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murdereyez

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Vor fast zwei Jahrzehnten entdeckte Abdulrahman Masri den HipHop für sich. Der damals 16-jährige brachte seine ersten Lyrics aufs Papier und stieß damit auf viel Widerstand. Für seine Rap-Musik wurde er nicht nur von großen Teilen der Gesellschaft abgelehnt, auch seine Familie stand nicht immer hinter ihm. Doch Abdul hat für seinen Traum gekämpft – mit Erfolg. In seiner Heimat war Abdul ein gefeierter Star. Er stand auf den großen Bühnen Aleppos, rappte vor bis zu 4000 Fans – bis der syrische Bürgerkrieg ausbrach und ihm alles nahm. Fast alles. 

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Freunde.

"Musik war in dieser Zeit mein Freund - das Einzige, das mich beruhigen konnte, mir Energie gab, mich herausforderte. Ich kam an einen Ort, an dem ich nichts hatte - keine Freunde, kein Geld, nicht. Außer die Musik, und sie hat mich die ganze Zeit inspiriert."

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Als sich die Situation in Aleppo immer weiter zuspitzte, beschlossen Abdul und seine Mutter zu fliehen. Das war im Jahr 2012. Die Entscheidung  fiel ihm nicht leicht. Abdul gab alles auf, was er sich mühsam erarbeitet hatte: sein Tonstudio, seine zwei Kleidungsgeschäfte, ein Büro für Graphik und Design. Zusammen mit seiner Mutter floh er zuerst nach Ägypten. Dort wollten sie sich ein neues Leben aufbauen, aber Abdul ging es schlecht. Er nahm Gewicht zu, hörte auf zu schreiben. Sie entschlossen sich ein zweites Mal zu gehen. Seine Mutter konnte zu ihren zwei jüngeren Söhnen nach Dubai, aber dort bekam Abdul kein Visum. Jetzt war er auf sich allein gestellt und entschied sich für die gefährliche Flucht nach Europa.

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Abschied.

"Der Moment in dem du gehst, ist nicht leicht. In diesem Moment lässt du deine Erinnerungen zurück, deine Wohnung, alles was dir gehört. Du fliehst ins Ungewisse, die Entscheidung fällt dir also wirklich nicht leicht. Du musst aber gehen."

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Die Wochen danach haben sich in Abduls Gedächtnis eingebrannt: "You will never forget this trip, because it was a deadly trip!" Neun Tage auf einem Schlauchboot zwischen Ägypten und Italien. Auf einem Boot, das eigentlich Platz für 75 Menschen hat, war Abdul mit 250 anderen eingepfercht. Sein eigentliches Ziel war Schweden, aber in Deutschland wurde er gestoppt und landete in Rostock. Er bekam Asyl, Geld vom Jobcenter und eine eigene Wohnung. Aber Abdul war Außenseiter, er fühlte sich alleine, und wurde immer wieder diskriminiert.

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Rostock.

"Ich habe versucht, Freunde zu finden, Kontakt mit Leuten aufzunehmen. Aber manche von ihnen haben Probleme mit Ausländern. Manche haben keine Erfahrungen mit Ausländern, weshalb sie Angst vor uns haben. Manche schauen uns an, als wären wir Kriminelle oder schlechte Menschen. Sie geben uns nicht einmal die Chance, ihnen zu zeigen, wer wir sind. Wir sind wie sie - gebildet, machen Sport, spielen Musik - nur mit anderer Haut- und Haarfarbe oder Sprache."

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Seit über einem Jahr lebt Abdul nun in Köln. Seit er seine "große Liebe Aleppo" verlassen musste, fühlt er sich zum ersten Mal ein wieder ein kleines bisschen wie zu Hause. Er hat viele Freunde gefunden, aber nicht nur das: Abdul kann sich nicht retten vor Arbeit, manchmal gehe er erst um vier oder fünf Uhr ins Bett, erzählt er. Abdul organisiert Veranstaltungen, setzt sich für kulturellen Austausch ein, produziert Musik, arbeitet fürs Radio. Er ist angekommen könnte man sagen, aber trotzdem ist ein Teil von ihm immer noch in Aleppo. Nichts sei wie zuhause! Er vermisst seine Mutter, seine Familie, seine Freunde… seine "Hood".

