumsbestände legte. Kuratorin Julia Friedrich hat das Konzept wesentlich mitentwickelt.

"Mit der Sammlung von Josef Haubrich fing alles an", sagt Friedrich. "Deswegen steht sie am Anfang." Mit den Künstlern der "Brücke" um Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff als Zentrum. Und dem "Grünen Sofa" (1910) von Max Pechstein als Blickfang.

Und was sieht man von hinten?

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Die zwei Gesichter einer Leinwand

Im "Brücke"-Raum kann man ab sofort bisher Verborgenes betrachten. Kuratorin Julia Friedrich erklärt, was dahinter steckt.

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Die neuen Schaukästen der Sammlung Haubrich stammen aus der museumseigenen Schreinerei, in der auch Leif Lenzner arbeitet. Für den Raum des russischen Konzeptkünstlers Ilja Kabakow hat er die Wände mitgezimmert. Die Leiter und das Werkzeug am Boden gehören aber zur Installation.

Irgendwie wirkt Kabakows begehbare Installation "Unaufgehängtes Bild" (1982-1992) wie ein Symbol des Kölner Museums in der  Umräumphase. Kabakows Raum gehört laut der russischen Texttafel zum imaginären Museum "Herrensitz Abramzewo" gehört.

Und was gab es beim Zimmern zu bedenken?

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Hämmern für Kabakovs Museum

"Höhe: 3,10 Meter. Breite: 5,00 Meter. Tiefe: 8,75 Meter". Wie Lenzners Team dem fehlenden Bild nach Kabakows Vorgabe den richtigen Raum gab.

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Nach den Schreinern und vor der Kunst kommen die Maler. Männer wie Alex Holz zum Beispiel. "Im Museum  streicht man ganz anders als anderswo", sagt er. "Man braucht andere Farben. Und höhere Sauberkeit."

Für eine neu präsentierte Videoinstallation von Mark Boulos hat er den Auftrag erhalten, einen Raum mit seinen Kollegen nach den  Vorgaben des Künstlers  komplett schwarz zu malen. "Ein Schwarz ist aber nicht so zu streichen wie ein Weiß." Wenn man das nicht richtig macht, sieht man jeden Strich.

Hat Alex Holz alles richtig gemacht?

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Höhere Wesen befahlen: Alle Ecken schwarz malen! Und mit schwarzem Teppich auslegen! Per Schieberegler füllt sich der Boulos-Raum mit Kunst.

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Um Mark Boulos kümmert sich Iris Maczollek. Im Museumsteam ist sie für die Einrichtung der Videoarbeiten zuständig. Auf zwei Multimedia-Tischen ist rechtzeitig zum Jubiläum das gesamte Video-Archiv abrufbar.

Darüber hinaus organisiert Maczollek Exponate für Ausstellungen und koordiniert den Aufbau, oft im Gespräch mit den Künstlern. "Damit möglichst alles so präsentiert wird, wie die sich das gewünscht haben." Das ist nicht immer einfach: Selbst bei der Auswahl der Beamer haben manche Künstler klare Vorstellungen.

Feuer und Flamme ist sie vor allem für die abgerissenen Plakatebilder der französischen Décollagisten aus den 50er und 60er Jahren. Und für das riesige Streichholzheft des Gruppenmitglieds Raymond Hains im selben Raum.

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Zum Jubiläum hat Restauratorin Kathrin Kessler Isa Genzkens "Kinder filmen" wieder hübsch gemacht. Nach elf Jahren war die Installation arg in die Jahre gekommen.

"Genzken ist mein Sorgenkind", sagt Kessler. Weil verschleißt, was blinkt und weht. Und weil Material brüchig wird. Wie die Kugelspitzen aus Plastik, mit denen der Stoff am Gestänge der Sonnenschirme befestigt war. Sie müssen ersetzt werden, ohne die Anmutung des Werks zu zerstören.

Einen Teil ihrer Restaurierungsarbeit hat Genzken schon gesehen. Und war sehr zufrieden.

