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kommunalwahl2014

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In vielen Städten von NRW ist der Kommunalwahlkampf vorgezeichnet: Es gibt klare politische Lager, Amtsinhaber und Herausforderer. Spannender dagegen das, was jenseits der Großstädte passiert: Dort haben sich viele Orte längst von der klassischen Farbenlehre abgewandt. 

Vier Geschichten von Kandidaten, die unter ganz unterschiedlichen Voraussetzungen um Wählerstimmen werben.

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Willkommen in Gangelt, einem idyllischen Örtchen direkt an der Grenze zu Holland. Wer hier lebt, ist meist katholisch, wählt CDU - und seit 17 Jahren den gleichen Bürgermeister.

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Bernhard Tholen heißt er, ist 56 Jahre alt und tritt bei dieser Kommunalwahl wieder für die CDU an. Das war schon mal anders: Weil er sich mit seiner Partei überworfen hatte, schickten die Christdemokraten 2005 einen anderen Kandidaten ins Rennen. Doch ohne Tholen war die CDU chancenlos  - der nämlich trat auch ohne Parteibuch an und wurde wieder zum Bürgermeister gewählt. Da holte die CDU ihn doch lieber  zurück in den Schoß der Partei.

Plakate klebt der unumstrittene Stadtvater übrigens nicht: Viel zu aufwendig meint er, stattdessen gibts am Wahltag Brötchen für jeden Bürger - bei 11.000 Einwohnern kann man sich das wohl leisten.

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Tholen ist beliebt in Gangelt - sogar bei der SPD. Man kennt sich, lacht und plaudert - und das auch kurz vor den anstehenden Wahlen.

Streitgespräche, politische Auseinandersetzungen? Wozu denn: Die Sozialdemokraten stellen schon zum zweiten Mal keinen Kandidaten auf. Stattdessen wählen auch sie: Bernhard Tholen.

"Wir haben einfach keinen Besseren", geben die Sozialdemokraten offen zu. Man verstehe sich gut im Rat, der Bürgermeister arbeite konstruktiv  zusammen. Wozu also eine künstliche Opposition aufbauen und eigene Kandidaten verschleißen?

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Herr Tholen, wie lebt es sich ohne politische Konkurrenz?

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Wobei: Einen Konkurrenten um das Amt des Bürgermeisters hat  Tholen doch.
Gestatten: Hein Gottfried Fischer, gelernter Einzelhandelskaufmann, Zollbeamter, Sozialpädagoge und Hypnose-Coach. Er möchte den Bürgermeister gerne im Rathaus beerben.

An jeder Tür in Gangelt hat er dafür geklingelt und sich persönlich vorgestellt, nun steht er täglich vorm Supermarkt und winkt den vorbeifahrenden Autos zu. Allerdings nur denen mit Heinsberger Kennzeichen - für die anderen lohnt es nicht, sagt Fischer, die können ihn ja nicht wählen. Von vielen wird er dafür belächelt - dabei wünschen sich auch andere Bürger einen politischen Wechsel in Gangelt. 

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Die Wohlfühlpolitik über die Parteigrenzen hinweg geht diesen drei Männern gehörig auf den Keks: Roger Schröder, Heinz Huben und Gerhard Löder waren bis vor einigen Jahren selbst CDU-Mitglieder und hatten irgendwann genug. Dem Parteiaustritt folgte die Gründung der UB Gangelt - Unabhängige Bürger Gangelt. Mit der Art und Weise, wie in ihrer Gemeinde Politik gemacht wird, sind sie nicht mehr einverstanden.

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Was stört Sie an der Politik in Gangelt, Herr Huben?

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Jörg Bogumil, Politikwissenschaftler an der Ruhr-Uni Bochum

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Die Bewohner von Gangelt sind und bleiben Gewohnheitsmenschen. Bei der Bürgermeisterwahl machen 4.332 Bürger ihr Kreuz bei Amtsinhaber Tholen. Das entspricht 85,9 Prozent und einer ungefährdeten Wiederwahl. Einzelbewerber Fischer kann sich aber über ein respektables Ergebnis freuen: 713 mal wird er gewählt und steht am Ende bei 14,1 Prozent. Der unkonventionelle Wahlkampf scheint sich gelohnt zu haben. Die UB Gangelt zieht erneut mit drei Mitgliedern in den Gemeinderat ein. Die Übermacht der CDU können sie damit aber nicht brechen: Sie stellt 19 von 32 Sitzen und kann auch in Zukunft im Alleingang entscheiden.

