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Junge Kunst auf der 49. Art Cologne

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Die Art Cologne ist die Mutter aller Kunstmessen. Aber sie will auf keinen Fall in die Jahre kommen. Im Gegenteil: Wenn es nach ihrem Direktor Daniel Hug geht, dann soll sie Zeit ihres Lebens vor allem eine "Entdeckermesse" bleiben.

Auch 2015 setzt die Art Cologne mit ihren 209 Galerien aus 23 Ländern deshalb wieder explizit auf junge Kunst. Die Stars von morgen - eine Multimedia-Reportage von WDR 3 und WestART.

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Extrem angesagt ist momentan Katja Novitskova (Jahrgang 1984). Auf der Kunstmesse  ist die estnische Künstlerin durch eine schwingende Babyschaukel vertreten, die mit Fischködern und Kabelschläuchen garniert ist. Und durch eine absurd sich windende Wachstumskurve aus Harz und Gummi. Mit  eingegossenen Fliegen.

Bei Novitskova geht es meistens um den Eingriff des Menschen in natürliche Lebenszyklen. Und um die Wirrungen des ökologischen Fortschritts. Aber vielleicht geht es ja auch darum, dass die Geburt von Sternen auf dem Kunstmarkt selten gradlinig und berechenbar verläuft.

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Den vielleicht aufregendsten Ansatz auf der Art Cologne 2015 vertritt der 30-jährige Chinese Ren Ri: weil er seine Kunst nicht mehr selber macht, sondern von Bienen machen lässt.

Für seine Serie "Yuansu II" setzte Ren Ri eine Bienenkönigin in die Mitte eines Plexiglaskastens und ließ die Arbeiterinnen um sie herum die Waben bauen, wobei er den Kasten alle sieben Tage willkürlich drehte und die desorientierten Bienen damit zum Richtungswechsel zwang.

Durch diesen "zufälligen" Eingriff in das natürliche Schöpfungsprogramm der Insekten entstanden spektakuläre Skulpturen von berückender Schönheit.

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Ren Ri zeigt seine Bienenkunst im Rahmen des Förderprogramms "New Positions", das Galerien eine 25 Quadratmeter große Extrafläche für junge Künstler einräumt. In diesem Rahmen zeigt die Galerie Thoman aus Wien Carmen Brucic, die ihre Sonderkoje als Ausstellungsraum nutzt.

Brucic zeigt hier erstmals ihre neue Fotoserie "Adam & Venus", die teils unerhört sinnliche Aufnahmen historischer Anatomiemodelle aus dem Wiener Josephinum zeigt. Kunst und Wissenschaft, Fleisch und Wachs, Tod und Erotik, chirurgischer und ästhetischer Blick, Analog- und Digitalfotografie berühren sich.

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"Der Ort war für mich wie ein Märchenort"

Carmen Brucic erzählt "WestART"-Moderatorin Anja Backhaus, warum Wachs im Josephinum lebendig wurde.

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Auf der Art Cologne feiern die "New Positions" ihren 35. Geburtstag. Das Förderprogramm ist damit genauso alt wie Alex Lebus, die sich am Stand von Eigen + Art aus Leipzig und Berlin in der illustren Gesellschaft von renommierten Kollegen wie Tim Eitel oder Martin Eder befindet.

Lebus zeigt eine speziell für die Messe gefertigte begehbare Installation aus rund 100 Spiegeln, die das Wort "Me" im Auge des Besuchers in ein "We" verwandelt. Und verwischt so auf beeindruckend simple  Weise die Trennung von Objekt und Betrachter, Wahrheit und Täuschung, Schein und Sein.

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Wie die Spiegel von Alex Lebus, so haben auch viele andere Arbeiten junger Künstler auf der Art Cologne 2015 noch keine Galeriewand gesehen: Sie wandern direkt aus den Ateliers von überall auf der Welt in die Kölner Messehallen.

Und danach hoffentlich ins Wohnzimmer eines klugen Sammlers, der sich Kunst nicht nach der Farbe seines Sofas aussucht, sondern aus wahrer Leidenschaft fürs Einzelwerk.

Den meisten jungen Künstlern wäre eine Ausstellung im Museum allerdings noch lieber.

