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Emscherkunst 2016

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Zum dritten Mal präsentiert die Emscherkunst zeitgenössische Positionen im öffentlichen Raum entlang der renaturierten Emscher.

Mit internationalen Kunststars. Und Skulpturen, Installationen und Performances von Holzwickede über Castrop-Rauxel bis nach Recklinghausen und Herne. 100 Tage lang. Für umsonst. Und an der frischen Luft.

Ein Rundgang mit den Künstlern.

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Lagunenflair am Rückstaubecken: Für "Chiosco" hat Benjamin Bergmann einen Kiosk, der 30 Jahre lang in der Nähe von San Marco stand, an den Phoenix See nach Dortmund verfrachtet. Und mit allem bestückt, was es traditionellerweise in Venedigs Souvenirshops zu kaufen gibt.

Natürlich sei die Verortung des Kiosks ein Fehler im Stadtbild, sagt Bergmann. "Und zwar ein Fehler, der hoffentlich zum Denken anregt." Falsch sind übrigens auch einige der "echten" Postkarten aus Venedig: Bergmann hat sie von  Emscherkunst-Kollegen gestalten lassen.

Wahr an "Chiosco" ist auf jeden Fall der hintergründige Verweis darauf, dass sich die Emscher inzwischen von einer Kloake zur Freizeitattraktion gemausert hat.


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Gondeln, Masken, Canaletto. Und mehr ...

Die Top 3 von Bergmanns ganz persönlichen Kaufempfehlungen.

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Auch Erik van Lieshout hat eine Venedig-Postkarte für Bergmanns "Chiosco" gestaltet. Vor allem aber hat er vier Monate auf einer einsamen Insel im Phoenix See gelebt. Seine Erlebnisse als Ethnologe des eigenen Stamms hat er in einen Film, in Zeichnungen und Fotos dokumentiert.

Lieshouts Projekt illustriert auch die Kehrseite der Emscher-Renaturierung: Die neue Schönheit der Gegend hat Spekulanten an den See gelockt. Die traditionellen Arbeiterhäuser stehen jetzt hinter den eintönig protzigen Villen von Fußballstars in der zweiten Reihe.

Auf seinem Wohlstands-Eiland stieß Lieshout auf viel beengenden Maschendraht, noch mehr Entenkot – und soziale Einsamkeit.

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Vom Leben auf der Insel

Wohnen durfte Erik van Lieshout auf der Insel nicht. Was tat er stattdessen?

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Erik van Lieshout: Die Insel, 2016 (Ausschnitt)

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Erik van Lishout fand keinen Kontakt zu den Seebewohnern. Ganz anders war dies beim Künstlerduo Lucy + Jorge Orta, die drei symbolische Figuren zur Emscherkunst beigesteuert haben. 

Grundlage und Inspiration für ihr Projekt "Spirits of the Emscher Valley" waren Gespräche mit Menschen aus dem Dortmunder Stadtteil Hörde.

Jetzt erzählen die Figuren im Dortmunder Stadtgebiet verschlüsselt von der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Ruhrgebiets. Wie diese halbnackte Vogelfrau im Minirock, die milde und hoffnungsvoll in eine bessere Zukunft blickt.

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Warum um Himmels Willen eine Vogelfrau?

Projektmanagerin Lisa Weber gibt Auskunft.

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Zum Mitmachen angelegt ist auch "Arca" von Clea Stracke und Verena Seibt. Ihr Segelschiff soll während der Emscherkunst in allen sieben Ausstellungsarealen stranden. Dann wird die Außentreppe einladend herabgelassen.

Wie es sich für ein echtes Expeditionsschiff gehört, gibt es in der Kunst-Arche neben einer kleinen Bibliothek  Forschungsinstrumente, mit denen sich Fundstücke aus der Umgebung näher betrachten und analysieren lassen.

Für Gespräche mit den Besuchern haben Stracke & Seibt von Etappe zu Etappe wechselnde Gastkünstler ins Schiff eingeladen.

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Den Anfang macht Fotograf und Maler Thomas Splett, der Schüler Günther Förgs an der Münchner Akademie war und wundervoll verrätselte Bilder schafft. Dass Splett auch Linguistik und Philosophie studierte, macht ihn als Gesprächspartner sicher noch interessanter.

Splett will vom Boot aus selbst Streifzüge in die nähere Umgebung unternehmen  – "künstlerische Interventionen" inklusive. Ihn reizt es, "Menschen zu ermuntern, Kunst zu entdecken und selbst Dinge zu entdecken, die keine Kunst sind".

Das Leitmotiv der diesjährigen Schau – "Entdecke die Kunst, erlebe die Veränderung" – ist also abgedeckt.


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Auch die Malerin Marja Zomer ist Teil eines Kunstwerks. Allerdings ist ihr Kutter, mit dem sie den Rhein-Herne-Kanal von Holland bis zu einem toten Arm der Emscher heruntergeschippert ist, für Kunstfans nicht geöffnet.

Zomer gehört zum Team der bewohnbaren Rauminstallation "Warten auf den Fluss" der vier niederländischen Künstler von "Observatorium". Hier hat sie beim Aufbau mitgeholfen und will vielleicht vor Ort Malkurse geben.

Für die rund 200 Meter Luftlinie zu ihrem temporären Arbeitsplatz lässt Zomer übrigens ihr Kanu zu Wasser. Paddeln ist wesentlich schneller als zu Fuß.

