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Laktosefreier Joghurt, glutenfreies Brot: Immer häufiger trifft man im Supermarkt auf Produkte für Menschen, die keine normale Milch oder kein gewöhnliches Brot vertragen – also an einer Lebensmittelunverträglichkeit leiden. Was bisher als Erkrankung galt, ist auch ein neuer Trend. Immer mehr gesunde Menschen kaufen die teuren Spezialprodukte und versprechen sich davon  Wohlbefinden. Zu Recht?

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Katharina Benda hat sich daran gewöhnt: Bevor sie ein Glas Marmelade, ein Stück Käse oder eine Tube Senf in den Einkaufswagen legt, liest sie ganz genau nach, welche Zutaten enthalten sind. Die 29-Jährige aus Dortmund darf kein Gluten essen. Tut sie es doch, bekommt sie schlimme Bauchschmerzen. Katharina Benda leidet an einer Glutenunverträglichkeit. In Deutschland ist etwa ein Prozent der Bevölkerung betroffen. Gekauft werden diese Produkte jedoch von mehr als drei Mal so vielen Menschen.  

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"Bauchschmerzen hörten nicht mehr auf"

Nach einer Indienreise entdeckte Katharina Benda, dass sie Getreideprodukte nicht mehr verträgt. Mittels einer Magenspiegelung wurde die Glutenunverträglichkeit festgestellt.

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Gluten ist ein Protein, das in den meisten Getreidesorten wie zum Beispiel Weizen, Roggen, Hafer und Gerste enthalten ist. Rund ein Viertel der Deutschen trägt die genetische Veranlagung für eine Glutenunverträglichkeit. Aber nur bei etwa einem Prozent bricht es wie bei Katharina Benda aus.

Der Verdacht vieler Verbraucher, Gluten oder gar Weizen an sich seien schädlich, ist dabei grundlegend falsch. Ernährungsforscher empfehlen gesunden Menschen Getreide zu essen, denn es enthält wichtige Ballaststoffe. Gerade der Verzicht auf diese Ballaststoffe kann Beschwerden auslösen.

Wichtig auch: Eine Unverträglichkeit ist etwas völlig anderes als eine Allergie.


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"Allergien sind gefährlicher als Unverträglichkeiten"

Während eine Allergie eine Abwehrreaktion des Immunsystems hervorruft und lebensbedrohlich sein kann, fehlt dem Körper bei einer Unverträglichkeit lediglich ein Enzym, um den Stoff zu verarbeiten, erklärt der Allergologe Dr. Ernst Rietschel von der Uniklinik Köln.

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Glutenfallen im Supermarktregal

Auch in diesen Produkten steckt Gluten, obwohl man nicht damit rechnet: Curryketchup, Joghurt, Sojasauce, Röstzwiebeln, Senf oder Schokoriegel.

Auf der anderen Seite gibt es plötzlich Lebensmittel im Supermarkt, auf denen dick und fett "glutenfrei" steht, wie etwa bei Rapsöl oder sogar Mineralwasser. Das sind reine Werbe-Maßnahmen. Beide Produkte enthalten von Natur aus kein Gluten. Und zwar schon immer.  

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"Gluten wird häufig untergemischt"

Auch eine angedickte Sojasauce oder Wurst kann Gluten enthalten, warnt Ernährungswissenschaftlerin Kerstin Bernhardt.

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Als Katharina Benda 2009 vom Arzt erfuhr, dass sie unter einer Glutenunverträglichkeit leidet, war sie erstmal erleichtert. Endlich gab es eine Erklärung für ihre ständigen Bauchschmerzen. Doch von heute auf morgen musste sie ihre Ernährung komplett umstellen. Anfangs lief sie immer mit einem Fachbuch durch den Supermarkt und schlug nach, was erlaubt ist und was nicht.

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"Die Unsicherheit am Anfang war groß"

Anfangs ging Katharina Benda mit einem dicken Buch in der Hand einkaufen - einem Ratgeber der Deutschen Zöliakie Gesellschaft (DZG). Heute weiß sie ziemlich genau, was sie essen darf und was nicht.

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Etwa 10 Prozent der Deutschen leiden an einer Laktoseunverträglichkeit, das heißt sie vertragen den Milchzucker nicht, der natürlicherweise in Milch enthalten ist.

Milchkaffee, Cappuccino, Latte Macchiato - auch immer mehr gesunde Menschen bestellen ihren Kaffee mit laktosefreier Milch. So mancher Cafébesitzer ist davon genervt  - etwa dann, wenn jemand zum laktosefreien Cappuccino auch gern ein Stück Käsekuchen bestellt - der enthält Laktose.

Bauchschmerzen nach einem Milchcafé können auch andere Ursachen haben.

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"Auch Stress kann auf den Magen schlagen"

Ernährungswissenschaftlerin Kerstin Bernhardt empfiehlt, darauf zu achten, bei welchen Lebensmitteln Unwohlsein auftritt.

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Neun Millionen Käufer griffen im Jahr 2014 zu laktosefreien Produkten. Doch  Studien zeigen, dass 82 Prozent der Verbraucher,  die diese teuren Speziallebensmittel kaufen, den Milchzucker sehr gut vertragen.  