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In seinem Düsseldorfer Atelier hat auch Jan Pleitner zwei Wochen vor Messestart die Handschuhe übergestreift und mit einem Großformat begonnen. Seine farbintensiven Bilder werden auf der Art Cologne von "Ancient Modern" aus London präsentiert.

Skizzen und Entwürfe macht der 30-Jährige, der unter anderem bei Jörg Immendorf studierte, keine. Er vertraut auf "zehn Jahre Mal-Erfahrung" und trägt die Farben direkt auf die glänzend weiß grundierte Leinwand auf. Selbst auf die Gefahr hin, dass er Teile mehrfach wieder übermalen muss.

Die weiße Leinwand im Hintergrund hat es auf die Art Cologne geschafft. Bemalt natürlich.

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Machen Sie aus der weißen Leinwand per Schieberegler Jan Pleitners Bild auf der Art Cologne 2015.

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Wo Jan Pleitner ganz auf Farbe setzt, versucht Peppi Bottrop (links) nichts weniger als die Quadratur des Kreises. Mit Grafitstiften unterschiedlichster Dicke wirft der im Ruhrpott geborene 32-Jährige auch auf seinen für die Art Cologne gemachten Bildern ganze Räume auf die Leinwand: und dies völlig ohne perspektivische Illusion.

Sein Kölner Galerist Jan Kaps (rechts) ist erst zwei Jahre im Geschäft. Peppi Bottrop hat er mit in die Messehallen genommen, "weil er mit wenigen dynamischen Gesten auch seine Umgebung mit ins Bild integriert. Das fasziniert mich sehr. Ich sehe darin eine neue Blickrichtung in der Malerei".

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Peppi Bottrop mag keine Rahmen. Er tackert die Leinwand lieber direkt auf die Wand seines riesigen Ateliers in einer ehemaligen Lederfabrik in Bensberg. Dabei prägt sich beim Druck des Zeichnens auch die Struktur der Atelierwand in das präparierte Gewebe ein: Das fertige Bild erzählt seine Entstehungsgeschichte immer mit.

Um schnell Abstand vom Bild zu gewinnen und sich für den Malprozess neu zu sortieren, fährt Bottrop auch schon mal mit seinem Skateboard durch die Halle. Wer genau hinsieht, kann das Skateboard in unserem Zeitraffer erkennen. Einfach weiterscrollen!

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Peppi Bottrop im Zeitraffer

Making-of by Peppi Bottrop: Die ersten zwei Stunden im Leben eines Art-Cologne-Bildes im Zeitraffer.

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Jan Pleitner und Peppi Bottrop gehören zu einer jungen Künstlergeneration aus dem Rheinland, die sich von der figürlichen Malerei losgesagt hat: zugunsten einer Abstraktion, die stark reduziert ist.

Star der Strömung ist der Kölner Maler David Ostrowski, der in den USA bereits in einem Atemzug mit Polke, Richter oder Trockel genannt wird – und für ein Gemälde schon mal 250.000 Dollar erzielt. Seine Bilder hat Ostrowski wegen einer Ausstellung in Innsbruck allerdings kurzfristig von der Art Cologne zurückgezogen.

Trotzdem zieht sich die "reduzierte Abstraktion" wie ein roter Faden durch die aktuelle Messe: von den Farbfleck-Kompositionen Ernst Wilhelm Nays über die Nagel-, Licht- und Feuerbilder der Düsseldorfer Zero-Künstler aus den 60ern bis hin zur Gegenwartskunst .

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Anders als Ostrowski hat Henning Strassburger den großen Durchbruch noch vor sich. Der 31-jährige Berliner Künstler malt zwar "reduziert abstrakt", hinterfragt aber trotzdem ganz konkret die Geschmacksverwirrungen der Medienwelt. Dazu gehören auch die "wirren Layouts mit ihrer Überflutungslogik".

Laut Art-Cologne-Direktor Daniel Hug ist Strassburger ein echter Geheimtipp, der in den nächsten Jahren voll durchstartet. Also: Schnell noch kaufen! Sofern daheim der Platz zum Hängen reicht natürlich.

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"Es geht eher um eine Druck- oder eine Bildkultur"

Geht es um Trash? Henning Strassburger im Interview mit "WestART"-Moderatorin Anja Backhaus.