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Damit nicht ständig restauriert werden muss, müssen die Werke der neuen Sammlung bestmöglich vor Verschleiß  geschützt werden. "Die Belüftung sollte in jedem Raum stimmig sein", sagt Mario Morawitz von der Haustechnik, der sich speziell diesem Thema widmet. "Unter dem Museum haben wir deshalb eine Belüftungsanlage, die so groß ist wie zwei Fußballfelder."

Hier bahnt sich Morawitz einen Weg durch die Plastiklamellen von James Rosenquists begehbarer Installation "Fire Ranger" von 1967. Auch sie bringt frischen Wind in die Sammlung: Unter Yilmaz Dziewors Vorgänger Philipp Kaiser war sie nicht gehängt.

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Die Kunstumgebung will aber nicht nur gut belüftet, sondern auch gepflegt sein. Als Teil der Putzkolonne sorgen Anouschka Maximowa und Jenny Burmeister morgens ab halb sechs dafür, dass im Museum Ludwig alles blitzt und blinkt, wenn die Besucher kommen. Zumindest die Böden. Die Kunstwerke selbst werden von den Restauratoren abgestaubt oder gereinigt.

Der Ausstellungsraum des österreichischen Künstlers Heimo Zobernig braucht besonders viel Pflege. Wegen der glänzend schwarzen Wände, in denen sich die Skulpturen spiegeln sollen. Hier gilt: Bloß nicht feucht drüberwischen!

Zobernigs Ausstellung ist noch bis zum 22. Mai 2016 zu sehen. Dann beginnt das Großreinemachen.

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Apropos Großreinemachen und Depot: Was nicht im Museum Ludwig zu sehen ist, lagert dort. Oder in der Restaurierung. Oder ist auf Reisen. Dann kommt Rachel Schumann ins Spiel. Als Registrar muss sie dafür sorgen, dass jede Leihgabe ordentlich verpackt und korrekt versichert das Haus verlässt.

In der weißen Klimabox wartet ein Gemälde, das gerade heimgekommen ist. Eigentlich war es nur beim Oberbürgermeister um die Ecke. Trotzdem muss es, wie alle Rückkehrer, 24 Stunden warten, bevor es ausgepackt wird. Bis dahin kann es sich akklimatisieren.

Dann kommt es zurück an die Museumswand. Oder bleibt beim Restaurator. Oder wandert ins Depot? Rachel Schumann wird es wissen.

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Ab in die Kiste!

Haupt- und Nebenwege nach Paris: Registarin Rachel Schumann verrät, welches Werk der Sammlung Ludwig zum Kurztrip nach Frankreich fährt.

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Es geht natürlich auch umgekehrt. Im Museum Ludwig holt man sich auch fremde Kunst ins Haus. Momentan laufen die Vorbereitungen zur nächsten großen Wechselausstellung. Sie ist den Wandgemälden des Franzosen Fernand Léger gewidmet. Registrar Christin Wähner hat die Anreise der Leihgaben organisiert. Sie kommen aus aller Welt.

Das Werk im Hintergrund hat allerdings ein Heimspiel: Das Wandgemälde "Die Tauch­er", das der Künstler 1942 für das Pri­vathaus eines New York­er Ar­chitek­ten konzipierte, kaufte das Ehepaar Lud­wig vor genau 30 Jahren speziell für den neuen Kölner Mu­se­ums­bau an.

Am 8. April 2016 wurde   "Fernand Léger. Malerei im Raum" eröffnet. Weil nach der Präsentation immer auch vor der Präsentation ist.

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70 Jahre Stiftung Haubrich, 40 Jahre Sammlung Ludwig, 30 Jahre Museumsneubau: 2016 gibt es nach der Neupräsentation der Sammlung und der Léger-Schau viel zu feiern.

Für den Sommer hat das Team um Direktor Yilmaz Dziewior 25 internationale Künstler eingeladen, Werke für eine große Gruppenausstellung zu entwickeln, die um den Gedanken des Museums kreisen  ("Wir nennen es Ludwig", 27.08.2016-08.01.2017).

Und im Herbst wandern Werke ausgewählter Künstler aus den Museumsbeständen zum "Hausbesuch" in die Wohnungen von sechs Persönlichkeiten der Kölner Kulturlandschaft, die dafür Besuchern ihre Privaträume öffnen (08.10.2016-27.11.2016).

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