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Der Kaffeekapselboom – bequemer Lifestyle oder teuere Umweltsünde?

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Einfach, schnell und bequem: Immer mehr Menschen trinken Kaffee aus Kapselmaschinen.

Kaffee ist das beliebteste Getränk der Deutschen. 162 Liter trinkt jeder von uns durchschnittlich im Jahr - mehr als Mineralwasser und Bier! Der Anteil des klassischen Röstkaffees am Gesamtmarkt ist rückläufig. Das Geschäft mit Kapseln aber boomt.





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Lange Zeit war Marktführer Nespresso der einzige Anbieter von Kaffeekapseln. Doch dann strömten immer mehr Nachahmer auf den lukrativen Markt. 2005 brachte Tchibo sein Konkurrenzsystem „Cafissimo“ heraus, im selben Jahr kamen Jacobs mit „Tassimo“ und Nestlé mit „Dolce Gusto“ auf den Markt. Im Herbst 2013 folgte Aldi mit „Expressi“.

Andere Anbieter machten Nespresso noch stärkere Konkurrenz: sie kreierten Kapseln, die in die Nespresso-Maschinen passen. Dagegen klagte die Nestlé-Marke. Doch das Düsseldorfer Oberlandesgericht entschied im Februar 2013: Klon-Kapseln sind erlaubt. Seitdem boomt der Kapselmarkt. Inzwischen bieten über 20 Anbieter günstigere Kapseln für Nespresso-Maschinen an, u.a. Senseo, Lidl, Jacobs oder Dallmayr.





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Kritikpunkt an allen Kapsel-Maschinen ist der so genannte „Lock-in-Effekt“: Verbraucher können sie nur mit den passenden Kapseln nutzen. Die Maschinen sind vergleichsweise günstig, die Kapseln aber kosten viel Geld. In regelmäßigen Aktionen von Nespresso beispielsweise bekommt der Kunde beim Kauf einer Maschine Kapseln im Wert von 100 Euro dazu. Das Unternehmen kann solche Angebote machen, weil es eh hauptsächlich am Folgeprodukt, den Kaffeekapseln, verdient. Diese Marktstrategie wird auch ‚Rockefeller-Prinzip’ genannt.

Die Kapseln von Markführer Nespresso sind die teuersten, sie kosten zwischen 35 und 42 Cent. Die günstigsten Anbieter Netto, Lidl und Rewe Ja! verlangen dagegen nur 17,4 Cent pro Kapsel.







 

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Welche Folgen hat der Kapselboom für die Umwelt? Die Hersteller nutzen Hülsen aus Aluminium oder Plastik, um das Aroma des Kaffees zu schützen. Doch das Verhältnis von Inhalt zu Verpackung ist sehr ungünstig. Dazu kommt, dass viele Kapseln noch einmal extra in Folien verpackt sind. Mit dem Ergebnis: Rund 4000 Tonnen Aluminium- und Plastikmüll produzieren allein wir Deutschen durch Kaffeekapseln  - pro Jahr!





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Auch Flugzeuge werden mit Aluminium gebaut. Eine Ju-52 besteht zu etwa der Hälfte aus Aluminium. Aus 4000 Tonnen Alu-Müll könnte man 800 Ju-52 bauen!

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Kapseln gehören in die gelbe Tonne, auch wenn sie laut EU-Richtlinie keine Verpackungen sind. Sowohl Aluminium- als auch Plastikkapseln können recycelt werden. Der Kaffeesatz wird bei der Plastikverwertung herausgewaschen, beim Aluminium verschwelt.

Doch viele Verbraucher wissen das nicht und entsorgen ihre Kapseln im Restmüll. Umweltexperten schätzen, dass maximal 60 Prozent aller Kapseln in Deutschland in den Recyclingkreislauf gelangen.





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Kapseln sind offiziell keine Verpackungen, aber praktisch gehören sie in die gelbe Tonne.

Wären sie eine Verpackung, müssten die Unternehmen zahlen! Aber so können sie sich davor drücken, die Kosten der Entsorgung ihrer Kapseln über das duale System zu übernehmen.

Es gibt jedoch einige freiwillig zahlende Unternehmen, die ihre Verantwortung ernst nehmen. Das sind zum Beispiel:

Nestlé (Nespresso)
Tchibo
Senseo
Gourmesso

Nicht zahlen zum Beispiel folgende Firmen (nach eigener Aussage):

Aldi
Lidl
Jacobs
Dallmayr

Wer zahlt und wer nicht, müssen Verbraucher bei den Anbietern erfragen.