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Anders als Strassburger beschäftigt sich Max Frintrop mit dem, was wir im Mainstream für gewöhnlich nicht zu Gesicht bekommen. Ihm geht es darum, mit einfachen geometrischen Formen abstrakte Territorien zu schaffen, die die eigene Wahrnehmung herausfordern. Am Stand von Berthold Pott (rechts) ist der 32-Jährige mit drei neuen Arbeiten vertreten.

Berthold Pott hat seine Galerie vor drei Jahren gemeinsam mit seiner Frau in Köln gegründet. Und sein Programm mit jungen deutschen Künstlern unter anderem aus dem Rheinland seitdem  "von Jahr zu Jahr internationalisiert". Dem Düsseldorfer Frintrop ist er trotzdem treu geblieben.

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"Die Arbeiten haben eine extreme Emotionalität"

Berthold Pott erklärt im Interview mit "WestART"-Moderatorin Anja Backhaus, warum er Max Frintrop spannend findet.

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Berthold Pott zeigt Max Frintrop in einem "Collaborations" genannten Sektor der Art Cologne, in der Galerien gemeinsame Projekte präsentieren können. Zusammen mit der "New Contemporaries" für junge Galerien unter zehn Jahren bilden die "Collaborations" die Spielwiese der Kölner Kunstmesse.

2015 haben beide mit Halle 11.3 zum ersten Mal eine eigene Ebene bezogen. Dort treffen 29 junge Galerien und 32 "Kollaborateure" aufeinander – und blicken von ganz oben mehr oder weniger respektvoll aufs Establishment hinab.

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Die Spielwiese füllt sich mit Kunst – wenn Sie per Schieberegler mitspielen!

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Kunst von "New Contemporaries" präsentiert auch Max Mayer aus Düsseldorf (im Bild). Laut Art-Cologne-Direktor Daniel Hug gehört er zu einer neuen Generation von Galeristen "mit intelligentem Programm, die gut vernetzt ist und den Finger hat am Puls der Zeit".

Sein Talent hat Max Mayer von Vater Hans geerbt: Der Übergalerist, der unter anderem die Pop-Art nach Deutschland holte, Zero bekannt machte und zu den Gründervätern der Kölner Kunstmesse gehört, erhält 2015 den Art Cologne Preis für sein Lebenswerk.

Max Mayer geht mit Jan Paul Evers an den Start, der die technischen und ästhetischen Möglichkeiten der Fotografie auszuloten sucht – und momentan auch in der Gruppenausstellung "Le Souffleur – Schürmann trifft Ludwig" im Ludwig Forum Aachen zu sehen ist.

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"Ein Galerist vertritt mit Leidenschaft das, was er zeigt"

Was macht einen guten Galeristen aus? Max Mayer im Gespräch mit "WestART"-Moderatorin Anja Backhaus.

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Wie jung Kunst sein kann, beweisen die "Chicks on Speed" rund um die Amerikanerin Melissa Logan  (rechts). Mit "Klares kaltes Wasser" schaffte es das Elektropunk-Kollektiv 2000 bis in die Dancefloor-Charts. Inzwischen bespielte es das Centre Pompidou in Paris und das MoMa in New York.

Die Berliner Galerie "401Contemporary" widmet den "Chicks" auf der Art Cologne eine Soloschau: Live-Performance und interaktive Chicks-Apps inklusive. Am Stand steht auch eine Karaoke-Installation mit Pop-Hits, die die zehnköpfige Avantgardegruppe auf die aktuelle Drohnenangst hin umgetextet hat.

Politisch. Witzig. Trashig. Böse. Wie es sich für junge Kunst gehört. Und: Wer beim "Chicks on Speed"-Karaoke mitsingen will, sollte weiterscrollen!

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"Sing, bevor du explodierst"

Chicks-on-Speed-Drone-Hits-Karaoke.

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Die Art Cologne läuft noch bis zum 19. April 2015 in den Kölner Messehallen. Und natürlich hat die älteste Kunstmesse der Welt neben junger Kunst auch viel Etabliertes für den etwas gediegeneren Geschmack im Angebot, von "A" wie Arp bis "W" wie Wesselmann. Kein Wunder: Im nächsten Jahr wird Mutti ja schon 50.

Trotzdem: Von Midlife-Crisis ist auf der 49. Art Cologne zum Glück noch keine Spur. Auch in ihrer aktuellen Ausgabe ist Kölns einzige echte Kunstmesse eine "Entdeckermesse" geblieben.

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