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Musiktherapie.

"HipHop ist Vieles für mich: Es ist ein Lifestyle, eine Revolution. Es ist wie eine Fabrik, in der du deine Wut und Traurigkeit in Musik verarbeiten kannst."

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Listen Up.

Fremde Sprache, klassischer Text: Im Song "Listen Up" rappt Abdul darüber, dass er sich mit jedem messen kann.

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Immer wieder kamen große Musiklabels auf Murder Eyez zu und wollten mit ihm zusammenarbeiten. Doch Abdul lehnte die Plattenverträge ab – aus Überzeugung. "My music ist the sound of the street", sagt Abdul. Er mache Musik für die einfachen Leute, die Verlierer der Gesellschaft, nicht für den Kommerz. Seitdem Abdul seine Heimat verlassen musste, rappt er für Geflüchtete. Der Musiker will für all jene Menschen sprechen, die sein Schicksal teilen. Mit jedem Konzert, mit jedem Interview will er ihnen wieder eine Stimme geben.

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Mikrofon.

"Dieses Mikrofon ist mein Freund, seitdem ich angefangen habe zu rappen. Loyalität und Respekt sind mir wichtig, auch wenn es nur ein Mikrofon ist und kein Mensch. Ich habe es während meiner Flucht im Rucksack aufbewahrt, neben meinem Textbuch. Es ist nicht einmal besonders wertvoll, aber für mich bedeutet es alles."

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Die Revolution auf der Straße hat ihn politisiert. In seinen Liedtexten verurteilt er die Gewalt und greift diejenigen offen an, die dafür verantwortlich sind.  Wie in dem Song "Arab Mud". Mit den politischen Statements riskiert er, vielleicht nie mehr nach Syrien zurückkehren zu können. 

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Arab Mud.

"'Arab Mud' richtet sich an alle arabischen Machthaber und Politiker. Sie lügen und unterstützen den Krieg, statt sich um ihr Volk zu kümmern. Syrien ist eine große Nation, und wir verdienen mehr als ihre Dummheit."

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Alle Syrer haben denselben Wunsch, erzählt Abdul. Sie wollen Frieden, in ihre Heimat zurückkehren und ihre Familien wiedersehen. Ob er noch Hoffnung hat, dass dieser Wunsch irgendwann in Erfüllung geht? Nicht wirklich, sagt er. Seine Zukunft sieht er hier in Deutschland.

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Zukunft.

"Jetzt bin ich einer neuen Kultur, in einem anderen Teil der Erde mit einer anderen Sprache. Die Herausforderung für mich besteht darin, einen neuen Baum zu pflanzen, mir eine neue Zukunft aufzubauen, nachdem ich alles verloren habe. Ganz ehrlich: Ich bin an einem Ort, an dem ich mich zuhause fühlen kann: ein freies Land, mit Recht auf freie Meinungsäußerung, ich bin umringt von offenen, mich unterstützenden Menschen. Ich bin am richtigen Ort und hoffe, dass ich es hier schaffen kann."

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Sein neuestes Hip-Hop-Projekt: Zusammen mit anderen Künstlern arbeitet er an einem Song auf arabisch, englisch und deutsch. Er will damit die Leute ermutigen nicht aufzugeben – selbst wenn sie alles verloren haben. "Fight for your dreams. Fight for your life. Life goes on," sagt Abdul. Und auch er hat noch viele Träume. Verraten will er sie aber nicht – bis auf einen... 

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Fliegen.

"Jeden Tag habe ich diesen Traum: Ich gehe los, springe und kann fliegen. Ich kann überall hin auf diesem Planeten, ich bin wie Iron Man. Und ich weiß, dass dieser Traum einmal wahr wird."

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