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"Licht aus!" - Wie zu viel Licht Menschen und Natur stört

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Unzählige Straßenlaternen, bunte Lichtreklamen, dazwischen Fassaden, die hell erleuchtet in den dunklen Himmel ragen: Künstliches Licht macht die Nacht fast zum zweiten Tag - doch zu viel Beleuchtung schadet Mensch und Natur. 
Forschungsergebnisse zeigen immer deutlicher, wie Kunstlicht den natürlichen Rhythmus des Lebens aus dem Takt bringt. Aus Beleuchtung ist an vielen Orten längst  "Lichtverschmutzung" geworden.

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Biologen, Astronomen, Stadtplanern - und Menschen, die einfach in hell beleuchteten Straßen wohnen: Lichtverschmutzung macht vielen Sorgen.

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Harald Bardenhagen macht sich besonders um die Fernwirkung des Lichts Sorgen:

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In der Kölner Innenstadt ist Harald Bardenhagen unterwegs. Der Astronom kämpft gegen Lichtverschmutzung und misst deshalb, wie hell es an verschiedenen Orten ist.
An diesem Abend gegen 23 Uhr zeigt sein Messgerät am Kölner Neumarkt eine Beleuchtungsstärke von mehr als 800 Lux an. Das ist so hell wie in einem gut ausgeleuchteten Büro.

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Selbst in Wohngebieten sorgt die Straßenbeleuchtung für helle Nächte - zum Beispiel in diesem Kölner Neubaugebiet. Ergebnis der Messung hier: rund 260 Lux. Viel mehr als man braucht, um den Weg zu finden. Für die Beleuchtung eines Fluchtweges ist in Deutschland zum Beispiel nur eine Beleuchtungsstärke von einem Lux vorgeschrieben.



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Anwohnerin Barbara Lammertink stört die Beleuchtung in ihrer Straße:

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Nicht alle Anwohner mögen diese hellen Straßenlaternen. Aber es ist schwierig, etwas dagegen zu unternehmen: Einen Grenzwert für Lichtemissionen gibt es in Deutschland nicht. So ist es besonders in Ballungsgebieten nachts sehr hell - hier in Köln ebenso wie im Ruhrgebiet.



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Die Lichter des Ruhrgebiets

Architekt Dennis Köhler hat mit einem Team der Fachhochschule Dortmund untersucht, wie hell Städte im Ruhrgebiet in der Nacht leuchten und dazu diese Luftaufnahmen gemacht.

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Wolken verstärken den Effekt des künstlichen Lichtes zusätzlich. Der so genannte "Skyglow" entsteht: Licht, das in den Himmel strahlt, wird von Wolken oder Staubteilchen in der Luft reflektiert. So bildet sich über Städten ein künstliches "Himmels-Glühen", das weithin sichtbar ist.





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Wie verändern sich die Lichter einer Großstadt im Laufe einer Nacht? Das haben Forscher vom Institut für Stadt- und Regionalplanung der Technischen Universität Berlin beobachtet. Ihre Filmaufnahmen zeigen: Viele Lichter sind ist nicht nur sehr hell, sie leuchten auch sehr lange.

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Es wird immer heller auf unserer Erde, nach Schätzungen eines internationalen Forscherteams im Durchschnitt  jedes Jahr um etwa sechs Prozent. Die Unterschiede zwischen besonders hellen und besonderes dunklen Orten sind dabei aber sehr groß.
Satellitenbilder der Europäischen Weltraumorganisation ESA zeigen, wie sich der Nachthimmel über Europa zwischen 1992 und 2010 verändert hat.


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Jahrmillionen waren Mensch und Natur an den regelmäßigen Wechsel von Tag und Nacht angepasst. Sonnenuntergang bedeutete: Licht aus! Bis sich ab dem 19. Jahrhundert das Kunstlicht verbreitete. Die Nacht wird seitdem immer heller. Damit kommen längst nicht alle Lebewesen klar - auch Menschen macht Kunstlicht oft Probleme.