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Plastikkapseln: Probleme im Recycling

Interview mit Norbert Völl vom Grünen Punkt.

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Auch die Herstellung von Aluminium- und Plastikkapseln belastet die Umwelt. Besonders problematisch: eine Kapsel benötigt viel Verpackung für wenig Inhalt.

Bei der Gewinnung von Aluminium aus Bauxit entsteht ein giftig ätzender Rotschlamm. Zudem ist die Herstellung sehr energieaufwendig. Für ein Kilo Aluminium – etwa 100 Nespresso-Kapseln – wird über 8 Kilogramm CO2 freigesetzt.

Das Recycling von Aluminium spart gegenüber Primäraluminium 90–95 Prozent der Energie ein. Doch Nespresso-Kapseln werden hauptsächlich aus Primäraluminium hergestellt.

Die Gewinnung von Rohöl für die Herstellung von Plastik ist ähnlich ressourcenintensiv. Experten sagen: es ist nicht eindeutig zu bewerten, ob Aluminium- oder Plastikherstellung schädlicher ist.





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Kapseln aus Bioplastik – die Lösung der Zukunft?

Interview mit Hartmut Haeming, Geschäftsführer der AVG-Kompostierungsanlage in Köln Nippes

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Egal wie man sich den Kaffee zubereitet, entscheidend ist vor allem die Herkunft des Kaffees. Ob eine Bohne aus biologischem Anbau stammt oder nicht, ist viel entscheidender als die Wahl zwischen Kapseln oder Zubereitungsarten.

Das Schweizer Forschungsinstitut EMPA hat in einer Studie herausgefunden, dass im schlechtesten Fall die Kaffeekultivierung rund 70 Prozent der Umweltbelastung einer Tasse Kaffee ausmacht, im besten Fall gerade noch ein Prozent. Ins Gewicht fallen zum Beispiel der Einsatz von Maschinen wie Traktoren oder die Verwendung von Dünger und Pestiziden.

Auf den Inhalt einer Kapsel kommt es also an. Einige Anbieter verwenden bereits Bio-Kaffee. Verbraucher können auch bei Kapseln auf die Nachhaltigkeitslabel „UTZ “, „Rainforest Alliance“ und „Fairtraide“ achten.





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Senseo und Tchibo zum Beispiel haben alle ihre Kapselsorten von anerkannten Organisationen zertifizieren lassen. Senseo-Kapseln tragen das „UTZ“ Siegel, Tchibo arbeitet gleich mit mehreren Siegel-Partnern zusammen. Netto und Aldi zeigen, dass sogar zum Discounter-Preis Umweltschutz möglich ist. Weitere Anbieter beziehen zumindest den Kaffee für einige ihrer Kapseln aus nachhaltigem Anbau. Gourmesso-Kapseln zum Beispiel tragen zum großen Teil das „Fairtrade“- oder das „Bio“-Siegel, Jacobs bezieht teilweise Kaffee von Farmen der „Rainforest Alliance“. Dallmayr und Lavazza haben zumindest eine Kapsel-Sorte zertifizieren lassen.









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Kapseln produzieren sehr viel Müll und das Recycling funktioniert nur teilweise. Die Herstellung von Aluminium und Plastik ist ebenfalls ressourcenintensiv. Aber die Kapselmaschine kommt mit wenig Kaffee aus, einige Kapseln haben nur circa 5 Gramm Inhalt.

„Wer nur selten eine einzelne Tasse trinkt, für den kann die Kapselmaschine ok sein – vorausgesetzt er wählt eine Kapsel mit Bio-Kaffee“, sagt Birgit Königs vom Naturschutzbund (NABU) in Düsseldorf. „Wer viele Tassen trinkt oder für mehrere Menschen Kaffee zubereitet, sollte auf klassische Brühmethoden zurückgreifen.“

Die beste Ökobilanz haben Filterkaffee und der Kaffee aus der Espressokanne für den Herd, wenn diese Zubereitungsarten richtig angewendet werden und nicht mehr gebrüht als getrunken wird.





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Handhabung und Charakter der Espressokanne – Kaffee-Expertin Nina Heuser erklärt, wie typischerweise Italiener zu Hause ihren Kaffee machen.

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Handhabung und Charakter des Handfilters – Kaffee-Expertin Nina Heuser erklärt die neue Art des Filterkaffees.

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Handhabung und Charakter der Siebträgermaschine – Kaffee-Expertin Nina Heuser erklärt die Kaffee-Zubereitungsart der Gastronomie.

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"Kaffee aus der Kapsel ist Tütensuppe"

Ein Kommentar von Michael Gliss, Kaffee-Sommelier in Köln.

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