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Geert van de Camp ist Teil von "Observatorium". Hier steht er in einer der Kabinen ihres Kunstwerks, die man zum Übernachten mieten kann.

Bei der letzten Emscherkunst stand "Warten auf den Fluss" auf einem Gelände, das von der renaturierten Emscher erst noch erobert werden sollte. Inzwischen hat das Kunstwerk den Fluss eingeholt: Auf der einen Seite räkelt sich der gekappte Lauf der alten Emscher, auf der anderen fahren im Minutentakt die Containerschiffe.

2010 und 2013 war "Warten auf den Fluss" der stille Star der Emscherkunst. 2016 könnte es, allein wegen der tollen Lage, wieder so werden.


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Zwischen den Wassern

Warum ausgerechnet hier? Geert van de Camp erklärt die Standortwahl.

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Kunst und Natur, Idylle und Verkehr bringt auch das "atelier le balto" zusammen. Die drei Franzosen aus Berlin haben einen verwilderten Haselnusshain unter einem Autobahnzubringer begehbar gemacht.

Nun kann man auf einer Aussichtsplattform vor einer Lärmschutzwand auf die renaturierte Emscher hinunterschauen. Und sich inmitten des Verkehrskrachs auf Stegen und in einer von Baumkronen geformten Höhle der Illusion hingeben, an einem verwunschen Ort zu sein.

Oder sich von den vielen anderen Eindrücken der Emscherkunst 2016 erholen. Auch hierzu ist die bezeichnenderweise "Kunstpause" genannte Naturskulptur gedacht.

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Die Haselnuss-Kathedrale

Wie die Autobahnbrücke Natur erhaben macht, erzählt Véronique Faucheur.

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Nur einen Katzensprung von "Kunstpause" entfernt, direkt am Fahrradweg und mit Emscherzugang, wartet "Zur kleinen Welle" des 14-köpfigen Berliner Kollektivs "raumlabor" darauf, betreten zu werden.

Inzwischen ist durch die Außenhaut nicht mehr klar ersichtlich, woraus das Werk gemacht ist. Das zauberhafte Geheimnis des rätselhaften Baus erwartet den Besucher aber ohnehin im Innern.

Nur so viel sei verraten: Es geht um "die Idee des Einswerdens des Menschen mit dem Kosmos mitten in der geräusch- und bildgewaltigen Ruhrgebietsszenerie". Und darum, "über die Herkunft und Zukunft der geschenkten, renaturierten Flusslandschaft zu reflektieren".

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Was den Besucher im Inneren der Welle erwartet

Claire Mothais von "raumlabor" lüftet das Geheimnis.

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Viele Arbeiten der Emscherkunst 2016 machen den Pott zum poetischen Zwischenreich. "M+M" denken anders. Ihre Filminstallation "Schlagende Wetter" (2010) setzt die konkrete Industrie- und Postindustriegeschichte der Region in Szene - und ist dabei doch hoch artifiziell.  

"Unsere Arbeit versucht, den Veränderungen, die die Renaturierung mit sich gebracht hat, auf der psychologischen Ebene nachzuspüren", betont das Duo fast unisono. "Wir konzentrieren uns auf den sozialen Kosmos der Familie."

Zu sehen in der ehemaligen Waschkaue der Kokerei Hansa, die wie der Ruhrpott entlang der Emscher ist: Halb verrostet, halb verwildert und zum Teil wieder museal aufgemotzt.

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Drei Generationen Pott

Warum "Schlagende Wetter" in die Kokerei Hansa gehört, sagt Marc Weis von "M+M". 

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M+M: Schlagende Wetter, 2010 (Ausschnitt)

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Wo M+M mit "Schlagende Wetter" auf vier Leinwänden langsam erzählen, entwickelt Tobias Zielony in seiner ungewöhnlichen Hochkant-Videoinstallation "Tamil Stars" auf einer einzigen Leinwand eine gehörige Portion Hektik.

Gezeigt wird das Training einer tamilischen Fußballmannschaft aus der Kreisliga B auf ihrem Platz in Dortmund-Brackel. Die Spieler werden von bösen Geistern und einer Bollywood-Tänzerin heimgesucht - erzählt in atemberaubendem Tempo und mit schrägen 3D-Effekten.

Untergebracht ist Zielonys Installation in einem leer stehenden Ladenlokal. Die Standortwahl reflektiert den Leerstand: ein Problem, mit dem viele Ruhrgebietsstädte zu kämpfen haben.


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Kick it like Zielony

Tobias Zielony über Fußball, Comedy und Horror.

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Die Emscherkunst 2016 ist noch bis zum 18. September  zu sehen. Am besten ist der diesmal nur 50 Kilometer lange Parcours mit dem Fahrrad zu erkunden. Aber es geht auch zu Fuß. Und im allergrößten Notfall auch mit dem Auto.

Zwei Tage sollte man für die gesamte Strecke mit ihren 24 Positionen auf alle Fälle einplanen. Und zwischendurch in "Warten auf den Fluss" am Wasserkreuz, im Hochbett von Reiner Maria Matysiks "Cloud Maschine" am Phoenix See oder in Ai Weiweis Zelten beim Emscherquellhof übernachten.

Wie's geht, steht auf der Website der Emscherkunst 2016.

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