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Bei Bäumen hat man beobachtet, dass sich in der Nähe von Straßenlaternen der Laubfall verändert: Die Bäume werfen ihre Blätter später im Jahr ab. Helles Licht bis tief in die Nacht gibt ihnen auch im Herbst noch das Signal, dass es Sommer ist.
Ob das den Bäumen schadet, weiß man noch nicht. Vielleicht macht es sie anfällig für Frostschäden. Sicher ist: Künstliches Licht bringt die natürlichen Abläufe vieler Lebewesen aus dem Takt. 






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Dr.Franz Hölker, Leiter des Forschungsverbunds "Verlust der Nacht", forscht im Labor und in der Natur:

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Im Forschungsverbund "Verlust der Nacht" untersuchen Wissenschaftler die Wirkung des Lichtes auf verschiedene Tiere und Landschaften. Berliner Forscher haben dazu sogar ein eigenes Versuchsfeld eingerichtet.


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Nachtfalter werden von Straßenlaternen angezogen wie von einem Staubsauger. Die Falter werden geblendet, können sich nicht mehr orientieren und umschwirren das Licht. Die Folge: Sie sind eine leichte Beute - zum Beispiel für Spinnen, die an den Laternen warten. Forscher gehen davon aus, dass sich die Zahl der Insekten durch diese "Lichtfallen" bereits deutlich verringert hat.  





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Künstliches Licht scheint bis in Gewässer und stört auch Fische, erklärt Dr. Franz Hölker:

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Vögel werden besonders von hell beleuchteten Türmen verwirrt: Früher vor allem von Leuchttürmen, heute auch von Hochhäusern - von den Wolkenkratzern nordamerikanischer Metropolen wie Chicago oder Toronto genauso wie vom Posttower in Bonn. Am Fuße des Posttowers hat der Biologe Heiko Haupt erschöpfte und tote Vögel gefunden und Filmaufnahmen gemacht.




 


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Biologe Heiko Haupt erklärt, wie Kunstlicht die Vögel stört, die er am Posttower gefunden und gefilmt hat:

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Als der Posttower noch das ganze Jahr voll beleuchtet war, fand Biologe Heiko Haupt bei seinen Studien etwa 1.000 Vögel pro Jahr am Fuße des Turms. Sie hatten die Orientierung verloren und waren nach unten gestürzt. Rund 200 von ihnen lagen tot am Boden. Die anderen Tiere waren völlig erschöpft oder verletzt. Diese Vögel setzte der Biologe im nahegelegenen Park ins Gebüsch. Ob sie sich wieder erholten, weiß er nicht. Während der Zeit des Vogelzugs, vor allem im Herbst, verletzten sich besonders viele Vögel.

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Um Vögel zu schützen, hat die Post die Beleuchtung des Turms während der Zeit des Vogelzuges  in den letzten Jahren schrittweise reduziert. Einige Scheinwerfer werden ganz ausgeschaltet, die Fassade leuchtet weniger hell: Statt bunten Dauerlichtern auf der gesamten Fläche bewegen sich dezentere, blaue Vogelsilhouetten über den Turm.
Die Folge: Es werden deutlich weniger Vögel irritiert als bei voller Beleuchtung. Bei den letzten Untersuchungen haben Biologen statt wie zuvor 1.000 nur noch 200 bis 300 Tiere jährlich am Fuß des Turms gefunden.







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Mit unseren Augen sehen wir nicht nur. Zellen auf der Netzhaut sind mit der Zirbeldrüse im Gehirn verbunden. Die schüttet unter anderem das Schlafhormon Melatonin aus. So beeinflusst Licht unseren Hormonhaushalt und unseren Schlaf - und so kann Kunstlicht unsere innere Uhr durcheinander bringen.

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Mediziner und Psychologen wie Dr. Sebastian Schnieder von der Universität Wuppertal untersuchen, welche Folgen Kunstlicht für unseren Schlaf und unser Wohlbefinden hat - und wie es vielleicht sogar krank machen kann. Besonders bei Schichtarbeitern wird ein Zusammenhang von zu viel Kunstlicht mit bestimmten Krebsarten, Diabetes und Übergewicht erforscht.

Noch stehen viele diese Forschungen am Anfang, aber man weiß schon: Nicht nur die Stärke, sondern ebenfalls die Farbe des Lichtes beeinflusst uns. Außerdem ist wichtig, wie lange und zu welcher Tageszeit wir Kunstlicht ausgesetzt sind. Auch das Licht von Bildschirmen hat einen großen Einfluss.