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Auf diese starke Nachfrage hat auch die Politik reagiert: Seit Dezember 2014 müssen nach einer EU-Richtlinie alle Allergene gekennzeichnet sein.
Das betrifft auch Restaurants, Kantinen, Cafés und jede kleine Imbissbude. Sie sollen ihre Kunden über Nüsse, Gluten, Glutamat, Lactose, Fructose und vieles mehr informieren.

Ein großer Aufwand für kleine Betriebe: Jedes Produkt muss genau nach seinen Zutaten aufgeschlüsselt werden. Jeder Mitarbeiter soll geschult werden. Ein Bistrobesitzer erinnert sich an exakt zwei Nachfragen von Allergikern im vergangenen Jahr. Aber Vorschrift sei nun mal Vorschrift.

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Eine Unverträglichkeit gegenüber Gluten oder Laktose ist mittlerweile recht bekannt. Komplizierter wird es für Menschen mit einer seltenen Sorbitintoleranz. Der sogenannte Zuckeralkohol steckt in Birnen, Pflaumen und Pfirsichen. Aber auch häufig in zuckerfreien Kaugummis oder in zuckerreduzierten Lebensmitteln.

Bei einer Fructoseintoleranz reagiert der Körper auf den Fruchtzucker. Besonders fructosereich sind Früchte, aber auch Marmelade, Fruchtsäfte, Obstkuchen, Trockenfrüchte und Fruchtjoghurts. Außerdem gibt es noch Galactoseintoleranz - die Hauptquelle von Galaktose ist der Milchzucker, der in Milch und Milchprodukten vorkommt. Und schließlich die Saccharoseintoleranz, sie wird auch häufig Haushaltszucker genannt und kann in fast allen Lebensmitteln enthalten sein.



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"Zusatzstoffe in Lebensmitteln nehmen zu"

Immer mehr Menschen leiden an speziellen Unverträglichkeiten, sagt Ernährungswissenschaftlerin Kerstin Bernhardt. Das liegt auch daran, dass sich unsere Lebensmittel immer mehr verändern.

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Der Absatz von "frei von"-Produkten wächst: Zuletzt stieg der Umsatz mit laktose- und glutenfreien Lebensmitteln um rund 20 Prozent im Jahr. Und Experten rechnen damit, dass dieser Trend anhält. Von dem Hype profitieren vor allem Industrie und Handel, denn die Hamburger
Verbraucherzentrale ermittelte, dass die Spezialprodukte im Schnitt mehr als doppelt so teuer sind im Vergleich zu  herkömmlichen. 

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Nicht nur das Geschäft mit den den "frei von"-Produkten boomt, auch mit sogenannten Selbsttests lässt sich gutes Geld verdienen. Die Tests, bei denen jeder von zu Hause aus seine Unverträglichkeiten diagnostizieren kann, werden im Internet für rund 100 Euro angeboten. Der Käufer entnimmt sich eine kleine Menge Blut und schickt die Probe wieder zurück. Innerhalb weniger Tage wird sein Blut auf gerne mal 60 Unverträglichkeiten untersucht. Ärzte, wie der Allergologe Dr. Ernst Rietschel von der Uniklinik Köln, warnen explizit vor diesen Selbsttests. 

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"Auch ein Arzt kann das schnell bestimmen"

Internettest statt Arztbesuch - davon rät der Allergologe Ernst Rietschel von der Uniklinik Köln ab. Die Tests seien teuer und nicht wirklich aussagekräftig.

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Unverträglichkeiten sind nicht nur ein Geschäft, auch in anderen Lebensbereichen spielen sie heute eine Rolle. Beispiel Hochzeit: Bei einer Hochzeitsfeier sollen sich alle wohlfühlen. Auch Gäste, die unter einer Unverträglichkeit leiden. So ist es keine Seltenheit mehr, dass in der Einladung vorab die speziellen Wünsche abgefragt werden.

Und auch Restaurants wollen die Kunden mit tatsächlichen und eingebildeten Unverträglichkeiten nicht verlieren. Wer einen Tisch in einem Restaurant reservieren möchte, wird nicht selten gefragt, welche Lebensmittel er nicht verträgt.  

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Für Katharina Benda ist diese Entwicklung ein Segen. Die bessere Kennzeichnung erleichtert ihr den Alltag. Und je mehr Menschen die speziellen Produkte kaufen - egal ob sie wirklich eine Unverträglichkeit haben oder nicht - desto größer wird auch das Angebot in Supermärkten und Restaurants.

Inzwischen gibt es auch eine große Auswahl an Kochbüchern mit Rezepten für Menschen mit Unverträglichkeiten.

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Das Rezept zu Katharina Bendas leckerem Brot

Zutaten:
500 Gramm glutenfreies Mehl
400-500 ml warmes Wasser
1 Päckchen frische Hefe
3 EL Apfelessig
1 Prise Salz
Leinsamen, Sonnenblumenkerne und Sesam (nach Geschmack)

Die Hefe im warmen Wasser auflösen. Alle Zutaten vermengen (Teig ist sehr klebrig). Bei 200 Grad etwa eine Stunde backen.
Wichtig: Den Teig vor dem Backen nicht gehen lassen und den Backofen nicht vorheizen

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Kapitel 1 Leben mit Unverträglichkeiten

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Kapitel 2 Unverträglichkeit als Lifestyle

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Kapitel 3 Das Geschäft mit der Unverträglichkeit

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