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Auch in Monheim am Rhein muss der amtierende Bürgermeister die Konkurrenz nicht fürchten - im Gegenteil: die fürchtet ihn. Sowohl CDU als auch SPD haben für die anstehenden Wahlen keinen Kandidaten nominiert. Zu beliebt ist der Amtsinhaber.

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Bei der Wahl vor fünf Jahren sah das noch anders aus. Damals lieferte sich Zimmermann ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit gestandenen Politikern der etablierten Parteien. Es war ein Kampf David gegen Goliath. Und am Ende gelang der Überraschungssieg: Der Jung-Politiker ließ seine Kontrahenten von CDU und SPD hinter sich und zog ins Monheimer Rathaus ein. Bundesweit sorgte der Coup für Schlagzeilen. Denn: Mit gerade mal 27 Jahren wurde Zimmermann der jüngste Bürgermeister in ganz Nordrhein-Westfalen. Und das mit der außerhalb der Stadtgrenzen unbekannten Jugendpartei Peto.

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Jörg Bogumil, Politikwissenschaftler an der Ruhr-Uni Bochum

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Fünf Jahre später steht Monheim glänzend da: Als eine der wenigen Kommunen im Land ist die Stadt schuldenfrei. Geschafft hat der junge Bürgermeister das mit einer sehr umstrittenen Maßnahme: Er senkte die Gewerbesteuer und lockte so Unternehmen in die Kleinstadt am Rhein. In anderen Kommunen NRWs wird diese Maßnahme als "Raubrittertum" kritisiert. Die Monheimer stört das nicht. Sie sind mit ihrem Bürgermeister rundum zufrieden.

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Was macht diesen Mann so besonders?

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Die Liebe der Monheimer zu ihrem Bürgermeister geht sogar so weit, dass die anderen großen Parteien freiwillig den Rückzug angetreten haben. Ihnen ist klar, dass sie gegen solch ein beliebtes Stadtoberhaupt keine Chance haben, und stellen erst gar keine Kandidaten auf.

Nur die Grünen wagen es, dem Shootingstar einen Mitbewerber entgegen zu stellen. Der demokratische Schein wird damit gewahrt. An einen richtigen Zweikampf glaubt aber niemand. Sogar Zimmermann selbst ist die mangelnde Konkurrenz ein wenig unheimlich.

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Warum tritt niemand gegen Sie an, Herr Zimmermann?

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Nach der Wahl sorgt Zimmermann wieder für Schlagzeilen. Mit rekordverdächtigen 94,6 Prozent wird der Amtsinhaber wiedergewählt. Gegenkandidat Manfred Poell von den Grünen muss sich mit 5,4 Prozent zufriedengeben. Das landesweit beste Ergebnis verfehlt Zimmermann trotzdem. In Medebach im Hochsauerlandkreis kann sich Thomas Grosche (CDU) über 94,7 Prozent freuen - allerdings ohne Gegenkandidat.

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Zugegeben: Viele Menschen leben nicht im Kreis Höxter. Der Landkreis ganz im Nordosten von NRW ist dünn besiedelt. Doch wer hier lebt, wählt meist CDU. So schmiedete die politische Konkurrenz gemeinsam einen Plan, um den amtierenden Landrat abzulösen: Sie machten sich zusammen auf die Suche nach einem Gegenkandidaten. Auf ungewöhnlichem Weg.

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Beim Lesen der Lokalzeitung stieß Karl-Heinz Gaus vor einigen Wochen auf ein interessantes Jobangebot: Gesucht wurde ein Landratskandidat für den Kreis Höxter. Zwar hatte Gaus bis dahin noch nie Politik gemacht, auch im Kreis Höxter lebte der zweifache Familienvater nicht, dennoch war er sich sicher: Er ist der richtige Mann für diesen Job.