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Bildschirme können den Körper durcheinander bringen, erklärt Dr. Sebastian Schnieder:

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Für eine Studie der Universität Wuppertal haben Testpersonen diesem Hotelzimmer übernachtet. Das Zimmer war für den Versuch in zwei verschiedenen Lichtstimmungen beleuchtet. Bei einer der beiden Beleuchtungen schliefen die Testpersonen deutlich schlechter ein.

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Kühles, blaues Licht hielt die Testpersonen länger wach, weil es unser Schlafhormon Melatonin stärker unterdrückt.

Die richtige Lichtfarbe zur richtigen Tageszeit ist also wichtig. Diese Erkenntnisse wollen Mediziner und Psychologen in Zukunft verstärkt für verschiedene Zwecke einsetzen: Die Universität Wuppertal untersucht zum Beispiel, wie Passagiere auf Langstreckenflügen durch besondere Beleuchtungskonzepte besser schlafen können und ob man sie damit vor starkem Jetlag schützen kann.

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Dr. Sebastian Schnieder, Bergische Universität Wuppertal, über gutes Einschlafen:

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Zu Hause, unterwegs, in der Stadt: Es leuchtet, blitzt und blinkt um uns herum - immer mehr. Gleichzeitig werden die Nachteile von zu viel Kunstlicht immer deutlicher. Ein bewussterer Umgang mit Licht und Beleuchtungen ist also dringend nötig.






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Dennis Köhler über die größten Fehler bei der Stadtbeleuchtung:

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Auf internationalen Konferenzen suchen Wissenschaftler nach Lösungen für das Problem der Lichtverschmutzung. Stadtplaner Dennis Köhler von der FH Dortmund ist einer von ihnen. Er kritisiert, dass viele Städte ihre Beleuchtung bisher nicht bewusst genug planen.

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Wo ist es zu hell?

Eine gute Analyse ist wichtig, um Lichtverschmutzung zu vermeiden. Zum Beispiel mit Leuchtdichtemessungen, wie hier im rechten Bildteil. Auf solchen Aufnahmen erkennen Stadtplaner besonders helle Punkte. Diese Aufnahme zeigt Dortmund  - mit der Innenstadt in der Mitte und dem Stahlwerk rechts.

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Straßen ausreichend beleuchten, ohne die Umwelt mit zu viel Licht zu belasten: Dafür gibt es schon heute technische Möglichkeiten. Allerdings sind die oft teurer als die Standardbeleuchtung.
In seiner Werkstatt misst Astronom Harald Bardenhagen Lichtstärke und Farbspektrum verschiedener Straßenlaternen, um die besten Alternativen zu finden.




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Wirkungsvoll gegen Lichtverschmutzung: Straßenlaternen, die nur dorthin strahlen, wo das Licht auch wirklich gebraucht wird. Also nur nach unten auf die Straße, und nicht nach oben in den Himmel.

Außerdem ist es gut, wenn man Straßenlaternen nicht nur an- und ausschalten, sondern auch dimmen kann. So kann man tief in der Nacht, wenn kaum noch Menschen unterwegs sind, die Straßenbeleuchtung reduzieren.

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Astronom Harald Bardenhagen über den Unterschied von Stadt- und Landhimmel:

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Echten Sternenfreunden reicht weniger Straßenbeleuchtung allein aber nicht aus. Wer die Sterne richtig sehen will, muss aus der Stadt heraus, in die dunkle Natur. Zum Beispiel in den Nationalpark Eifel. Weil es hier besonders dunkel ist, wurde der Nationalpark  2014 auch als "Sternenpark" ausgezeichnet. Dort kann man den Nachthimmel auch mit den Teleskopen einer mobile Sternwarte anschauen.
In Deutschland gibt es nur noch zwei weitere Sternenparks: Im Westhavelland und in der Rhön. 

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So funkeln die Sterne über der Eifel. Diese Aufnahmen des Astronomen Harald Bardenhagen zeigen, wie man Sterne dort erleben kann, wo noch keine Lichtverschmutzung die Sicht stört.

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