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Herr Gaus, wie kamen Sie eigentlich auf die Idee, Landrat werden zu wollen?

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SPD, Grüne und FDP sind sich sicher, dass ihr Plan aufgeht. Zu lange hatte jede Partei es auf eigene Faust versucht, immer wieder waren sie gescheitert. Nun also ein gemeinsamer Kandidat - der gleichzeitig Aushängeschild, aber auch Vermittler zwischen den Parteien sein soll.

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Gisbert Bläsing (Grüne), Uwe Rottermund (Grüne), Helmut Lensdorf (SPD) 

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Ins Rennen geht Gaus gegen diesen Mann:
Friedhelm Spieker, CDU, 59 Jahre alt.
Spieker hat schon als Stadtdirektor in Brakel und als Bürgermeister in Nethestadt gearbeitet - er kennt die Politik und ihre Tücken. Das sei auf jeden Fall von Vorteil für einen Landrat - meint er selbst.

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Was muss ein Landrat können, Herr Spieker?

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Jörg Bogumil, Politikwissenschaftler an der Ruhr-Uni Bochum

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Eine echte Konkurrenz war Gaus am Ende nicht für Amtsinhaber Spieker. Ungefährdet gewinnt er mit 73,2 Prozent und bleibt weitere sechs Jahre Landrat. "Rohdiamant" Gaus kommt nicht über 26,8 Prozent hinaus.

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Eigentlich ist es nichts Ungewöhnliches mehr: CDU, FDP und Grüne unterstützen gemeinsam einen Oberbürgermeisterkandidaten - schließlich gab es auch schon Bundesländer, die von einem Jamaika-Bündnis regiert wurden. Blickt man dieser Tage nach Hagen, steckt in dieser Angelegenheit dennoch ordentlich Zündstoff. Denn der hiesige Jamaika-Kandidat hat gerade erst sein SPD-Parteibuch zurückgegeben.

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Erik O. Schulz, 48 Jahre alt, Familienvater. Was früher in der jahrzehntelangen SPD-Hochburg einem politischen Selbstmord gleichgekommen wäre, feiert die Lokalpresse nun als "Sensationscoup". Schulz ist ein "Hagener Junge", er gilt als gut vernetzt in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und weiß obendrein, wie er sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren hat. Selbst über seinen "George-Clooney-Appeal" wird in der Ruhrgebietsstadt schon diskutiert.

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Wieso der Wechsel, Herr Schulz?

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Die Plakate des SPD-Abtrünnigen klebt jetzt auch die CDU. Die stellt zwar aktuell noch den Oberbürgermeister. Für die bevorstehende Wahl wurde aber kein eigener Kandidat gefunden. Stattdessen entdeckten die Christdemokraten ihre Überparteilichkeit.

 Auch wenn Schulzes Meinung nicht immer mit den Positionen der drei Parteien übereinstimmt, stellen sich alle hinter den Bewerber. Bei den Wählern lässt der Seitenwechsel aufhorchen.

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Was halten die Hagener von Schulzes Schritt?

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Jörg Bogumil, Politikwissenschaftler an der Ruhr-Uni Bochum

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Die SPD hat auf ihre Weise reagiert. Mit dem langjährigen Hagener Feuerwehr-Chef Horst Wisotzki stellen die Sozialdemokraten ein ebenso bekanntes Gesicht der Stadt zur Wahl. "Die nächste Überraschung", heißt es schnell. Im Wahlkampf kann Wisotzki sogar auf die Unterstützung von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft zählen. Sie ruft zur Wahl des 62-Jährigen auf und nennt ihn eine "Nachwuchskraft".

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Genutzt hat die prominente Schützenhilfe allerdings nicht. Zwar verfehlt Schulz im ersten Wahlgang mit 47,8 Prozent die absolute Mehrheit knapp. Die Stichwahl drei Wochen später geht aber deutlich an ihn. Mit 62,7 Prozent liegt Schulz klar vor SPD-Mann Wisotzki. Der ungewöhnliche Seitenwechsel hat sich ausgezahlt.

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